Stand: 06.11.2019 12:34 Uhr  - NDR Kultur

Kostümfilm über Liebe und Kunst

Porträt einer jungen Frau in Flammen
, Regie: Céline Sciamma
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Auf den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes wurde der Kostümfilm "Porträt einer jungen Frau in Flammen" gefeiert und als Favorit gehandelt. Die Regisseurin Céline Sciamma wurde mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet. Seit dem 31. Oktober ist der Film in den Kinos.

Ein Gemälde soll zur Grundlage einer arrangierten Heirat werden. Tatsächlich war es im 18. Jahrhundert in Adelskreisen nicht ungewöhnlich, einem potenziellen Bräutigam ein Gemälde der potenziellen Braut zu schicken. Als die junge Malerin Marianne im Jahr 1770 auf einer abgelegenen Insel in der Bretagne ankommt, kann sie noch nicht ahnen, dass das bei ihr bestellte Porträt ihr Leben verändern, ja auf den Kopf stellen wird. Die erste Schwierigkeit: Die junge Aristokratin Héloïse würde sich der Heirat am liebsten verweigern - und damit auch dem Porträt, das sie als Kandidatin präsentieren soll.

"Porträt einer jungen Frau in Flammen": Komplize verstohlener Blicke

Céline Sciammas Film erzählt die Geschichte eines gestohlenen Porträts. Mit Mariannes anatomisch interessierten Augen betrachten wir Héloïses Profil, ihre Ohren, die Härchen auf ihrem Nacken, ihre vom Wind zerzausten Haare, ihre stolzen Züge. Wir sehen die Skizzen der Malerin. Wir erleben, wie nach den Spaziergängen Striche das Gesehene festhalten, Zeichnungen aus dem Gedächtnis entstehen. Der Film der französischen Regisseurin macht uns zu Komplizinnen und Komplizen dieses verstohlenen Blickes. Bis Marianne es nicht mehr aushält und Héloïse erzählt, wie ihr Auftrag lautet.

Wunderbar unkostümiert wirkender Kostümfilm

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Aus den Sitzungen für das Porträt erwächst eine Liebe, die von Anfang an alles ist: zart, leidenschaftlich, dramatisch, leise - und: wunderschön. Wie lieben sich zwei Frauen, für deren Intimität es zu jener Zeit und in ihrer Welt keine Vorbilder gibt? In Céline Sciammas wunderbar unkostümiert wirkendem Kostümfilm findet das Begehren der jungen Frauen seine eigenen unbeschrittenen Wege. Das steinerne kalte Anwesen scheint unter der Anziehungskraft von Marianne und Héloïse zu erbeben. Doch bleibt man bei Sie, und beim Porträtsitzen wird die Form gewahrt.

Liebe als Choreografie der Blicke und kleinen Gesten

Noémie Merlant als Marianne und Adèle Haenel als Héloïse spielen die Liebe als Choreografie der Blicke und kleinen Gesten, als Spiel von physischen, untergründig erotischen Zeichen, die von der jeweils anderen gelesen werden. Mit den Gefühlen ihrer Heldinnen untersucht Céline Sciamma die Konventionen, die ihre Heldinnen umgeben - und die Konventionen der Malerei jener Epoche. Ein wahrhaftiges Bild von Héloïse kann Marianne erst malen, wenn sie imstande ist, die vorgegebene Form, die Porträt-Mode ihrer Zeit zu durchbrechen. Wenn es ihr gelingt, auch sich selbst, ihr Empfinden mit auf die Leinwand zu bringen. Héloïse hingegen scheint sich immer wieder in der Musik zu finden.

Selten hat ein Film die Liebe und die Kunst auf so zarte, kluge und ergreifende Weise verbunden. Wird das Bild, das Marianne von Héloïse malt, ihre Geliebte zur Braut eines anderen machen? Irgendwann wünschen wir uns jedenfalls nur noch eines: dass dieses Porträt nie abgeschickt werden möge.

Porträt einer jungen Frau in Flammen

Genre:
Historiendrama
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Frankreich
Zusatzinfo:
mit Noémie Merlant, Adèle Haenel, Luàna Bajrami, Valeria Golino
Regie:
Céline Sciamma
Länge:
119 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
31. Oktober 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 30.10.2019 | 06:40 Uhr

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