"Years and Years": Vivienne Rook (Emma Thompson) steht hinter einem Podest und schaut verdutzt. © ZDF / Matt Squire Foto: Matt Squire

Serie "Years and Years" in ZDF Mediathek: Die Apokalypse naht

Stand: 18.01.2021 12:05 Uhr

Es gibt Serien, die spielen in der Zukunft und werden von der Gegenwart eingeholt. So ist es der sehr empfehlenswerten BBC-Serie "Years and Years" passiert, aktuell in der ZDF-Mediathek zu sehen.

"Years and Years": Vivienne Rook (Emma Thompson) steht hinter einem Podest und schaut verdutzt. © ZDF / Matt Squire Foto: Matt Squire
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von Anna Wollner

Die britische Serie in der ZDF Mediathek spielt eigentlich in der Zeit von 2019 bis 2030, also in der nahen Zukunft, und die sich in heutigen Zeiten auf einmal ganz real anfühlt.

Als Serienschöpfer Russell T. Davies die Idee zur sechsteiligen Mini-Serie "Years and Years" hatte, waren rechtspopulistische Politikerinnen - wie Emma Thompson hier als Vivienne Rook eine spielt -, zwar schon auf dem Vormarsch, aber an das Leben in einer weltweiten Pandemie im Jahr 2020 hat da noch keiner gedacht.

"Years and Years" - BBC Serie handelt von Bankencrash

"Years and Years": Die Lyons und Fran Baxter schauen beim Pizza-Essen die schockierenden Nachrichten im Fernsehen (BBC-Serie in der ZDF-Mediathek) © ZDF / Matt Squire Foto: Matt Squire
Daniel Lyons (Russell Tovey, l.), Fran Baxter (Sharon Duncan Brewster, 2.v.l.), Stephen Lyons (Rory Kinnear, M.) und Rosie Lyons (Ruth Madeley, r.) schauen die schockierenden Nachrichten im Fernsehen.

Umso erschreckender wirkt die Serie im Corona-Jahr 2020/2021. Die sechs Folgen erstrecken sich von 2019 bis ins Jahr 2030. Im Mittelpunkt eine Großfamilie aus Manchester, die Lyons. Eine chaotische Familie in chaotischen Verhältnissen. Die Matriarchin ist Muriel, ihr Haus wird immer wieder Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Sohn Nummer Eins, ein Finanzberater, verheiratet mit einer Afrobritin, verliert sein Vermögen im Bankencrash: "Die Bank ist pleite. Wir sind komplett am Arsch", sagt er.

Sohn Nummer Zwei, schwul, engagiert sich in der Flüchtlingskrise und versteht irgendwann die Welt nicht mehr. Die Schwester ist Weltenbummlerin und Umweltaktivistin, wird immer radikaler in ihren Ansichten und ihrem Handeln: "Wir sagen immer wieder, wir haben noch zehn Jahre Zeit um den Klimawandel zu stoppen. Es ist zu spät", sagt sie.

Nahende Apokalypse, gespiegelt im Kleinen

Die Großfamilie Lyons sitzt an der gedeckten Tafel - Szene aus der Serie "Years and Years" der BBC - zu sehen in der ZDF Mediathek © ZDF / Matt Squire Foto: Matt Squire
Die Großfamilie Lyons sitzt an der gedeckten Tafel.

Während alle Lyons ihr Leben leben, laufen im Fernsehen die Nachrichtenbilder. Im Jahr 2019 eskaliert die Weltlage und auch der Alltag der Familie gerät aus den Fugen. Die politisch-globale Eskalation spiegelt sich im Kleinen wider. Mit einer unglaublichen Geschwindigkeit der Nachrichtenereignisse und Facetten einer möglichen Apokalypse, im realistischen Rahmen: Bankenpleiten, Flüchtlingsströme, der weltweite Rechtsruck unter einer zweiten Amtszeit von Trump, dem Aufstieg der populistischen Politikerin zur englischen Premierministerin, Umweltkatastrophen - drängt sich die Weltpolitik immer weiter ins Leben der Lyons. 

Aufwühlende, beängstigende, berührende Serie

Durch diesen Clou, die Weltpolitik auf die familiäre Ebene runterzubrechen, sind die Geschehnisse in ihrer rasanten Geschwindigkeit nie abstrakt, sondern immer persönlich. Das ist alles sehr vollgepackt, manchmal fast zu viel, aber eben doch genau in der richtigen Dosis, denn passend zu unserer realen Welt, außerhalb jeder Serie. "Years and Years" ist dystopische, zukunftsnahe Zeitgeschichte erzählt anhand einer einzelnen Familie. Aufwühlend, beeindruckend und beängstigend zugleich. Und bei all der Dystopie: vor allem berührend.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 15.01.2021 | 16:20 Uhr

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