Szene aus dem Film "Nurejew - the White Crow" © Alamode Films

Biografie der Ballett-Legende Rudolf Nurejew

Stand: 03.10.2021 10:06 Uhr

In den 1960er-Jahren avancierte Rudolf Nurejew zu einem der bedeutendsten und innovativsten Balletttänzer der Welt. Damit es dazu kommen konnte, musste er allerdings nicht nur hart trainieren, sondern sich zunächst auch aus den restriktiven Fängen des sowjetischen Systems befreien. Das gelang dem werdenden "Popstar des Balletts" im Juni 1961 mit einem spektakulären Befreiungsakt. Der englische Schauspieler und Regisseur Ralph Fiennes hat diese Geschichte nun verfilmt: "Nurejew - The White Crow".

von Bettina Peulecke

Es sind Biografien wie diese, aus denen Künstlerlegenden entstehen: Rudolf Nurejew, der Ausnahmetänzer tatarischer Abstammung, ist in ärmlichsten Verhältnissen groß geworden, hochtalentiert, besessen, charismatisch, unbequem und unangepasst. Trotz aller Widerstände schafft er es an einem Gastspiel seiner Kompanie in Paris teilzunehmen.

Rudolf Nurejew beantragt Asyl nach Auftritt in Paris

Es ist die Zeit des Kalten Krieges. Nurejew verliebt sich immer mehr in das freie Leben in Paris, in Frauen und Männer und den Zugang zu allen möglichen Künsten. Die Werke im Louvre verinnerlicht er geradezu. Er blüht auf, das bleibt auch den KGB-Agenten, die ihn auf Schritt und Tritt verfolgen, nicht verborgen. Mit allen Mitteln wird versucht, Nurejew an die Sowjetunion zu binden. Auf dem Pariser Flughafen kommt es zum Showdown, als der Geheimdienst versucht, den Tänzer an der Abreise zu hindern.

Nurejew beantragt politisches Asyl im Westen. In seiner Heimat wird sein Lehrer zur Rede gestellt. Sanft und feingeistig wird dieser Lehrer von dem Schauspieler und Regisseur Ralph Fiennes dargestellt. Das war eigentlich überhaupt nicht geplant: "Ja, es war absoluter Pragmatismus. Ich wollte auf keinen Fall mitspielen. Aber die Finanzierung gestaltete sich extrem schwierig. Also am Ende sagte eine russische Produzentin: Ralph, wenn du russisches Geld dafür willst, solltest du in diesem Film sein!"

"The White Crow": Oleg Ivenko glänzt als Nurejew

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Der Regisseur und Schauspieler Ralph Fiennes im Portrait. © picture alliance/Felix Hörhager/dpa Foto: Felix Hörhager

Ralph Fiennes' Faszination für die Tanzlegende Nurejew

Für seinen dritten Spielfilm hat sich Fiennes die schillernde Biografie des Balletttänzers Rudolf Nurejew vorgenommen. Ein Gespräch über den Dreh. mehr

Natürlich lässt der "Englische Patient"- und "Voldemort"-Darsteller nichts zu wünschen übrig an seiner Vorstellung. Damit auch der Hauptdarsteller seinen Vorstellungen entsprach, wollte er auf jeden Fall einen Tänzer für die Rolle des Nurejew. Gefunden hat er ihn in dem ukrainischen Ballettstar Oleg Ivenko, der in seiner ersten Filmrolle mehr als überzeugend agiert.

Seine scheinbar ungezähmte Persönlichkeit ist die perfekte Projektionsfläche für alles, was man mit dem Paradiesvogel Nurejew in Verbindung bringen möchte. Optisch opulent und mit viel 60er-Jahre-Zeitkolorit ausgestattet, ist Fiennes "Nurejew - The White Crow" eine konventionelle, geradezu klassische Künstlerbiografie und Ode an die Freiheit gleichermaßen.

Nurejew - The White Crow

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Großbritannien, Frankreich, Serbien
Zusatzinfo:
mit Oleg Ivenko, Adèle Exarchopoulos, Ralph Fiennes
Regie:
Ralph Fiennes
Länge:
127 Min.
FSK:
ab 6 Jahre
Kinostart:
26. September 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 01.10.2021 | 15:05 Uhr

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