Stand: 17.07.2020 15:49 Uhr  - NDR 90,3

"Marie Curie": Marjane Satrapis neuer Film

Marie Curie - Elemente des Lebens
, Regie: Marjane Satrapi
Vorgestellt von Danny Marques Marcalo

Marie Curie ist eine Legende der Wissenschaft. Am 16. Juli ist ein Film über sie in den deutschen Kinos gestartet: "Marie Curie - Elemente des Lebens". Die iranisch-französische Filmemacherin Marjane Satrapi hat den Film gedreht. Vor einigen Jahren erregte sie mit dem Film "Persepolis" über ihre Jugend während und nach der Islamischen Revolution für weltweites Aufsehen. Um ihren neuen Film über Marie Curie vorzustellen, war Satrapi in Hamburg und Danny Marques Marcalo hat sie getroffen.

Filmtrailer: "Marie Curie"

Rosamund Pike verkörpert die zweifache Nobelpreisträgerin Marie Curie, die als Frau trotzdem ständig um Anerkennung in der von Männern dominierten Wissenschaft kämpfen muss.

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"Ich liebe Mathematik, Physik und Chemie", sagt Marjane Satrapi. Kunst und Wissenschaft sind sich oft eigentlich nicht so nah, mit ihrem Film über Marie Curie will sie nun beides miteinander verbinden. Schon als kleines Mädchen im Iran habe sie gelernt, wer die berühmte Wissenschaftlerin war.

"Ich hatte zwei Vorbilder, die meine Mutter mir immer wieder gezeigt hat. Simone de Beauvoir und Marie Curie", erzählt die Regisseurin. "Was mich bei Marie Curie so gereizt hat, war nicht, dass sie eine Frau in der Wissenschaft war, sondern dass sie und ihr Mann Pierre im Grunde einfache Leute waren, die eine ungeheuerliche Entdeckung gemacht hatten: Radioaktivität."

Marjane Satrapi und Marie Curie verbindet der Neuanfang in der Fremde

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Regisseurin Marjane Satrapi (li.). mit Rosamund Pike bei der Premiere des Films in Großbritannien. Pike spielt die Marie Curie im Film.

Der Film ist eine Reise durch Curies Leben: viel Physik und Chemie, aber auch viel Fremdenfeindlichkeit. Als Polin hatte Marie Curie es schwer im Frankreich der Belle Epoque. Das Fremdsein ist etwas, womit Marjane Satrapi viel anfangen kann. Als sie zehn Jahre alt war, flüchtete ihre Familie nach Frankreich. "Ich will mich nicht vergleichen, sie war ein Genie und ich nicht", sagt Satrapi. "Aber ich habe es gespürt, du bist fremd, du kennst niemanden, du musst dir etwas neu aufbauen, das ist mir alles nicht unbekannt." In den 2000ern verarbeitete Marjane Satrapi das alles im zweibändigen Comic "Persepolis". Als sie den Comic 2007 verfilmte, war der Film auch in Deutschland eine Sensation an den Kinokassen. In "Persepolis" scheint viel von Satrapis energiegeladener Persönlichkeit durch.

Satrapi macht Filme mit starken Frauenfiguren

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Pierre (Sam Riley) und Marie Curie (Rosamund Pike) genießen ihr Glück.

In ihren Filmen will Satrapi ehrlichere Frauenfiguren zeigen. "Picasso war ein Arsch, aber hey, er war ein Genie, das ist ok. Aber wir Frauen sollen gefälligst sanft sein", erzählt die Regisseurin. "Bei Marie Curie liebe ich, dass sie keine Kompromisse gemacht hat. Ich habe ihre Briefe gelesen. Wenn sie dachte, dass jemand ein Idiot ist, dann hat sie ihn auch so genannt."

Der Film ist konventionell geraten, sehr informativ, manchmal kitschig. Das Spannendste ist zu sehen, wie Curie es im Grunde mit der ganzen Welt aufnimmt und sich ihren Platz sucht. Noch immer müssen Frauen sich alles erstreiten, sagt Marjane Satrapi. "1910 hatten Frauen mehr Rechte als 1940. Marie Curies Tochter war auch Wissenschaftlerin und hatte viel mehr Probleme. Von wegen Fortschritt", meint die Regisseurin. "In den 70er-Jahren gewannen Frauen in den USA das Recht auf Abtreibung. Heute haben Frauen dieses Recht an vielen Orten wieder verloren." Marjane Satrapi ist eine Naturgewalt, auch wenn der Film über Marie Curie ein bisschen wie ein laues Lüftchen ist. Eins haben der Film und die Filmemacherin aber gemeinsam: Sie inspirieren.

Marie Curie - Elemente des Lebens

Genre:
Drama, Biografie, Romanze
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Großbritannien
Zusatzinfo:
mit Rosamund Pike, Sam Riley, Aneurin Barnard, Anya Taylor-Joy
Regie:
Marjane Satrapi
Länge:
103 min
FSK:
ab 12 Jahren
Kinostart:
16. Juli 2020

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 15.07.2020 | 19:00 Uhr

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