Schauspieler Ralf Wolter in der Rolle des schrulligen Trappers Sam Hawkins bei Dreharbeiten zu der Karl-May-Verfilmung "Mein Freund Winnetou" (Foto von 1979) © dpa / picture alliance Foto: Dieter Klar
Schauspieler Ralf Wolter in der Rolle des schrulligen Trappers Sam Hawkins bei Dreharbeiten zu der Karl-May-Verfilmung "Mein Freund Winnetou" (Foto von 1979) © dpa / picture alliance Foto: Dieter Klar
Schauspieler Ralf Wolter in der Rolle des schrulligen Trappers Sam Hawkins bei Dreharbeiten zu der Karl-May-Verfilmung "Mein Freund Winnetou" (Foto von 1979) © dpa / picture alliance Foto: Dieter Klar
AUDIO: Ralf Wolter als Sam Hawkens mit seinem berühmten Satz: "...wenn ich mich nicht irre" (1 Min)

Ralf Wolter: Sam Hawkens machte ihn weltberühmt

Stand: 14.10.2022 12:00 Uhr

Er gehörte zu den Karl-May-Filmen wie die Silberbüchse zu Winnetou. Mit seinem Perücken-Skalp hat Ralf Wolter als Sam Hawkens Filmgeschichte geschrieben. Das ist mehr als 50 Jahre her. Die letzten Jahre vor seinem Tod im Oktober 2022 lebte er zurückgezogen.

von Jochen Lambernd

"Ich irre mich nie. Wenn ich mich nicht irre, hihihi!" Ralf Wolter als Sam Hawkens

Dieses Zitat ist über die Jahre zu einem geflügeltem Wort geworden, das untrennbar mit Ralf Wolter alias Sam Hawkens* verbunden ist. 1962 tauchte die Figur des sympathisch-verwirrten Trappers erstmals in "Der Schatz im Silbersee" auf. Wolter spielte an der Seite von Pierre Brice als Winnetou und Lex Barker als Old Shatterhand. "Ich bin glücklich mit der Rolle gewesen, es war eine meiner schönsten Zeiten", sagte Wolter einmal. Er habe die Figur Sam Hawkens geliebt. Sonst wäre sie auch nicht so geworden, war er sich sicher. Einen weiteren Effekt hatte Sam Hawkens für ihn auch noch: "Komischerweise fiel diese positive Rolle auf mich als Ralf Wolter zurück. Die Leute sagten: Der ist ein dufter Kerl."

Wolter wirkte in diversen Karl-May-Verfilmungen der 1960er-Jahre mit. Neben Sam Hawkens brillierte er auch als Hadschí Halef Omar, dessen Mundwerk oft schneller ist als sein Verstand. Nicht weniger skurril war die Rolle des Kuckucksuhrenvertreters Andreas Hasenpfeffer in "Der Schatz der Azteken" und "Die Pyramide des Sonnengottes". Dafür soll er extra Schwäbisch gelernt haben. 1980 gab Wolter in der Fernsehserie "Mein Freund Winnetou" noch einmal Sam Hawkens.

In Berlin geboren und ausgebildet

Ralf Wolter wurde am 26. November 1926 als Sohn einer Musikerin und eines Zirkusartisten in Berlin geboren. Schon mit sechs Jahren hatte er seinen ersten Theaterauftritt bei einer Aufführung von "Peer Gynt". Er besuchte die Schauspielschule "Der Kreis" in Berlin und startete seine Karriere in diversen Theaterhäusern in und um seine Geburtsstadt. Bis ins hohe Alter stand er auf den Bühnenbrettern deutscher Theater. Seine Leidenschaft fürs Schreiben und Komponieren führte ihn schon früh zum Kabarett. Er trat in Berlin, aber auch in Hamburg auf. Sein erster Film war im Jahr 1951 der Streifen "Die Frauen des Herrn S." - ein kabarettistischer Spielfilm, in dem unter anderem Sonja Ziemann, Paul Hörbiger und Walter Giller mitwirkten. Es folgten mehr als 200 Produktionen, meist Komödien.

Serienheld, Softsexfilm-Darsteller und Synchronsprecher

In der 13-teiligen ZDF-Serie "Ein Fall für Titus Bunge" verkörperte Wolter 1967 die Titelfigur, einen Privatdetektiv. Der Schauspieler drehte Ende der 1960er-, Anfang der 1970er-Jahre zudem verschiedene Softsex-Filmkomödien mit vielsagenden Titeln wie "Alle Kätzchen naschen gern" oder "Hilfe, mich liebt eine Jungfrau". Es folgten schnulzige Streifen mit dem damaligen Kinderstar Heintje sowie die vielfach im Fernsehen wiederholten und zum Teil sehr klamaukigen "Lümmel- und Pauker-Filme", unter anderem mit Theo Lingen, Uschi Glas und Hansi Kraus. Bekannt sind auch der Spielfilm "Was ist nur mit Willi los?" (1970) mit Heinz Erhardt, der Schlagerfilm "Tante Trude aus Buxtehude" (1971) mit Rudi Carrell, Ilja Richter und Chris Roberts sowie "Piratensender Powerplay", eine Komödie von 1982, mit der Mike Krüger und Thomas Gottschalk die sogenannte "Supernasen"-Reihe starten.

Wolter avancierte zu einem der bekanntesten deutschen Komiker. Er arbeitete als Fernsehmoderator, Synchronsprecher (unter anderem Miraculix in "Asterix in Amerika" von 1994), Kabarettist, Komponist und Sänger. Er stand auch für TV-Serien wie "Mit Leib und Seele" und "Ein Schloss am Wörthersee" vor der Kamera. Außerdem tauchte er bei "Der Alte", "Tatort", "Liebling Kreuzberg" und "Der Fahnder" auf. Und er sorgte für Lachtränen in Kinofilmen wie "Otto - Der Liebesfilm" (1992) mit Otto Waalkes und "Das Kondom des Grauens" (1996).

Ralf Wolter: "Ich mache alles mit Liebe"

"Für mich zählt, dass ich alles mit Liebe mache", sagte Wolter. "Wie man ein gutes Restaurant am liebevoll angemachten Salat erkennt", erkenne man gute Schauspieler an der Liebe zur Rolle. Er setzte sich auch mit anspruchsvollen Stücken auseinander. Bei den Bad Hersfelder Festspielen 1997 übernahm er gleich mehrere Rollen: Wolter war Jurist in Georg Büchners "Dantons Tod" und Petrosilius Zwackelmann in Otfried Preußlers "Der Räuber Hotzenplotz". Die Festspiele bezeichnete er als "weiteren Baustein meiner Freude an Vielseitigkeit".

Mit Pierre Brice auch in Bad Segeberg aufgetreten

Seine erfolgreichste Rolle ließ ihn nicht los: Das skalpierte alte Wild-West-Bleichgesicht Sam Hawkens gab der Schauspieler auch bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg. 1991 trat er dort zusammen mit Pierre Brice auf, der insgesamt vier Spielzeiten als Winnetou am Kalkberg absolvierte. Anders als Brice ("Ich vermisse Respekt") fand Wolter Gefallen am "Schuh des Manitu" - auch wenn er in der liebevoll umgesetzten Winnetou-Persiflage von Michael "Bully" Herbig gar nicht mitspielte. Er fand den Film "überragend - unglaublich komisch und lustig", erzählte er dem "Focus" 2001.

Wolter: "Männerfreundschaft bei 'Winnetou' trifft Nerv"

Das Nachrichtenmagazin fragte Wolter auch, ob er eine Erklärung für den regelrechten Winnetou-Kult habe, der damals aufkam, sodass Bildbände aufgelegt und alte Filmmusiken neu herausgebracht wurde. Der Schauspieler sah bei der Figur Winnetou ein Geheimnis, das Faszination auslöse. Karl May habe "mit ihr einen Nerv getroffen in puncto Männerfreundschaft, die von allen Männern herbeigesehnt wird und nie in dieser Form stattfindet. Das ist vielleicht auch ein speziell deutscher Punkt."

Unfall verursacht - zu Bewährungsstrafe verurteilt

Schlagzeilen weit entfernt von der Bühne machte Wolter, als er am 22. Mai 2002 durch ein riskantes Wendemanöver in einem Stau auf der A24 einen Unfall mitverursachte. Ein Lkw zerquetschte ein Auto. Drei Menschen starben. Wolter entfernte sich vom Unfallort. Der damals 75-Jährige beteuerte, von dem Unglück nichts bemerkt zu haben. Die Angehörigen der Opfer bat der sonst so lustige Leinwand-Held unter Tränen um Vergebung. "Ich möchte sagen, dass ich alles, was passiert ist, unendlich bedauere", zitierte ihn die "Hamburger Morgenpost". Den Angehörigen der Opfer spreche er sein "tiefes und aufrichtiges Beileid" aus. Wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs erhilelt er eine zehnmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie eine Geldstrafe. Der "Bild" sagte Wolter über den Unfall: "Das bleibt meine größte Sünde."

Seit Jahren keine Angebote mehr angenommen

Otto Sander 2011 bei den Dreharbeiten "Bis zum Horizont, dann links". © dpa
"Bis zum Horizont" aus dem Jahr 2012 ist der letzte Film, in dem Ralf Wolter (l.) zu sehen ist.

2012 war er zuletzt in einem Kinofilm zu sehen. In der Komödie "Bis zum Horizont, dann links!" spielte er einen Senioren - unter anderem an der Seite von Otto Sander, Angelica Domröse, Herbert Feuerstein, Tilo Prückner und Robert Stadlober. 2013 teilte er in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung mit, dass er sich aus dem Schauspielerei verabschiedet habe. "Man erreicht irgendwann einen Punkt, wo man sagt: Es ist wirklich genug, ich will nicht mehr." Angebote lehnte er seitdem ab. "Irgendwann steht man lieber hinter statt vor dem Vorhang auf der Bühne."

Mehr als 60 Jahre verheiratet

Zusammen mit Ehefrau Edith, mit der er seit Ende der 1950er-Jahre verheiratet war, lebte der Vater zweier Kinder lange Jahre in München - zuletzt sehr zurückgezogen. Eigenen Angaben zufolge fuhr er noch viel Fahrrad, um fit zu bleiben. Ansonsten genieße er die Ruhe. Er habe sich "verabschiedet von allem Lauten", sagt er der "Bild" 2020. Er bezeichnete sich dabei selbst als "klapprig". Es zwicke ein bisschen hier und da. Seine Augen sahen nicht mehr so gut, Auto fuhr er nicht mehr. 100 Jahre alt werden - das wollte Wolter gar nicht. Scherzhaft sagte er: "Wenn ich mich nicht irre, wird das nichts." Er sollte Recht behalten: Der Schauspieler starb am 14. Oktober 2022 in München im Alter von 95 Jahren.

*Karl May verwendete die Schreibweise "Hawkens". Es wird aber auch öfter der Name "Hawkins" benutzt, dabei interessanterweise in der Fernsehserie "Mein Freund Winnetou".

Weitere Informationen
Schauspieler, Kabarettist und Schriftsteller Heinz Erhardt © picture-alliance/dpa Foto: KPA

Heinz Erhardt - Der Schauspieler mit dem Schalk im Nacken

Er habe den Schalk im Nacken, sagte Humorist, Schauspieler, Komponist, Kabarettist und Dichter Heinz Erhardt über sich selbst. mehr

Der Komiker Otto Waalkes hält sich bei einem Bühnenauftritt die Hand ans Ohr. © BRIGANI-ART/HEINRICH

Otto Waalkes: Komiker und Kult-Ostfriese

Otto Waalkes ist der vielleicht bekannteste Ostfriese. Zahllose Preise und Auszeichnungen hat er für seine Arbeit bekommen. mehr

Sänger und Schauspieler  Mike Krüger (l) und Moderator Thomas Koschwitz (r) im Mai 1994 in der RTL-Nachtshow. © picture alliance / Hermann Wöstmann | Hermann Wöstmann

Mike Krüger: Das Urgestein der Blödelei ist 70

Mit Blödel-Hymnen und "Supernase" wurde er berühmt. Zum 70. Geburtstag kündigte er seinen Abschied aus dem Show-Geschäft an. mehr

Rudi Carrell im Jahr 1985 als Moderator von "Rudis Tagesshow". © Picture-Alliance / Dieter Klar

Rudi Carrell: Deutschlands smarter Fernseh-Holländer

Er war Entertainer, Sänger, Schauspieler und Erfinder beliebter Fernsehshows. Sein Markenzeichen: der unvergessliche Akzent. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Kulturnachrichten | 14.10.2022 | 12:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Theater

Spielfilm

Mehr Kultur

Lina Beckmann reißt die Augen während der Probe des Stücks "Richard the Kid & the King" weit auf. © picture alliance / BARBARA GINDL / APA / picturedesk.com | BARBARA GINDL Foto: BARBARA GINDL

Der Faust: Lina Beckmann ist Darstellerin des Jahres

Die Jury des Deutschen Theaterpreises zeichnete ihre exzessive Interpretation von Shakespeares Horrorclown Richard III. aus. mehr