Stand: 13.03.2018 14:00 Uhr

Kriegsdrama mit Frederick Lau und Milan Peschel

Der Hauptmann
, Regie: Robert Schwentke
Vorgestellt von Walli Müller

Es gibt ja nicht viele deutsche Hollywood-Regisseure; aber neben Wolfgang Petersen und Roland Emmerich hat es auch Robert Schwentke geschafft. Zehn Jahre lang drehte der Stuttgarter Blockbuster wie "Flightplan" mit Jodie Foster oder "R.E.D." mit Helen Mirren und Bruce Willis. Nun ist er zurückgekehrt nach Deutschland für einen Film, der so ziemlich das Gegenteil von einem Blockbuster ist: "Der Hauptmann" spielt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs und blickt in die Abgründe der menschlichen Natur.

Vom devoten Gefreiten zum stolzen Hauptmann

Nie war das Sterben sinnloser als in diesen letzten Kriegstagen im April 1945. Alles schon verloren und doch steht auf "Fahnenflucht" immer noch die Todesstrafe. Ein junger deutscher Soldat wird von Kameraden durchs norddeutsche Flachland gehetzt. Ein verdrecktes, halb verhungertes Bündel Mensch, das sich in Todesangst in ein Erdloch kauert - und überlebt. Das Glück beschert ihm dann auch noch eine Offiziers-Uniform, die vergessen in einem Armee-Auto liegt.

Weil Kleider bekanntlich Leute machen, verwandelt sich der devote Gefreite in den stolzen "Hauptmann" Willi Herold, der gleich mal den Kommando-Tonfall übt. Einen vorüberkommenden Soldaten überzeugt er in der Rolle.

Erinnerungen an den "Hauptmann von Köpenick"

Natürlich erinnert die Geschichte an den "Hauptmann von Köpenick". Aber mit dem berühmten Schelmenstück hat Robert Schwentkes bitterernster Film nicht die geringste Ähnlichkeit. Ihn interessieren, so sagt er, die "Täter aus den hinteren Reihen", die das Nazi-System am Leben hielten. So einen zeigt er hier. Hatte man eben noch Mitleid mit dem armen, gejagten Soldaten, so beobachtet man mit wachsendem Entsetzen seine Entwicklung. Ohne mit der Wimper zu zucken, erschießt er bald selbst den ersten Deserteur - und wird immer dreister in seinem Vorgehen.

Was den Mann antreibt - Überlebensinstinkt oder reiner Sadismus - wird nicht erklärt. Die Beurteilung überlässt Regisseur Schwentke den Zuschauern, die ohnehin schwer gefordert werden von seinem Film. Denn er ist rein aus der Täter-Sicht erzählt. Keine moralisch integere Helden-Figur, mit der man sich identifizieren könnte. Nur Abgründe, die sich auftun.

Gelungene Besetzung

Weitere Informationen

1945: Lehrling verübt Massaker im Emslandlager

Es sind die Wirren der letzten Kriegstage, die ermöglichen, dass ein 19-jähriger Gefreiter Anfang April 1945 eine fremde Uniform anzieht und im Emslandlager ein Massaker anrichtet. mehr

Der junge Hauptdarsteller Max Hubacher bewältigt die schwierige Rolle bravourös. Mit Milan Peschel, Frederick Lau und Alexander Fehling sind auch die weiteren Rollen Star-besetzt. Hinter der Kamera stand Florian Ballhaus, der kunstvolle Schwarz-Weiß-Bilder liefert. Das hat einen verfremdenden Effekt; man meint, eine Parabel über den Rausch der Macht zu sehen. Aber die Geschichte des Gefreiten Willi Herold ist wahr. Der "Henker vom Emsland", wie er auch genannt wird, befehligte in seiner Hauptmanns-Maskerade schlimmste Massaker in Gefangenenlagern.

Kompromisslos zeigt "Der Hauptmann" auch das Quälen und Abschlachten von Gefangenen - nicht mal eben kurz, sondern gefühlt eine Ewigkeit. Kaum ein Film hat je die Menschenverachtung der Nazis so schonungslos eingefangen. Ein starkes, eindringliches Werk - aber an der Grenze des Erträglichen.

Programm-Tipp
NDR Kultur

"Der Hauptmann" feiert Deutschlandpremiere

14.03.2018 13:00 Uhr
NDR Kultur

Am 15. März startet "Der Hauptmann" des Regisseurs Robert Schwentke im Kino, der auf einer wahren Geschichte beruht. Bei uns zu Gast ist er mit Hauptdarsteller Max Hubacher. mehr

Der Hauptmann

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Max Hubacher, Milan Peschel, Frederick Lau
Regie:
Robert Schwentke
Länge:
119 Min.
FSK:
ab 16 Jahre
Kinostart:
15. März 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Neue Filme | 14.03.2018 | 06:40 Uhr

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