Stand: 07.11.2019 10:08 Uhr

"Lara": Mutter-Sohn-Konflikt mit Corinna Harfouch

Lara
, Regie: Jan-Ole Gerster
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Beim diesjährigen Münchner Filmfest wurde "Lara" von Jan-Ole Gerster mit dem Preis für den besten Nachwuchsfilm ausgezeichnet. Bekannt geworden ist Gerster im Jahr 2014 mit seinem Regiedebüt, dem ebenfalls gefeierten Film "Oh Boy". Nun kommt das Drama "Lara" mit Corinna Harfouch in die Kinos.

Corinna Harfouch als Lara mit ihrem Sohn Viktor (Tom Schilling) - Szene aus dem Kinofilm "Lara" © StudioCanal Foto: Frederic Batier

Filmtrailer: "Lara"

Gersters Drehbuch zu seinem Drama "Lara" besteht aus banalen Szenen über Künstlerpsychen und Eltern-Kind-Dynamiken, die sich nicht in etwas Lebendiges verwandeln wollen.

4,8 bei 5 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Immer wieder widmet sich das Kino der Musik als Ausdrucksform und Weltbezug - oder auch als Sehnsuchtsraum seiner Heldinnen und Helden. In "Lara" von Jan-Ole Gerster spielt Corinna Harfouch eine Frau, deren Verhältnis zur Musik untrennbar mit dem zu ihrem Sohn verknüpft ist. Der Sohn, Viktor, steht kurz vor seinem ersten großen Konzert als Pianist - doch offenbar hat er vor Wochen den Kontakt zu seiner Mutter Lara abgebrochen, die ihn in die Musik eingeführt und unterrichtet hat.

Der Mutter-Sohn-Konflikt scheint unlösbar

Gersters Kamera heftet sich an Laras Fersen - oder besser - an die hochhackigen Schuhe, mit denen Corinna Harfouch diesen Film durchquert. Lara wird die letzten Karten für das abendliche Konzert kaufen und den Menschen schenken, die sie an diesem Tag trifft - etwa ehemaligen Arbeitskolleginnen.

Vor ihrer Frühpensionierung, das kommt bei diesem Besuch heraus, hat Lara als leitende Beamtin in der Stadtverwaltung gearbeitet. Ihren Traum, Pianistin zu werden, hat sie offenbar schon als junge Frau aufgegeben. An diesem besonderen Tag zieht es sie zu ihrer ehemaligen Musikhochschule. Ihren einstigen Professor trifft sie dort nicht an, aber dafür einen unbegabten Klavierschüler, den sie dort ein wenig triezt.

Blutleere Darstellung von Corinna Harfouch

Mit nahezu unbewegtem Gesicht läuft Corinna Harfouch durch diesen Film. Ihren roten Mantel trägt sie wie eine Schutzhaut, an ihrer Handtasche scheint sie sich festzuhalten. Was geht in dieser Frau vor? Was setzt sie in Bewegung? Und was verrät sie uns im Gespräch mit der Ex-Freundin ihres Sohnes über sich selbst?

Bild vergrößern
Lara hat zu ihrem 60. Geburtstag einen Blumenstrauß bekommen.

Seltsam blutleer wirkt die eigentlich großartige Schauspielerin Corinna Harfouch in diesem Film, so blutleer wie Tom Schilling, dem man den an sich zweifelnden, um den eigenen Ausdruck ringenden Jungpianisten nicht abnimmt. In seinem gefeierten und mit vielen Preisen ausgezeichneten Regiedebüt "Oh Boy" inszenierte Gerster Schilling vor fünf Jahren als Berliner Drifter und erfasste das Lebensgefühl einer Generation und einer Stadt. In "Lara" hingegen schreibt er Schilling und Harfouch seltsam papierene Dialoge über Musik auf den Leib.

Lara hat ihren Pianistinnentraum aufgegeben, weil sie nicht an sich glaubte. Heute glaubt sie nicht an die kompositorischen Fähigkeiten ihres Sohnes. Der muss natürlich trotzdem seinen eigenen Weg finden. Das Problem des Films besteht allerdings darin, dass man sich weder für den Sohn noch für die Mutter noch für beider Wege interessiert.

"Lara": Banale Geschichte mit wenig interessanten Figuren

Gersters Drehbuch besteht aus banalen Szenen über Künstlerpsychen und Eltern-Kind-Dynamiken, die sich unter dem Blick der statischen Kamera nicht in etwas Lebendiges verwandeln wollen. Fast quälend wirkt es, wenn eine Figur wie Laras ehemaliger Professor irgendwann verrät, was man ohnehin längst ahnte: Verfolge deinen Traum, gehe deinen Weg, egal, was die anderen sagen! Das ist wohl die Botschaft dieses Films.

Dabei wird die klassische Musik auf quasi religiöse Weise als Sinnstifterin und Lebensziel behandelt. Weil alles so sehr darauf hinausläuft, kann man an dieser Stelle verraten, dass Lara sich irgendwann wieder ans Klavier setzen wird. Gerade weil der Film diesen Augenblick so überdeutlich als Katharsis feiert, fragt man sich, ob seine Titelheldin nicht vielleicht doch als Verwaltungsbeamtin besser aufgehoben war.

Lara

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Corinna Harfouch, Tom Schilling, André Jung
Regie:
Jan-Ole Gerster
Länge:
98 Min.
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
7. November 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 07.11.2019 | 07:20 Uhr

Weitere Kinoneustarts der Woche

Film über die Verhörmethoden der CIA nach 9/11

Adam Driver spielt im Kino-Film "The Report" einen hartnäckigen Ermittler, der die Vernehmungsmethoden der CIA nach 9/11 untersucht und dabei Foltermaßnahmen aufdeckt. mehr

Mehr Kultur

83:44
NDR Info

Album (2/2)

NDR Info
00:30
NDR Elbphilharmonie Orchester

"For Seasons": der Trailer

NDR Elbphilharmonie Orchester
62:17
NDR Kultur