Stand: 13.12.2019 17:07 Uhr  - NDR Info

Edward Norton als Detektiv mit Tourette-Syndrom

Motherless Brooklyn
, Regie: Edward Norton
Vorgestellt von Krischan Koch

Edward Norton zeigte in so unterschiedlichen Filmen wie "Fight Club", "Birdman" oder "Grand Budapest Hotel", dass er einer der vielseitigsten Schauspieler Hollywoods ist. In dem Detektivfilm "Motherless Brooklyn" spielt Norton nicht nur die Hauptrolle, sondern führte zum zweiten Mal auch Regie.

New York in den 50er-Jahren: Lionel Essrog (gespielt von Edward Norton) sieht aus wie ein typischer Privatdetektiv, der mit breitkrempigem Hut durch den Asphaltdschungel irrt. Aber: Lionel leidet unter dem Tourette-Syndrom. In den unpassendsten Momenten platzen unkontrolliert Laute und Schimpfwörter aus ihm heraus, mitten in einer wichtigen Befragung oder wenn er in der Bar einer Blondine Feuer geben will.  

"Motherless Brooklyn": Ein sehr persönlicher Fall

Lionel will den Mord an seinem Chef und Ziehvater Frank aufklären. Frank (Bruce Willis) hatte sich um den Waisenjungen aus Brooklyn gekümmert und ihm einen Job in seiner Detektei verschafft. Jetzt ist er erschossen worden. Auf der Suche nach seinem Mörder stößt Lionel auf die Machenschaften von Immobilienhaien, Baulöwen und der mit ihr verstrickten Lokalpolitik. Bei dem Treffen mit einem geschassten Ingenieur (Willem Dafoe) gibt er sich als Zeitungsreporter aus.

Edward Norton kreiert Detektivfilm im Stil der 50er

Der Film basiert auf dem gefeierten Roman von Jonathan Lethem. Edward Norton verlegte die Handlung von den 70er-Jahren in die 50er. Ausgiebig schwelgt er in den Kulissen und Kostümen jener Zeit. Schummrige Jazzclubs in Harlem, verwegene Fedora-Hüte und türkisfarbene Straßenkreuzer mit chromblitzenden Heckflossen. Das Thema des Buches behält Norton dabei immer im Blick, den Rassismus, die Korruption und eine skrupellose Stadtplanung, die die sozial Schwächeren aus ihren angestammten Vierteln vertreibt.

Der Film inszeniert die Tourette-Anfälle nicht als eine komische Nummer. Sie stehen für die Verletzungen des Detektivs und der korrupten Stadt. Nach einer Odyssee durch schäbige Apartments und dampfende Hinterhöfe landet Lionel in dem mondänen Büro des Stadtplaners Moses Randolph (Alec Baldwin). Mit Blick über den Hudson entwirft der dort seine städtebaulichen Visionen, die sich über Gesetze hinwegsetzen.

Qualität des Klassikers "Chinatown" bleibt unerreicht

Das politische Thema und die kleinen Episoden, wie der zarte Flirt des Detektivs mit einer afroamerikanischen Bürgerrechtlerin, verbinden sich jedoch nicht recht zu einer großen Geschichte. Ein neues "Chinatown" ist es nicht geworden. Dabei hat Edward Norton wunderbare Einfälle, etwa wenn sich im Jazzclub Lionels Tourette-Stakkato und das Solo des Trompeters Wynton Marsalis zu einem Duett vermischen. Diese Szenen und die tollen Schauspieler machen daraus zumindest einen sehr atmosphärischen Detektivfilm.

Motherless Brooklyn

Genre:
Krimi
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Edward Norton, Bruce Willis, Willem Dafoe, Gugu Mbatha-Raw, Alec Baldwin
Regie:
Edward Norton
Länge:
145 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
12. Dezember 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 09.12.2019 | 06:55 Uhr

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