Stand: 16.05.2018 17:05 Uhr

Ehrliche Doku über die "Tigerin" Maria Callas

Maria by Callas
, Regie: Tom Volf
Vorgestellt von Sabine Lange

Sie ist eine Legende und selbst Jahrzehnte nach ihrem Tod auch Menschen ein Begriff, die noch nie in der Oper waren: Maria Callas. Die in New York geborene Sopranistin mit griechischen Wurzeln hat den jungen Fotografen und Filmemacher Tom Volf so in den Bann gezogen, dass er jahrelang intensiv über sie recherchierte. In seinem Dokumentarfilm "Maria By Callas" lässt er vor allem die Sängerin selbst zu Wort kommen.

Fans von Maria Callas werden begeistert sein: So nah, so intim, so berührend haben sie die Primadonna wahrscheinlich noch nie gesehen. Es ist das eine, ihre Aufnahmen zu hören. Ihr beim Singen aber auch so direkt in die Augen sehen zu können, zu erleben, wie sich ihr seelischer Ausdruck beim Singen verändert, wie sie in sich hineinschaut, in ihre Abgründe, wirkt auf unwiderstehliche Weise authentisch.

Primadonna mit Beinamen "Fauchende Tigerin"

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Maria Callas (hier 1958 in New York) eckte mit ihrem Temperament häufig an.

Maria Callas, die 1977 starb, kann mit ihrem überlieferten Gesang bis heute Menschen tief berühren. Sie galt ihren Zeitgenossen allerdings auch als, gelinde gesagt, "temperamentvoll", was ihr den Beinamen "Fauchende Tigerin" einbrachte. Und was zu manchen beruflichen Schwierigkeiten führte. Der Chef der Metropolitan Opera New York, Rudolf Bing, feuerte sie. Callas reagierte wütend: Andere Sänger hätten Bing viel mehr verletzt als sie. Bing sei ein "schwacher Mann", er habe sie bezahlen lassen für andere. Ihre Ansprüche seien völlig legitim gewesen. Es sei unzumutbar, sie immer wieder mit anderen Bühnenpartnern auftreten zu lassen: zehn Vorstellungen mit zehn verschiedenen Tenören? Nein, danke!

Es fehlt ein vertiefender Autorentext

Es ist eine Stärke dieser Dokumentation, solche auch bislang unveröffentlichten Dokumente aneinanderzureihen, La Callas durch sich selbst sprechen zu lassen. Es ist aber gleichzeitig auch eine Schwäche des Films, da nur ein Zuschauer vollen Gewinn daraus ziehen kann, der sich mit dem Leben der Callas gut auskennt. Es fehlt ein erklärender, einordnender, vertiefender Autorentext. Auf Dauer kann es ermüdend wirken, sie wieder und wieder an Flughäfen und Theatern anreisen zu sehen. Das Material wiederholt sich. Und doch: Ist nicht gerade das auch ein Abbild des Lebens der Primadonna? Mitten im Trubel und doch immer wieder so einsam? Von Massen umgeben und doch nahezu unfähig, echte Beziehungen zu führen?

Maria Callas: Die Primadonna aller Primadonnen

Geprägt von Kindesbeinen an

Immer wieder klingt in Interviews durch, wie unglücklich Maria Callas war. Sie, der alle Welt zu Füßen lag, wünschte sich so sehr eine glückliche Familie. Die sie hätte vergessen lassen können, wie "grausam" ihre eigene Kindheit war. Sie hatte unter ihrer dominanten, überambitionierten Mutter gelitten, die ihre großen Träume vom Ruhm auf sie projizierte und gegen die sie sich nicht habe wehren können. In einem Interview forderte die erwachsene Callas, es müsse ein Gesetz dagegen geben, Kinder so früh so streng in die Pflicht zu nehmen. Dieser Zwiespalt zwischen der Frau, die sich Partnerschaft und Familie über alles wünschte, die zutiefst enttäuscht war, als ihr idealisierter Aristoteles Onassis plötzlich eine andere Frau heiratete, und der gefeierten Primadonna, die sich hart und unerbittlich von klein auf selbst disziplinierte, prägte Callas' Leben und ihr frühes Sterben mit nur 53 Jahren.

Weitere Informationen

Rückblick 2017: zum 40.Todestag von Maria Callas

Maria Callas wurde zur Legende - weil sie eben gerade kein bodenständiger, schlichter Charakter war. Sabine Lange erinnerte am 40.Todestag an die faszinierende Primadonna assoluta. mehr

Maria by Callas

Genre:
Dokumentation
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Frankreich
Zusatzinfo:
mit Eva Mattes, Maria Callas, Fanny Ardant
Regie:
Tom Volf
Länge:
113 min
FSK:
ab 0 Jahre
Kinostart:
17. Mai 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 17.05.2018 | 07:20 Uhr

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