Ein Kameraassistent setzt eine Sonnenblende an eine Kamera © DPA-Bildfunk Foto: Georg Wendt

Neubrandenburg: dokumentART zeigt 45 Filme aus 21 Ländern

Stand: 23.11.2021 15:47 Uhr

Erstmals wurden bei der dokumentART in Neubrandenburg Filme aus zwei Jahren zugelassen - 45 haben es in den Wettbewerb geschafft. Das Dokumentarfilm-Festival startet heute und endet am Sonnabend.

von Annette Ewen

Der Eröffnungsfilm "Dear Future Children" zeigt drei junge Frauen, die in Chile, Uganda und Hongkong auf verschiedene Weise um ihre Zukunft kämpfen - für soziale Gerechtigkeit, für Klimaschutz und Freiheit. "Wir gefährden nicht unsere Zukunft, indem wir auf die Straße gehen. Nicht auf die Straße zu gehen, würde unsere Zukunft weit mehr gefährden", sagt eine junge Aktivistin. Der Regisseur Franz Böhm, gerade mal Anfang 20, war selbst bei den Straßenschlachten - zum Beispiel in Hongkong - dabei. "Wir hatten ein sehr kleines, effizientes und mutiges Team, das mit mir in diese drei Länder gereist ist und dort gedreht hat. Natürlich waren wir auch an der Frontline dabei und haben die Protagonistinnen kennengelernt. Das hat jeweils ungefähr zwei Monate gedauert, und das war eine recht intensive Drehphase." Ein Film über den Kampf um eine Zukunft - das passt nach Neubrandenburg, der Zusatztitel der DokumentArt ist schließlich "films and future".

Zwei Jurys bewerten 45 Filme

Insgesamt nehmen Filme aus 21 Ländern am Wettbewerb teil. Da ist zum Beispiel der Animationsfilm "Gravedad", ganz klar und stilisiert gezeichnet. Die bolivianische Regisseurin erzählt die Schwierigkeiten, die junge Menschen in verschiedenen Teilen der Welt haben. In dem finnischen Beitrag "To Feather, To Wither" geht es um eine Frau und ihre Krähen - lebendige und ausgestopfte. Außerdem laufen Filme zum Beispiel über aussterbende Arten, die Zerrissenheit des Baskenlandes oder Rituale.

In der fünfköpfigen internationalen Jury sitzen Filmemacher und ein Professor für Filme und Fernsehen. Außerdem gibt es eine Studierenden-Jury. 45 Filme in vier Tagen - damit der Greifswalder Philosophie-Student Dennis Kley da nicht den Überblick verliert, hat er sich ausgerüstet: "Ich habe mir extra ein Notizbuch besorgt, was ich vollschreiben werde - direkt nach jedem Film oder vielleicht währenddessen, sodass ich im Nachhinein immer noch mal rekapitulieren kann, worum es in dem Film geht und was mir gefallen hat oder nicht gefallen hat."

Bewusst keine Online-Veranstaltung

Zwar spielt Corona in den Wettbewerbsfilmen kaum eine Rolle, doch das wird vermutlich in zwei Jahren bei der nächsten DokumentArt der Fall sein, sagte die Festivalleitung Stefanie Hintzsche. Aber natürlich war die Pandemie bei der Planung ein Thema. Die Leitung hat sich bewusst gegen ein Online-Festival entschieden, so Hintzsche: "Wir möchten, dass sowohl die Jury als auch die Filmemacher*innen ihre Werke in voller Pracht sehen können und sich darüber austauschen können. Der Austausch ist uns unglaublich wichtig."

Die Wettbewerbsfilme werden in Blöcken à zwei Stunden gezeigt. Geplant sind Diskussionsrunden mit den Filmemachern nach den Filmen. Außer Konkurrenz gibt es dann noch den Themenbereich "Focus Osteuropa", genau wie den "Film NOW" von den bekannten Fotografen Jim Rakete. Alle Veranstaltungen finden in Neubrandenburg im Kino Latücht beziehungsweise im Cinestar mit der 2G-Regel statt. Tickets gibt es ab sechs Euro. Der Festivalpass alle vier Tage kostet 49 Euro. Am Samstag werden die Preise, darunter der mit 6.000 Euro dotierte Latücht-Preis des Landes MV, verliehen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 23.11.2021 | 17:20 Uhr

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