Stand: 05.03.2020 09:22 Uhr

Marc-Uwe Kling: Autor der "Känguru-Chroniken"

von Susanne Birkner

Sein kommunistisches Känguru mit dem Hang zu Schnapspralinen ist Kult: zuerst im Radio und auf der Bühne, dann in Büchern und Hörbüchern - und jetzt auch im Kino. Autor Marc-Uwe Kling hat sich mit dem systemkritischen Beuteltier vom Deutschen Meister im Poetry Slam zu - wie der Spiegel schreibt - "Deutschlands derzeit populärsten Kulturlinken" hochgeschrieben. Dabei geht er nie in Talkshows und gibt seit Jahren fast keine Interviews mehr. Grund genug einen Blick auf das Phänomen Marc-Uwe Kling zu werfen.

Autor Marc-Uwe Kling © picture alliance/Eventpress Foto: Eventpress Hoensch
Die Geschichte um das systemkritische Känguru machten den Autor und Poetry-Slammer Marc-Uwe Kling bekannt.

"Ich bin Künstler, ich arbeite nachts", erklärt die Hauptfigur Marc-Uwe in dem Buch "Die Känguru-Chroniken" dem Känguru, als sie sich kennenlernen. Kurz danach wird das Beuteltier sein Mitbewohner und zusammen gründen sie das "Asoziale Netzwerk", um mit Anti-Terroranschlägen das System zu "zernagen". "Anschaffender Künstler?", fragt das Känguru. "Freischaffend heißt das", korrigiert ihn Marc-Uwe. "Ach so".

Marc-Uwe Kling spendet Erlöse von Auftritten

Das ist alles Koketterie, auch der reale Marc-Uwe Kling ist trotz seines Riesenerfolgs immer noch Kleinkünstler der Herzen geblieben. Seine natürlich witzige, aber vor allem sehr, sehr kluge Zukunftsdystopie "Qualityland" wird gerade von HBO in den USA als Serie verfilmt. Er tritt weiterhin zwei Mal im Monat mit seinen Freunden von der Berliner Lesedüne in Kreuzberger Clubs auf, auch im Hintergrund als Musiker.

Und das macht seine Glaubwürdigkeit aus: Marc-Uwe Kling wirkt nicht verändert, er bleibt sich und seinen Idealen treu. Den kompletten Erlös aus Spielen, Kalendern und anderem Merchandising auf seiner Website spendet der 38-Jährige an Organisationen, die sich für Menschenrechte und gegen Rechts einsetzen. Auch bei seinen Lesungen dürfen die Fans wählen, wofür die Einnahmen gespendet werden. Und wer es sich nicht leisten kann, kommt umsonst rein.

Marc-Uwe Kling ist ein zurückhaltender Mensch. Selbst nach mehr als 1.000 Auftritten fühle sich der gebürtige Schwabe mit dem abgebrochenen Philosophiestudium hinter seinem Schreibtisch am wohlsten, hat er in einem seiner ganz seltenen Interviews verraten. Wofür er steht, erfährt man in seinen Texten und auf der Bühne.

Ernste Themen satirisch umgesetzt

Kling setzt Themen wie den Datenschutz originell satirisch um. Beispielsweise im Buch, als Marc-Uwe und das Känguru den Datenschutz-Beauftragten von Google Deutschland, der gegenüber wohnt, beim Sex auf dem Balkon entdecken und Wertungen wie beim Eiskunstlauf hochhalten: "Was soll das", ruft der Typ verärgert. "Wie wäre es mit ein bisschen Privatsphäre?" "Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nichts verheimlichen", so die Antwort von Marc-Uwe. Das Känguru hält ein Schild hoch, auf dem steht "Fitnesscenter". "Wir sammeln deine Daten nur, um dir für dich passende Werbung vorzuschlagen."

Wahrscheinlich ist es das, was das Phänomen Marc-Uwe Kling am besten erklärt: Er bringt seine oft sehr jungen Fans auf unglaublich intelligente Weise dazu, Dinge in der Gesellschaft zu hinterfragen statt sie einfach nur hinzunehmen. Das tut er aber so pointiert und witzig, dass man die Känguru-Hörbücher auch 100 Mal hören kann und immer noch laut loslachen muss.

Weitere Informationen

"Känguru-Chroniken": Verfilmung hopst etwas zu kurz

Der Lebenskünstler Marc-Uwe lebt in der Komödie "Die Känguru-Chroniken" mit einem Beuteltier zusammen. Die Verfilmung des Bestsellers bleibt leider hinter der Buchvorlage zurück. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 05.03.2020 | 06:55 Uhr

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