Stand: 03.07.2019 16:49 Uhr

Spider Murphy Gang: Rock 'n' Roll aus Bayern

Spider Murphy Gang - Glory Days of Rock 'n' Roll
, Regie: Jens Pfeifer
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Auch wenn der bayerische Dialekt vielleicht nicht überall lückenlos verstanden wurde, die Münchner Spider Murphy Gang war zeitweilig in ganz Deutschland höchst erfolgreich. Ihre Hits wie "Skandal im Sperrbezirk" oder "Schickeria" erreichten Kultstatus. Jetzt kommt eine Dokumentation über die Band in die Kinos: "Spider Murphy Gang - Glory Days of Rock 'n' Roll".

Ludwig Seuss, Willy Duncan, Andreas Keller, Ludwig Staniloi, Günther Sigl, Barny Murphy - Szene aus dem Film "Spider Murphy Gang" © Weltkino Filmverleih

Filmtrailer: "Spider Murphy Gang"

Die Dokumentation "Spider Murphy Gang - Glory Days of Rock 'n' Roll" erzählt die Geschichte einer Freundschaft unter Musikern, die mit bayerischem Rock 'n' Roll großen Erfolg hatten.

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"Wir haben net so viel Hard-Core Fans, die jetzt alles kaufen und singen müssen von uns. Aber der Produzent, der Stefan Donaubauer, hat ja nicht locker gelassen, und irgendwann hab ich gesagt, ja gut, dann machen wir halt mit!", erzählt Bandmitglied Günther Sigl.

Günther Sigl, Frontmann und Ur-Spider, vermittelt durchaus etwas von der sprichwörtlichen bajuwarischen Bodenständigkeit. Allerdings kann man sich auch sehr leicht vorstellen, dass es nicht allzu viel Überredungskraft gekostet haben mag, die Band für das Filmprojekt zu gewinnen. Denn die Jungs stehen nun einmal sehr gern auf einer Bühne - und das seit 40 Jahren. Vor allem im süddeutschen Raum haben sie längst soliden Legendenstatus erreicht.

Mischung aus aktuellen und alten Aufnahmen

Der Film beginnt mit einer hübschen Mischung aus einem aktuellen Auftritt und einem aus der großen alten Zeit - als sie die kleinen Ami-Clubs und ihren frühen Rock 'n' Roll gegen große Hallen, Top Positionierung in den Charts und den Neue-Deutsche-Welle-Wahn eingetauscht hatten.

Sigl erinnert sich: "War schon eine verrückte Zeit. Aber wir haben alles gut überstanden, auch den Abstieg, und wir wollten immer Musik machen. Wir haben net Musik gemacht, weil wir Rockstars werden wollten, oder Popstars. Wir wollten von der Musik leben und unsere Leidenschaft ist es sowieso, drum machen wir es heute auch noch."

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Barny Murphy und Günther Sigl gehören immer noch zur Besetzung der Band.

Nun aber nicht mehr in der Originalbesetzung. Das Quartett fiel auseinander, der Pianist wollte andere, kreative Wege gehen, der Schlagzeuger hatte Drogen- und Alkoholprobleme, die zu seinem Ausschluss aus der Band führten. Die Verkaufszahlen ihrer Platten nahmen ab und die Band begann in Bierzelten zu spielen und über die Dörfer zu tingeln. Es ging wohl auch ein wenig ums Überleben.

Ungewöhnlich in den 80ern: Auftritte in der DDR

"Wir haben schwere Zeiten gehabt", sagt Sigl. "Die Neue Deutsche Welle war schnell verebbt und so waren wir dann wieder eine bayerische Rock-'n'-Roll-Band." Allerdings eine, die etwas geschafft hat, wovon andere in den 1980er-Jahren nur träumen konnten: Die Spider Murphy Gang spielte jenseits der Mauer.

"Eine Agentur in Berlin hat Schlagersänger in die DDR vermittelt, aber Rock-Bands oder Rock 'n' Roll hat es da drüben net gegeben. Für uns war das der Wahnsinn. Wir hatten die erste Station in Glauchau, 700 Leute, kleine Halle und vor der Halle waren 15.000 Fans", schwärmt Sigl.

Den alten Aufnahmen von ihrem DDR-Gastspiel stehen Szenen gegenüber, in denen Günther Sigl und Barney Murphy, die beiden verbliebenen Originalmitglieder, ihre Stasi-Akten lesen. Abgesehen von der Geschichte der Band erzählt der Film vor allem die Geschichte einer nicht immer ganz leicht nachvollziehbaren Freundschaft von Ungleichen, deren Verbundenheit mehr in der Vergangenheit als in der Gegenwart liegt, die sich ziemlich stoisch in der Gegenwart weiterbewegen.

Für die Spider Murphy Gang sind ihre "Glory Days of Rock 'n' Roll" noch lange nicht zu Ende: "Ja, das kann schon noch ein paar Jahr so weiter gehen, wir bereiten jetzt das 50er-Jubiläum vor."

Spider Murphy Gang - Glory Days of Rock 'n' Roll

Genre:
Dokumentarfilm
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Deutschland
Regie:
Jens Pfeifer
Länge:
91 Min.
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
4. Juli 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 04.07.2019 | 06:40 Uhr

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