Stand: 17.01.2020 21:39 Uhr

Nina Hoss spielt Geige im Film "Das Vorspiel"

Nina Hoss gehört zu den internationalen Stars unter den deutschen Schauspielern. Bernd Eichinger entdeckte sie 1996 für seinen Film "Das Mädchen Rosemarie", da war sie 21. Doch Hoss hat nie allein auf den Film gesetzt, sondern gleichzeitig Theater gespielt. Zunächst gehörte sie viele Jahre zum Ensemble des Deutschen Theaters in Berlin, 2013 wechselte sie an die Schaubühne. Mit Intendant Thomas Ostermeier hat sie derzeit allerdings eine Pause verabredet: Sechs Monate stand sie zuletzt für das ZDF vor der Kamera, sie drehte für Netflix und den schon jetzt auf Festivals ausgezeichneten Film "Das Vorspiel".

Frau Hoss, Sie spielen in dem aktuellen Kinofilm "Das Vorspiel" von Ina Weisse eine Geigenlehrerin, die intensiv nach dem richtigen Ton sucht. Sie haben für diesen Film Geigespielen gelernt; Sie konnten das vorher nicht.

Schauspielerin Nina Hoss © picture alliance / abaca Foto: Marechal Aurore/ABACA
Die Schauspielerin Nina Hoss stimmt in diesem Jahr erstmals mit über die Vergabe der Oscars ab.

Nina Hoss: Nein, ich konnte das vorher nicht. Ich hatte schon mal in einer Serie eine Violinistin gespielt und musste das schon mal erlernen. Das habe ich bei derselben Lehrerin getan, der fantastischen Marie Kogge. Natürlich kann ich die Chaconne nicht spielen, aber ich konnte so viel lernen, das Gefühl und die Griffe, dass es so aussieht, als ob ich es kann. Ich habe schon den Ehrgeiz, dass man überhaupt nicht darüber nachdenkt, ob diese Figur Geige spielen kann; ich möchte nicht, dass man aus der Geschichte herausfliegt. Anna Bronsky ist eine sehr gute Violinistin, und ich muss als Schauspielerin so lange arbeiten, bis das auch so aussieht.

Sie haben jetzt Ihre Rolle gewechselt, indem Sie als Mitglied der Oscar-Jury das Werk von Kollegen beurteilen. Haben Sie insgesamt aus diesen Filmen, die Sie gesehen haben, einen Eindruck mitgenommen, was sich international im Film verändert? Wird er tatsächlich diverser? Werden mehr weibliche Geschichten erzählt? Oder dominiert nach wie vor das männliche Erzählkino?

Schauspielerin Nina Hoss © picture alliance / abaca Foto: Marechal Aurore/ABACA

AUDIO: Nina Hoss im Gespräch (57 Min)

Hoss: Ich glaube, im Moment dominiert nach wie vor das männliche Erzählkino. Aber man spürt, dass die Frauen nach vorne preschen und sehr spannende, eigene Geschichten erzählen. Da muss sich vielleicht der Blick ein bisschen öffnen, dass man nicht dem hinterherhängt, wie die Männer auf die Dinge blicken, sondern dass man sich den eigenen Blick erlaubt und es auch die anderen einem erlauben. Ich finde aber, dass da viel in Bewegung ist, dass da so eine Kraft kommt. Ich habe selber in den letzten anderthalb Jahren mit insgesamt vier Frauen gearbeitet, und ich spüre dem Film an, dass da ein anderer Blick auf der Frauenfigur ist: Sie ist vielseitiger. Es heißt ja immer, die Frauenfilme sind immer so emotional - aber das ist überhaupt nicht so. Sondern sie sind, im Gegenteil, sehr genau und spezifisch in dem, wie Frau ist - nämlich anders. Sie geht anders an Dinge heran, ist vielleicht manchmal etwas komplizierter, aber sie dringt deswegen tiefer ein in die Materie. Das hat mir großen Spaß gemacht, besonders, weil man bei der Arbeit selber merkt, dass das Ego in den Hintergrund rückt - es geht um die Sache. Das ist nicht so, dass es bei Männern immer nur das Ego ist, aber das Ego ist schon ein großer Teil, der nicht so gerne nach hinten gesteckt wird.

Das heißt, männliche Regisseure treten am Set aus einem anderen Selbstverständnis heraus auf als weibliche?

Hoss: Ja, ich glaube schon. Wir kommen ja aus einem Patriarchat. Das ist nicht nur im Film so - das ist überall so. Aber das ist im Theater und im Film schon etwas, was sich noch bewegen kann, weil es etwas mit einem Selbstverständnis zu tun hat. Wir Frauen müssen unser Selbstverständnis erst erkennen. Und da habe ich das Gefühl, dass diese Selbstverständlichkeit so langsam in die Mitte kommt. Das eigentliche Problem ist ja, dass Regisseurinnen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, mindestens fünf Jahre gebraucht haben, bis sie das finanziert bekommen haben. Frauen tun sich viel schwerer damit, die Gelder zusammenzukriegen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NDR Kultur à la carte | 20.01.2020 | 13:00 Uhr

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