Stand: 17.10.2019 14:35 Uhr

Bong Joon-ho: Der "Parasite"-Regisseur aus Südkorea

von Patricia Batlle

Von Kindesbeinen an wollte der Südkoreaner Bong Joon-ho unbedingt Regisseur werden. Nun ist er einer der Regiestars der Generation von Autorenfilmern aus Südkorea, deren international preisgekrönte Filme nach Ende der Militärdiktatur - also nach 1987 - entstanden sind. In seiner Heimat hat der Drehbuchautor und Regisseur Bong Joon-ho mit nur drei Filmen mehr als 30 Millionen Zuschauer ins Kino gelockt hat. In Cannes triumphierte er mit der Sozialsatire "Parasite, die am 17. Oktober in den deutschen Kinos startet.

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Bong Joon-ho hat Filmgeschichte geschrieben: Mit der Satire "Parasite" gewinnt zum ersten Mal ein südkoreanischer Film in Cannes.

Bong Joon-ho hat mit der Goldenen Palme beim Filmfest in Cannes den vorläufigen Zenit seiner Karriere erreicht: Mit seiner kapitalismuskritischen Sozialsatire "Parasite" hat zum ersten Mal ein Film aus Südkorea den Wettbewerb gewonnen. Der Empfang danach im heimischen Seoul war überwältigend: "Bei meiner Ankunft am Incheon-Flughafen warteten mehr als 100 Journalisten und Kameras auf mich. Ich dachte: 'Was verflixt ist hier los?' Ich fühlte mich fast wie ein Fußball-Weltmeister, ich kam kaum durch die Menge durch", erinnert sich der Regisseur. Mit "Parasite" hat der heute 50-Jährige Kinogeschichte geschrieben - und darf auf Oscarnominierungen in mehreren Kategorien hoffen.

Park So-Dam und Woo-sik Choi mit ihren Handys - Szene aus dem Film "Parasite" von Bong Joon Ho © Koch Films

Filmtrailer: Goldene-Palme-Sieger "Parasite"

In der Sozialsatire "Parasite" des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon-ho stellt eine Familie aus der Oberschicht neue Diener ein.

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Bong Joon-Ho dreht auf Englisch und Koreanisch

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Der Ökothriller "Okja" handelt von einer Art Riesenschwein und den Machenschaften der Fleischindustrie.

An Unterstützung aus Hollywood dürfte es ihm nicht mangeln. Immerhin hat er zwei seiner insgesamt sieben Filme auf Englisch gedreht: Den Netflix-Ökothriller "Okja" um eine Art Riesenschwein und ein Mädchen sowie den Streifen "Snowpiercer" über einen Zug, der durch eine Eiszeitwelt rast. Darin zu sehen: Stars wie Chris Evans, John Hurt und Tilda Swinton. "Snowpiercer" basiert auf einer Graphic Novel und kommt in Nordamerika nächstes Jahr auch als Serie ins Fernsehen, Bong Joon-ho hat dabei mitgewirkt. Er hätte übrigens auch Comicautor werden können, denn er zeichnet seine eigenen Drehbücher samt Dialogen als Storyboards.

Internationaler Durchbruch mit Monsterfilm "The Host"

International bekannt ist Bong Joon-ho, Fan von Claude Chabrol, Alfred Hitchcock und Hayao Miyazaki, besonders für "The Host". Die Mischung aus Katastrophenfilm, Komödie und Monsterfilm lockte 2006 mehr als zehn Millionen Zuschauer ins Kino, damals ein Rekord in Südkorea. Schauspieler Song Kang-ho spielt darin einen alleinerziehenden Kioskbesitzer, der seine Tochter aus den Klauen einer genmutierten Amphibie im Fluss retten will. Dass nicht nur er sich dabei tollpatschig anstellt, ist typisch für den Slapstick in Bong-Joon-ho-Filmen .

Rezension

"Parasite": Perfides Sittenbild der Gesellschaft

Vom Kellerloch in eine Nobel-Villa: Regisseur Bong Joon-ho zeichnet in seinem Film "Parasite" mit elegant fotografierten Bildern ein perfides Sittenbild der südkoreanischen Gesellschaft. mehr

"Parasite": Bong Joon-Ho thematisiert soziale Ungleichheit

Seine Filme mit schwarzem Humor lassen sich nie in Genres quetschen, überraschen aber immer mit fantastischen Bildern. Sie thematisieren soziale Ungleichheit, den Klassenkampf, Serienmorde, rabiate Mütter und Genmanipulation. Ein Happy End gibt es im Kino des Soziologen und Familienvaters eigentlich nie. Auch nicht im Streifen "Parasite", in dem eine arme Familie in Seoul auf eine steinreiche trifft: "In der zweiten Hälfte des Filmes wollte ich zeigen, dass das Horrorgefühl wächst, je größer die Kluft zwischen Arm und Reich wird. In meinen Filmen sieht man oft Regen und Szenen im Wasser. Wasser fließt von oben nach unten, nie andersherum. Man kann es nicht stoppen und nicht rückwärts schwimmen. Genauso natürlich wird die Kluft zwischen Arm und Reich tiefer. Deswegen wird das Angstgefühl am Ende meines Films größer," sagt Bong Joon-ho.

Der Südkoereaner Bong Joon-ho, Gewinner der Goldenen Palme von Cannes 2019 mit der Schauspielerin Catherine Deneuve © Koch Films

Der Beitrag zum Hören

NDR Kultur

In Südkorea hat Bong Joon-ho mit seinen Filmen mehr als 30 Millionen Zuschauer ins Kino gelockt. Der Regiestar hat mit seiner Sozialsatire "Parasite" in Cannes triumphiert. Ein Porträt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 17.10.2019 | 16:20 Uhr

03:33
NDR Kultur

Bong Joon-ho: "Snowpiercer"

NDR Kultur

In dem Science-Fiction-Film "Snowpiercer" sitzen die letzten Menschen in einem permanent rund um die Erde rasenden Zug. Tilda Swinton spielt eine fiese Generalsekretärin (Rezension aus dem Archiv, April 2014) Audio (03:33 min)

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Cannes: Siegerfilme, Palmen und Stars

Die Goldene Palme der 72. Filmfestspiele von Cannes geht an den Film "Parasite" aus Südkorea. Als beste Schauspieler sind Antonio Banderas und Emily Beecham ausgezeichnet worden. (Artikel vom 25. Mai 2019) Bildergalerie

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