Oscars 2021: Nominierungen sind so divers wie nie

Stand: 25.04.2021 22:09 Uhr

Oscars "so white and male": Das war einmal. Die Academy ist diverser geworden, das zeigen die Nominierungen für die Oscars, die heute in Los Angeles, in Deutschland in der Nacht zu Montag, verliehen werden.

Große Oscar,figuren stehen auf einem Platz © IMAGO Foto: APress
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von Katharina Wilhelm, ARD-Korrespondentin in Los Angeles

Die Nominierten vor und hinter der Kamera sind so divers wie nie zuvor. Der Internet Hashtag #OscarsSoWhite beklagte, dass bei den Oscars im Jahr 2015 vor allem weiße Filmschaffende geehrt wurden, mit #OscarsSoMale ging es um die Dominanz von Männern. Beides ist in diesem Jahr anders. Denn die Nominierten vor und hinter der Kamera sind so divers, wie nie zuvor.

"Minari" und "Nomadland" - diverse Oscar-Nominierte

Das Drama "Minari", nominiert unter anderem als bester Film, erzählt beispielsweise die Geschichte einer koreanischen Familie die in den USA Wurzeln schlagen will.

VORSCHAU: Trailer: Das Drama "Minari" (2 Min)

"Nomadland" folgt einer Frau, die gezwungen ist, ihre Heimat zu verlassen und sich mit ihrem Van als eine Art amerikanische Nomadin durch die USA bewegt, immer auf der Suche nach Arbeit und einem Stellplatz für ihr Auto. Die Regisseurin des Films Chloé Zhao tritt in der Kategorie "Beste Regie" zum ersten Mal in der Geschichte der Oscars gegen eine andere Frau an, nämlich Emerald Fennell ("Promising Young Woman") an. 

Chadwick Boseman und Viola Davis sind nominiert

Andra Day singt in ihrer Rolle als Jazz-Ikone Billie Holiday in Lee Daniels Film "United States vs Billie Holiday", rechts ist Kevin Hanchard als Louis Armstrong zu sehen © Paramount/Courtesy Everett Collection Foto: Takashi Seida
Andra Day ist nominiert als beste Schauspielerin für ihre Rolle als Billie Holiday in "United States vs Billie Holiday".

Die Oscars sind in diesem Jahr so divers wie nie, mehr Frauen sind in wichtigen Kategorien nominiert, neun von zwanzig Nominierten aus dem Bereich Schauspiel sind keine weißen Amerikaner - wie der verstorbene Chadwick Boseman oder Viola Davis, beide nominiert für die Netflix Produktion "Ma Rainey's Black Bottom".

Dass mehr Vielfalt herrscht liegt  zum einen daran, dass die Oscar-Academy nach viel Kritik ihre Mitgliederzahl erhöht und mehr Frauen sowie Nicht-Weiße aufgenommen hat. Außerdem sind mehr Filme von Streamingdienstanbietern dabei, die mehr als die typischen Hollywoodstudios auf Vielfalt achten - und das liegt an der Pandemie, denn weil viele Kinos geschlossen haben, duften sich mehr Streamingdienste mit ihren Filmen qualifizieren.

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Regisseurin Chloe Zhao (l) steht mit der Schauspielerin Frances McDormand am Set von "Nomadland" © Searchlight Pictures/AP/dpa Bildfunk

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"Pandemie hat anspruchsvolle Filme gestärkt"

Die Pandemie hat wohl auch die anspruchsvollen Filme gestärkt, die sonst ignoriert würden meint der NPR Filmkritiker John Horn: "Eine der besten Dinge, die aus dieser Situation erwachsen ist, dass wir Filme sehen, die sonst ignoriert hätten."

Doch Hollywood habe sich nicht einfach nur zum Besseren verändert meint Filmexperte Bob Mondello in einer Analyse im Radiosender NPR: "Dies sind die Filme, die die Studios mitten in einer Pandemie zeigen wollten. Eine Entscheidung, von der sie wussten, dass sie finanzielle Konsequenzen haben würde. Denn bis vor kurzem waren die Kinos in den wichtigsten Filmmärkte der USA Los Angeles und New York zu. Einige Filmemacher, die die Macht hatten, "Lass uns warten" zu sagen, taten sie es. Und wer war das? Vor allem die meist männlichen, weißen Stars, Produzenten und Studioköpfe."

Daniel Kaluuya nominiert für "Judas And The Black Messiah"

Daniel Kaluuya (2. v. links) als Chariman Fred Hampton mit Lakeith Stanfield in "Judas and the Black Messiah", nominiert für bester Film bei den Oscars 2021 © 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved
Sowohl Daniel Kaluuya (2. v. l.) als auch Lakeith Stanfield (r.) sind als Schauspieler in der besten Nebenrolle für den Oscar nominiert.

Heißt: wer es sich leisten konnte wartete ab, um möglicherweise mehr Geld mit den Filmen zu verdienen. Filmemacher von Low-Budget Produktionen oder Independentfilmen wie "Minari" oder auch "Judas And The Black Messiah" mit Daniel Kaluuya ("Get Out", "Black Panther") hatten diesen langen Atem nicht.

Auch wenn diese Filme finanziell keine großen Sprünge machen konnten, so bleibt die Hoffnung, dass ihnen ihre Nominierung oder Gewinne bei den Oscars doch noch einen kleinen Schub verpassen. Denn gute Filme müssen gesehen werden. Sonst ist es ein leichtes für Hollywood, wieder in alte Muster zu verfallen.

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Andra Day singt in ihrer Rolle als Jazz-Ikone Billie Holiday in Lee Daniels Film "United States vs Billie Holiday", rechts ist Kevin Hanchard als Louis Armstrong zu sehen © Paramount/Courtesy Everett Collection Foto: Takashi Seida

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Steven Yeun (hinten), Alan S. Kim (vorne), Yuh-Jung Youn (Mitte), Yeri Han (hinten), Noel Cho (vorne) im Film "Minari", nominiert für bester Film bei den Oscars 2021 © Josh Ethan Johnson/ Prokino/ A24

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NDR Info | Kultur | 20.04.2021 | 09:55 Uhr

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