Romy Schneider lächelt in die Kamera © picture-alliance / Sven Simon | SVEN SIMON Foto: Sven Simon

Romy Schneiders 40. Todestag: "Ich konnte es nicht"

Stand: 29.05.2022 06:00 Uhr

Vor 40 Jahren starb Romy Schneider. Noch Jahrzehnte nach ihrer bekanntesten Rolle war die Schauspielerin auf ihr Image als Sissi festgelegt. Sie hasste es. 

von Siegfried Tesche

Es ist eine berühmte Szene aus einem ihrer frühen Filme: In ein Tal hinein schreit Romy Schneider nach Liebe, nach "Franz!". Aber es ist nicht der von Karlheinz Böhm gespielte Kaiser Franz aus den Sissi-Filmen. Es ist ein junger Leutnant, gespielt von Alain Delon. Sie wollen sich ewig lieben, heißt es im Film "Christine" aus dem Jahr 1958. Tatsächlich war die zerbrochene Liebe zu Delon einer der vielen Rückschläge der Schauspielerin. Dazu zählt auch der schwierige Umgang mit ihrer Mutter Magda. Sie bestimmte, was sie zu tun hatte.

Durch "Sissi" zum Star - der sie nie sein wollte  

Hinzu kam die frühe Trennung der Eltern. Ihr Vater Wolf Albach-Retty verließ sie, als sie fünf Jahre alt war. Romy musste ins Internat. Besuch bekam sie fast nie. Als ihre Mutter den Gastronomen Hans Herbert Blatzheim heiratete, wurde es nicht besser. Im Gegenteil. Hans Joachim Fuchsberger erzählt in einer Dokumentation: "Der größte Fehler, den er begangen hat, war, dass er die Romy zu diesem Blatzheim-Imperium gezählt hat. Daraus entstand sicherlich die Spannung, weil die Romy ließ sich bis zu einem gewissen Grad führen und animieren - aber sie ließ sich nicht diktieren."

Zu Anfang ihrer Karriere machte Romy noch das, was die Mutter verlangte. Schon mit 15 agierte sie als ihre Filmtochter. Sie drehte fünf Filme in zwei Jahren, ehe sie die Sissi zu dem Star machte, der sie nie sein wollte. 

Romy Schneider: "Ich war dauernd die Prinzessin"

Drei riesige Filmerfolge als Sissi und Romy Schneider war festgelegt - und unglücklich: "Ich war nicht nur vor der Kamera die Prinzessin - ich war dauernd die Prinzessin, fast sieben Jahre lang. Aber dann wollte ich es eines Tages nicht mehr sein." 

Sie suchte nach neuen Herausforderungen und ging ins Ausland. Peter O'Toole ("Was gibt's Neues, Pussy?"), Jeanne Moreau und Orson Wells ("Der Prozeß") waren plötzlich ihre Schauspielpartner.

Doch nur auf der Weltbühne zu stehen, war für Romy Schneider nicht befriedigend. Das damalige Starsystem machte sie nicht glücklich. "Als Star musst du alles akzeptieren, musst dauernd überall zu sehen sein. Der Regisseur Otto Preminger hat einmal zu mir gesagt: Wenn du die sogenannte Weltkarriere machen willst, dann drehe alles, was kommt. Ich habe es versucht und ich konnte es nicht."

Anerkennung für Rollen in Frankreich

Nach ihrer ersten gescheiterten Ehe mit Harry Meyen ging sie nach Frankreich und fand die Anerkennung, die ihr zuvor verwehrt worden war. Sie wurde als beste ausländische Schauspielerin geehrt und zweimal, in den Filmen "Nachtblende" (1975) und "Eine einfache Geschichte" (1978), gewann sie den renommierten Filmpreis César als beste Hauptdarstellerin. 

Aus der Prinzessin wurde eine Femme fatale, doch das private Glück blieb aus. Auch ihre zweite Ehe mit Daniel Biasini wurde geschieden. Sie heiratete ihren Sekretär. Als ihr Sohn David 1981 durch einen Unfall starb, verkraftete sie den Schicksalsschlag nicht. In ihrer Autobiografie schreibt sie ein Jahr vor ihrem Tod: "Ich hasse dieses Sissi-Image. Was gebe ich den Menschen schon, außer immer wieder Sissi. Sissi? Ich bin noch längst nicht mehr Sissi. Ich war das auch nie. Ich bin eine unglückliche Frau von 42 Jahren und heiße Romy Schneider." Diese Romy Schneider starb am 29. Mai vor 40 Jahren.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 29.05.2022 | 14:20 Uhr

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