Stand: 29.06.2020 10:29 Uhr

Anne Ratte-Polle: Mit Haut und Haaren vor der Kamera

von Kristin Hunfeld

In fast allen Bundesländern sind die Kinos wieder geöffnet, Berlin folgt als letztes am 6. Juli. Einer der ersten Filme, die schon gestartet sind, ist "Der Geburtstag". Neben Mark Waschke spielt darin Anne Ratte-Polle die weibliche Hauptrolle. Die in Theater, Film und Fernsehen vielbeschäftigte Schauspielerin ist in dem kleinen Dorf Peheim im Kreis Cloppenburg aufgewachsen und lebt in Berlin. Auch für sie geht es jetzt nach der Corona-bedingten Pause wieder los, mit Proben, Dreharbeiten und vielen Terminen.

Anne Ratte-Polle sitzt auf dem Sofa im Wohnzimmer ihrer Berliner Wohnung und wartet darauf, dass es an der Tür klingelt. Ihr Tanzlehrer hat sich angekündigt. Mit ihm wird sie zu Hause Szenen für einen Kinderfilm proben. Gedreht hat sie aber auch schon wieder, für einen Film des Videokünstlers Stefan Panhans. Sie seien ein kleines Team mit drei Schauspielerinnen gewesen, erzählt sie. "Man hat versucht, Abstand zu halten, und natürlich hatten wir die ganze Zeit einen Mundschutz." Bei dem Film habe das gepasst: "Es ist kein naturalistischer Film, daher konnten wir das einbauen und benutzen, und irgendwie ist das ja auch ein Zeitzeugnis."

In "Der Geburtstag" spielt Anne Ratte-Polle eine alleinerziehende Mutter

In diesen Tagen ist Anne Ratte-Polle im Film "Der Geburtstag" auf der Leinwand zu sehen, als alleinerziehende Mutter, die mit dem unzuverlässigen Ex und dem plötzlich einsetzenden Unwetter am Geburtstag des gemeinsamen Sohns zu kämpfen hat. Eigentlich, sagt die gebürtige Cloppenburgerin, sei sie sehr anfällig für Erkältungen, obwohl sie ja aus einer regen- und windreichen Gegend stamme. Die Unwetterszene im Garten habe ihr trotzdem großen Spaß gemacht: "Im klatschnassen Regen macht der Körper noch mehr etwas, das man gar nicht kontrollieren kann. Und ich liebe es sehr, wenn beim Spiel Widerstände kommen und man körperlich einfach etwas aushalten muss."

In jeder Rolle mit großer Energie

Szene aus dem Film: Es gilt das gesprochene Wort © X-Verleih
In "Das gesprochene Wort" spielt Anne Ratte-Polle (hier mit Ogulcan Arman Uslu als Baran) die Flugkapitänin Marion.

Egal, ob sie eine kleine Nebenrolle, zum Beispiel im Tatort oder im Polizeiruf spielt, oder eine große Hauptrolle im Kino, Anne Ratte-Polle geht immer mit derselben Energie an ihre Rollen. "Man steht ja mit Haut und Haaren vor der Kamera", erzählt sie. "Ich muss mich da hineinbegeben und dann passiert etwas, was ich vorher nicht so planen kann." Dabei sei es egal, ob man eine große oder kleine Rolle spiele. Für ihre letzte große Rolle bekam Anne Ratte-Polle im Januar den Bayrischen Filmpreis. Im Kinofilm "Es gilt das gesprochene Wort" spielt sie die Flugkapitänin Marion, die einem jungen Kurden per Scheinehe den Aufenthalt in Deutschland ermöglicht. Eine selbstbestimmte, kompromisslose, kontrollierte Person, die aber auch verletzliche Seiten hat. So eine Rolle sei ein Geschenk, sagt Anne Ratte-Polle: "Es ist toll, dass man als Frau eine Machofrau sein darf, und auch eine Frau, die Humor hat." Eine Rolle, die viel Spielfläche biete - fernab von den Klischees.

In "Sörensen hat Angst" an der Seite von Bjarne Mädel

Im Fernsehkrimi "Sörensen hat Angst" wird Anne Ratte-Polle demnächst an der Seite von Bjarne Mädel zu sehen sein, der zum ersten Mal auch Regie geführt hat. Dass unweit der Heimat, nämlich in Varel am Jadebusen und in Butjadingen in der Wesermarsch, gedreht wurde, war schön für die 45-Jährige, die in Berlin manchmal den norddeutschen Himmel vermisst. Die drehfreien Corona-Wochen hat sie genutzt, um ihr eingerostetes Schulfranzösisch aufzufrischen - für einen Film, der in Kanada gedreht werden soll. Der Regisseur habe ihr gesagt, dass sie die Rolle nur bekomme, wenn sie Französisch spreche. "Ich muss aber wirklich viel lernen und deswegen kam die Corona-Zeit wie gerufen."

"Der Geburtstag" ist seit dem 25. Juni im Kino zu sehen. Anne Ratte-Polle spielt auch eine Nebenrolle im Film "Undine", der am 2. Juli anläuft.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 29.06.2020 | 09:55 Uhr

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