Szene aus "Resistance" © Warner Bros.

"Résistance": Jesse Eisenberg fasziniert als Marcel Marceau

Stand: 13.10.2021 17:35 Uhr

Jesse Eisenberg und Matthias Schweighöfer treffen in einem Biopic über den Pantomimen Marcel Marceau, der sich 1942 dem Widerstand anschloss, aufeinander.

von Walli Müller

Weiß geschminktes Gesicht, Ringel-T-Shirt, Hut und Blume, so bleibt der französische Pantomime-Clown Marcel Marceau in Erinnerung. Er hat es weltweit zu großer Berühmtheit gebracht, weil sein stummes Schauspiel mit Weinen, Lachen und dem menschlichen Streben und Scheitern überall verstanden wurde. Nun erzählt ein Kinofilm, wie Marcel Marceau zu seiner Kunst fand - nämlich als Teil des Widerstands gegen die Nazis im Zweiten Weltkrieg.

Zu Beginn des zweiten Weltkriegs ist Marcel 16 Jahre alt und in den Augen seines Vaters, eines jüdischen Straßburger Metzgermeisters, ein ziemlicher Taugenichts. Statt ihm im Laden zu helfen, schleicht er sich davon, um auf halbseidenen Bühnen herumzuhampeln.

Ein Clown, verkleidet als Hitler in einem Bordell!! – Papa, das ist nicht Hitler, sondern Chaplin – in einem Cabaret. – Oh, verzeih meine Unwissenheit. – Ich bin Schauspieler! Ausschnitt aus dem Film "Résistance"

Marcels großer Bruder engagiert sich da schon längst im Widerstand gegen die deutschen Besatzer und versteckt mit seiner Gruppe jüdische Waisenkinder. Auf Marcels Hilfe kann er dabei zunächst nicht zählen.

Ist mir egal, was sie durchgemacht haben. Ich kann nicht gut mit Kindern, ich hab keine Geduld. Tut mir leid. Ausschnitt aus dem Film "Résistance"

"Résistance" ist keine reine Film-Biographie

Szene aus "Resistance" © Warner Bros.
Verzaubert nicht nur Kinder: Marcel Marceau alias Jesse Eisenberg

Man darf "Résistance" nicht als reine Film-Biographie sehen. Regisseur Jonathan Jakubowicz, ein Venezolaner mit jüdisch-polnischen Wurzeln, greift in seinem Drehbuch Elemente von Marceaus Vita auf, fügt sie aber passgenau in die Geschichte der mutigen Widerstandskämpferinnen und -kämpfer ein, die er ebenso erzählen will.

Sie können Marcel schließlich überzeugen, bei der Kinderbetreuung mitzuwirken. Und da zeigt sich seine Gabe: Mit einer ganz einfachen Geste - eine wischende Handbewegung, mit der er aus seinem traurigen ein fröhliches Gesicht macht – entlockt er traumatisierten Waisenkindern ein befreites Lachen. Hier also liegt der Ursprung der Kunst des großen Pantomimen Marcel Marceau, die er bis zu seinem Tod 2007 virtuos praktizierte. "Das Interessante für uns ist zu sehen, dass die Pantomime nicht gebunden ist an eine Sprache, sondern überall verstanden werden kann", beschrieb Marceau seine Kunst: "Es gibt kein japanisches Lachen oder deutschen Lachen. - Nein. - Es gibt kein französisches oder deutsches Weinen, nicht wahr? - Nein."

Faszinierend Jesse Eisenberg als Marcel Marceau zuzuschauen

Szene aus "Resistance" © Warner Bros.
Beherrscht das Spiel mit Mimik und Gestik: Hauptdarsteller Jesse Eisenberg

Im Film zeigt Hauptdarsteller Jesse Eisenberg, bekannt geworden als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in "The Social Network", wie sehr auch er das Spiel mit Mimik und Gestik beherrscht. Fasziniert schaut man ihm dabei zu, wie er den Kindern spielerisch das Verstecken beibringt - bevor er mithilft, sie über die grüne Grenze in die Schweiz zu schmuggeln.

Ein Eichhörnchen versteckt sich. Das Eichhörnchen sucht keinen Platz, um sich im Baum zu verstecken. Nein, das Eichhörnchen sucht nach einem Platz, an dem es selbst zu einem Teil des Baumes wird. Ausschnitt aus dem Film "Résistance"

Mutige Verkörperung von Klaus Barbie durch Matthias Schweighöfer

Ganz neu "entdecken" kann man hier den Schauspieler Matthias Schweighöfer. Man kennt von ihm ja fast nur Klamauk-Komödien. Mutig also, dass er in diesem, von seiner Firma mitproduzierten Film Klaus Barbie, den "Schlächter von Lyon" verkörpert. Und alle Achtung, er meistert diese Aufgabe bravourös, weil er die Rolle zurückhaltend angeht. Gerade die "zivilisierte" Attitüde dieses Sadisten und Massenmörders geht einem durch Mark und Bein.

Es kommt in "Résistance" viel Fiktion zur Wahrheit. Unwahrscheinlich etwa, dass Marcel Marceau beim Ausschleusen jüdischer Kinder tatsächlich von Klaus Barbie persönlich gejagt wurde. Hier mindert die filmische Verdichtung stellenweise die Glaubwürdigkeit. Der Film ist dennoch berührend, weil der Mut der Menschen im Widerstand zutiefst beeindruckt und weil begreiflich wird, worin die lebenslange Melancholie des Pantomime-Clowns Marceau wurzelte. Ein großer Künstler konnte er nur werden, weil er einst zu menschlicher Größe fand.

Résistance

Genre:
Biopic, Drama, Kriegsfilm
Produktionsjahr:
2021
Produktionsland:
Deutschland, Frankreich, Großbritannien, USA
Zusatzinfo:
mit Jesse Eisenberg und Matthias Schweighöfer
Regie:
Jonathan Jakubowicz
Länge:
122 Minuten
FSK:
ab 12 Jahren
Kinostart:
14. Oktober 2021

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 14.10.2021 | 07:20 Uhr

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