Stand: 07.02.2020 11:18 Uhr  - NDR Kultur

Sam Mendes über Magie und Vorbereitung von "1917"

Für den britischen Regisseur Sam Mendes läuft es richtig gut. Sein Kriegsdrama "1917" wurde Anfang Januar bei der Verleihung der Golden Globes in den Kategorien "Bestes Drama" und "Beste Regie" ausgezeichnet. Nun könnten einige Oscars hinzukommen: "1917" wurde zehn Mal für einen Academy Award nominiert. NDR Kultur Autorin Bettina Aust hat den 54-jährigen Briten im Januar getroffen und mit ihm über seinen Film gesprochen.

Bild vergrößern
Mendes bekam 1999 den Oscar für die beste Regie für "American Beauty", jüngst einen Golden Globe für "1917".

Zunächst öffnet Sam Mendes das Fenster. Ihm ist warm in seinem dunklen Rollkragenpullover, der am Bauch etwas spannt. Das Multi-Regie-Talent hat für die Bühne Stücke wie Shakespeares "King Lear" inszeniert - und für das Kino so unterschiedliche Filme wie "American Beauty" und die James-Bond-Abenteuer "Spectre" und "Skyfall".

Sam Mendes' Großvater litt unter Kriegstrauma

Nun also "1917" - ein Drama um zwei junge Soldaten im Ersten Weltkrieg. Ein persönliches Thema für Mendes, dessen Großvater durch diesen Krieg traumatisiert war: "Als ich ein Kind war, hat sich mein Großvater ständig obsessiv die Hände gewaschen. Ich lachte darüber und fragte meinen Vater: 'Warum macht er das?' Er sagte: 'Er spürt immer noch den Schlamm aus den Schützengräben, den er nicht abwaschen kann.'"

Filmtrailer zum Kriegsdrama "1917" von Sam Mendes

Der neue Film von "Bond"-Regisseur Sam Mendes handelt von der Mission zweier Kameraden in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Die Kamera führte Altmeister Roger Deakins.

4,07 bei 29 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Die Kriegsgeschichten, die ihm der Großvater erzählte, haben Mendes nachhaltig beeindruckt. "Es ist kein Film über meinen Großvater, aber er existiert wegen ihm. Er hat uns Geschichten erzählt, die ich nie vergessen habe und die mich bis heute beschäftigen. So sehr, dass ich etwas daraus machen musste", so Mendes.

Rezension

Kriegsfilm "1917": Bildgewaltig, aber ohne Haltung

Auch wenn Sam Mendes' Kriegsdrama "1917" preisgekrönt und oscarnominiert ist, so fehlt doch eine formale oder inhaltliche Auseinandersetzung mit der Kriegsthematik. mehr

"1917": Ein bisschen Magie und viel Vorbereitung

Sein Kriegsdrama sieht so aus, als sei es in einer einzigen Einstellung gedreht. Auf die Frage, wie ihm das gelungen sei, antwortet Sam Mendes mit britischem Understatement: "You know, a little bit of magic, a lot of preparations." Es sei ein bisschen Magie und sehr viel Vorbereitung gewesen, sagt Mendes. Und die bestand vor allem darin, dass die Anschlüsse der einzelnen Sequenzen bis auf den Zentimeter genau stimmen mussten.

Das heißt, für jede neue Sequenz wurde das Schlussbild der vorherigen exakt nachgestellt. Die Schauspieler mussten in genau derselben Position stehen, auch die Wetterverhältnisse mussten stimmen. Die Einstellungen waren möglichst lang, mit einem Minimum an Schnitten: "Es gibt nicht viele. Es sind sehr lange Takes. Der längste ist elf Minuten lang, alle anderen neun, zehn oder acht."

Mendes will Publikum ins Geschehen einbinden

Bild vergrößern
Schofield (George McKay) und Blake (Dean-Charles Chapman) haben im Film "1917" eine wichtige Botschaft zu überbringen. Von dieser hängen viele Leben ab.

Damit will Mendes den Zuschauer in das Geschehen einbinden. "Wenn die Geschichte emotional nicht funktioniert, oder die Erzählstruktur, ist es völlig egal, wie aufwendig du drehst, dann ist es nur eine stilistische Übung. Ich wollte für den Zuschauer eine emotionale Reise kreieren, die auf verschiedenen Ebenen funktioniert."

Mendes' Inszenierungen sind oft preisverdächtig. Sein Kino-Debüt "American Beauty" wurde mit fünf Oscars ausgezeichnet. Für "Zeiten des Aufruhrs" erhielt seine damalige Frau Kate Winslet einen Golden Globe als beste Schauspielerin. Preise seien wichtig, zeigt sich der Regisseur überzeugt, besonders für Filme wie "1917". Und sagt: "Ich möchte, dass die Zuschauer meinen Film im Kino sehen." Sie dazu zu bewegen, sei nicht einfach - ohne Stars in den Hauptrollen. Deswegen brauche man jede nur mögliche Hilfe, so Mendes. "Nominierungen und Preise gehören dazu, um Aufmerksamkeit zu erregen."

Die Favoriten für die Oscars 2020

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 16.01.2020 | 06:20 Uhr

Mehr Kultur

72:04
NDR Info
58:18
die nordstory