Stand: 11.06.2020 10:48 Uhr

Rassismusdebatte verändert TV- und Streamingprogramm

von Katharina Wilhelm

Demonstranten reißen Denkmäler ab, die Generäle und Politiker aus dem Bürgerkrieg abbilden, die mit dem rechten Lager, dem Ku Klux Klan und der Sklavenhaltung in Verbindung gebracht werden. Die Proteste in den USA und weltweit fühlen sich fast nach einer kulturellen Revolution an. Nun haben in den USA auch TV-Sender reagiert und ihr Programm verändert.

Die US-amerikanische Polizeiserie "COPS" läuft seit über 30 Jahren in den USA im Fernsehen. Am Montag sollte die 33. Staffel ausgestrahlt werden, doch Paramount Network schrieb nun in einer Ankündigung: Mit der Serie ist bald Schluss. Es gäbe keine Pläne, die Serie wieder auf den Bildschirm zurückkehren zu lassen.

"COPS" war eines der ersten Formate, das als sogenannte Reality TV Show startete und echte Polizisten bei der Arbeit begleitete. Immer wieder hagelte es auch Kritik. Unter anderem soll in der Serie immer wieder aggressives Verhalten von weißen Polizisten gegenüber Schwarzen gezeigt worden sein. Zudem habe die Sendung oft vermittelt, dass Menschen schuldig seien, obwohl es noch keine Gerichtsverhandlung gegeben hatte.

Kritik an US-Polizei

Im Podcast "Running from the Cops", der sich kritisch mit der Sendung auseinandersetzt, wurde von Dan Taberksi angemerkt, dass die Polizei manche Festgenommenen unter Druck gesetzt habe, der Veröffentlichung der Videos zuzustimmen. Zwischen dem Produktionsteam und der Polizei habe es eine Zusammenarbeit gegeben, die der Polizei zugute gekommen sei: "Sie bemerkten, dass wenn eine TV Show mit der Polizei arbeitete, anstatt gegen sie, tolles Material dabei herauskam. Und die Polizei wurde im Gegenzug so portraitiert, wie es ihnen gefiel."

In Deutschland lief "COPS" erstmals 2017, unter anderem bei DMAX und RTL. Es ist nicht die einzige Show, die abgesetzt wurde, nachdem der Tod von George Floyd weltweit eine Debatte um Polizeigewalt und Rassismus ausgelöst hat. Auch die ähnlich aufgebaute Polizei-Sendung "Live PD" wurde vom Kabelsender A&E aus dem Programm genommen.

"Vom Winde verweht" nicht mehr im Stream

Filmstill aus "Vom Winde verweht" (1939) © Picture Alliance
Vivien Leigh spielt an der Seite von Hattie McDaniel in "Vom Winde verweht".

Und es traf auch einen Hollywood Klassiker. Der Streamingdienst HBO Max kündigte an, dass der Film "Vom Winde verweht" aus dem Jahr 1939 erst einmal aus der Online-Bibliothek der Plattform entfernt werde. Der Film, mit Schauspielerin Vivien Leigh und Clark Gable in den Hauptrollen, spielt zur Zeit des Bürgerkrieges in den 1860er Jahren in den Südstaaten der USA. Immer wieder wurde der Film als rassistisch kritisiert für seine Darstellung von Afroamerikanern und Afroamerikanerinnen, weil er die Sklaverei verharmlose.

Laut dem Magazin Hollywood Reporter will HBO dem Film eine Erläuterung zu seinem historischen Kontexts hinzufügen und sich von der "rassistischen Darstellungen der Sklaverei" distanzieren.

Die Diskussion ist auch in Europa angekommen. Die BBC hat die Comedy-Serie "Little Britain" aus ihrer Plattform BBC iPlayer entfernt, da dort nach Aussage der BBC unter anderem rassistische Stereotype bedient werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 11.06.2020 | 11:40 Uhr

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