Stand: 16.01.2019 13:00 Uhr

"Maria Stuart": Kampf der Königinnen

Maria Stuart, Königin von Schottland
, Regie: Josie Rourke
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Die Kinogeschichte hat unzählige Verfilmungen des Schicksals von "Maria Stuart" zu bieten. Nun kommt eine neue Version ins Kino: Unter der Regie der britischen Regisseurin Josie Rourke spielen die beiden Jungstars Saoirse Ronan und Margot Robbie die Königinnen Maria Stuart und Elisabeth I.

Maria Stuart macht ihren Anspruch auf den Thron geltend

Dieser Stoff hat alles, was ein unterhaltsamer Historienfilm braucht: eine Geschichte über Rivalität, zwei kampflustige Protagonistinnen, strategische Kämpfe und Kriege, außerdem Morde, Sex, Intrigen. Im Zentrum: die titelgebende Maria Stuart, Königin von Schottland. Ihre Gegenspielerin ist Elisabeth I. von England. Der Film beginnt im Jahr 1561.

Gerade ist die 19-jährige Maria Stuart aus Frankreich nach Schottland zurückgekehrt und will dort herrschen - in friedlichem Einvernehmen mit der englischen Königin. Doch deren Entourage hetzt gegen Maria, die von ihrer Herkunft her eigentlich auch Anspruch auf den englischen Thron erheben könnte. Noch dazu sei sie eine Feindin des Protestantismus.

Die weibliche Perspektive steht im Vordergrund

Hier die junge schöne Maria, dort die ältere, nicht sonderlich attraktive Elisabeth. Hier der Sturm und Drang der rothaarigen Schottin, dort das Hofzeremoniell der weiß geschminkten Engländerin.

Elisabeth I. wird gespielt von Margot Robbie. Der jungen, amerikanischen Schauspielerin gelingt das Porträt einer im Korsett der Macht erstarrten Frau, einer Regentin, die nur für England, seine Ziele, vermeintlichen Interessen und dynastischen Vorteile lebt. Immer wieder gerät sie in Konflikt mit ihren Ratgebern, die ihr zum Krieg mit Schottland raten.

Maria Stuart wiederum wird dargestellt von Saoirse Ronan als ungestümes, ungeduldiges, stolzes Wesen, das sich ebenfalls mit den Männern in seiner Umgebung anlegt. Auch mit dem eigenen Bruder, der die Wahl ihres Ehemannes missbilligt - eines zu Trunksucht und Eskapaden neigenden englischen Lords.

Neuer Blick auf eine alte Geschichte

Ästhetisch bewegt sich der Film der britischen Regisseurin Josie Rourke auf bescheidenem Niveau. Die Bilder wirken allzu sehr ausgeleuchtet, die Inszenierung von Sex und Ausschweifungen eher verkrampft. Die Außenszenen sind oftmals mithilfe von Drohnen gedreht, doch deren Höhenflüge lassen die erzählerische Perspektive verwässern.

Inhaltlich beschränkt sich die Interpretation der historischen Ereignisse zunehmend auf eine Kritik am patriarchalischen Geist der Zeit. Etwa wenn Maria Stuart dem jungen Lord Darnley einen Heiratsantrag macht.

Die Königinnen werden als Opfer des Patriarchats dargestellt

Elisabeth I. muss ihre Autorität immer wieder vor ihren Beratern behaupten. Der Film inszeniert die englische Königin als nachdenkliche Stimme der Vernunft, während die sie beratenden Männer auf Gewalt und Unterwerfung, auf Krieg gegen die Katholiken und ihre schottische Königin setzen. Jedenfalls gibt es einige Momente, in denen Margot Robbies Königin auf unterhaltsame Weise der Tudorkragen platzt.

Holzschnittartig zeichnet der Film das Bild zweier Regentinnen, die letztlich Opfer der Männer sind. Zweier Frauen, die sich gut hätten verstehen können, von ihren Ratgebern jedoch gegeneinander gehetzt werden. Doch indem er diesen völlig ahistorischen Feminismus über die Geschichte legt, tut der Film seinen Protagonistinnen keinen Gefallen. Er macht sie klein. Er zeigt sie als Spielbälle, als Marionetten der Männer.

Es ist historisch sehr wahrscheinlich, dass Maria Stuart bei der Ermordung ihres ausschweifenden Ehemannes ihre Hände im Spiel hatte. Der Film hingegen zeigt sie als friedliebende Herrscherin, die ihn gegen eine Intrige schützen will.

Warum eigentlich kann man dem Publikum nicht zwei machtbewusste, auch kalte und strategisch agierende Herrscherinnen zumuten? Indem der Film seine zwei Königinnen zu Opfern des Patriarchats macht, macht er die Männer wiederum zu den eigentlichen Akteuren und Gestaltern der Ereignisse. Er entzieht seinen historischen Heldinnen die Verantwortung für die Taten, mit denen sie doch Geschichte geschrieben haben.

Maria Stuart, Königin von Schottland

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
USA, Großbritannien
Zusatzinfo:
mit Saoirse Ronan, Margot Robbie, Jack Lowden
Regie:
Josie Rourke
Länge:
125 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
17. Januar 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 17.01.2019 | 07:20 Uhr

Mehr Kultur

04:11
Kulturjournal
05:06
Kulturjournal
04:43
Kulturjournal