Szene aus dem Film "Mit eigenen Augen" © 2Pilots Filmproduktion

Neue Dokus: "Mit eigenen Augen" und "Speer Goes to Hollywood"

Stand: 09.11.2021 12:26 Uhr

Zwei Dokumentarfilme laufen diese Woche in den Kinos an: "Speer goes to Hollywood" über einen nie realisierten Spielfilm, basierend auf den Erinnerungen von Hitlers Chefarchitekten Albert Speer. Und: "Mit eigenen Augen" über die Arbeit des Politmagazins "Monitor".

von Bettina Peulecke

"Mit eigenen Augen": Plädoyer für faktenorientierten Journalismus

"Für mich ist es wichtig, die Zuschauer und Zuschauerinnen nicht mit künstlichen Spannungsmomenten zu bespaßen und zu unterhalten, sondern sie durch die Art und Weise, wie ich den Film gestalte, dazu zu bringen, sich zu konzentrieren, genau hin zu schauen um sie zum Denken anzuregen", sagt Miguel Müller-Frank, Regisseur des Dokumentarfilms "Mit eigenen Augen". Genau hingeschaut hat der Filmemacher bei der Redaktionsarbeit von "Monitor". Da gibt es keine künstliche Spannung, sondern eine sehr reale Anspannung zu beobachten. Das ARD-Politmagazin ist für seinen kritischen und investigativen Journalismus bekannt. In dem Film wird deutlich, welchem Druck die Redaktion bei ihrer täglichen Arbeit ausgesetzt ist und in welcher Verantwortung die Macher gegenüber Informanten und Interviewpartnerinnen stehen. Als Gegenpol dazu begleitet die Kamera die Diskussionen mit stoischer Ruhe.

Szene aus dem Film "Mit eigenen Augen" © 2Pilots Filmproduktion
Miguel Müller-Frank dokumentiert in "Mit eigenen Augen" die Arbeit des Politmagazins "Monitor".

In einer Szene wird in einer Redaktionskonferenz festgelegt, dass die Recherchen zu einem Fall, in dem es um mutmaßlichen sexuellen Missbrauch in einer Kinderklinik geht, vor der Produktion der Sendung abgeschlossen sind, was nicht immer der Fall ist. Manchmal verlangt es die Aktualität, dass bis kurz vor Sendung weiter recherchiert wird - oder eine Berichterstattung in Frage gestellt wird, wie in dem Fall eines wegen Mordes tatverdächtigen Rechtsextremisten. "Mit eigenen Augen" ist ein schnörkelloses Plädoyer für faktenorientierten Journalismus - ein hohes Gut in Zeiten von Fake-News und des Vorwurfs der sogenannten "Lügenpresse".

"Speer Goes to Hollywood": Entlarvende Dokumentation

"Ich war 29 und hätte meine Seele an Mephisto verkauft", sagt Albert Speer in der Dokumentation "Speer Goes to Hollywood" über sich selbst. Speer zählte zu Hitlers engsten Vertrauten, sollte als Chefarchitekt Berlin zur Welthauptstadt umgestalten. Und er war als Reichsminister für Bewaffnung und Munition verantwortlich sowie für zwölf Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Er verbüßte nach dem Zweiten Weltkrieg eine Gefängnisstrafe, während der er seine "Erinnerungen" schrieb. Das Buch wurde ein Bestseller und Hollywood wollte es 1971 verfilmen. Speer sollte am Drehbuch mitwirken; der Regisseur Andrew Birkin besuchte Speer in Heidelberg, um ihn zu interviewen. Die Dokumentation basiert auf Tonaufzeichnungen der monatelangen Gespräche.

Szene aus dem Film "Speer Goes to Hollywood" © SALZGEBER & CO. MEDIEN GMBH
Die Doku "Speer Goes to Hollywood" zeigt, wie Albert Speer versuchte, seine Vergangenheit reinzuwaschen.

Kultiviert parliert Speer auf Französisch und Englisch und ist offenkundig bemüht, seine Vergangenheit nun in einem sehr guten Licht dastehen zu lassen: Er, Speer, war natürlich nur daran interessiert, den Krieg zu gewinnen. Also bestellte er sich eben die Arbeitskräfte, die er brauchte: 100.000 hierfür, 100.000 dafür.

Die Regisseurin Vanessa Lapa arbeitet auf drei zeitlichen Ebenen, mit unterschiedlichem Archivmaterial: Den Tonbandaufnahmen, dann Aufnahmen von Speer während der NS-Zeit, und Filmdokumenten vom Nürnberger Prozess. Dabei stehen die Prozessaussagen im deutlichen Kontrast zur Selbstdarstellung Speers. Diese Dokumentation über die Vorbereitungen zu einem Spielfilm, der nie gedreht wurde, ist dadurch sehr entlarvend und zeigt, wie Speer versuchte, damit seine Vergangenheit reinzuwaschen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Kultur | 10.11.2021 | 07:55 Uhr

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