Stand: 10.10.2017 13:00 Uhr

Satire über Erich Honecker und seine DDR

Vorwärts immer!
, Regie: Franziska Meletzky
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Die Montagsdemonstrationen in Leipzig spitzten sich im Oktober 1989 immer mehr zu. Was damals wirklich geschah am 9. Oktober in der DDR - oder hätte geschehen können - das zeigt auf amüsante Weise die Komödie "Vorwärts immer!".

Der Mann auf der Bühne sieht aus wie Erich Honecker. Er redet auch so, dabei ist er allerdings nicht so richtig von sich selbst überzeugt: "Ich hatte einen Traum heute Nacht von einem Sozialismus, der nicht von Mauern und Panzern, sondern von Solidarität und Vertrauen umgeben ist....ich, ich... glaube mir kein Wort! Theo, das geht nicht!"

Filmszene aus der Komödie "Vorwärts immer!" © DCM Filmdistribution 2017

Filmtrailer: "Vorwärts immer!"

Pointierte Dialoge und gelungener Slapstick überwiegen in der Komödie "Vorwärts immer", die allerdings auch so manche ziemlich platte humoristische Einlage hat.

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Erinnerungen an Lubitsch' Meisterwerk

Theo heißt der Regisseur, der im Theater sitzt und seinen Star-Mimen Otto Wolf den Honecker geben lässt. Bei dem Zweifel des Schauspielers geht es weniger um die Artikulation des Staatsratsvorsitzenden als um den Inhalt dieses Traums. Außerdem scheint es ein riskantes Unternehmen, eine Honecker-Parodie in einem Stück im Staatstheater aufzuführen.

Otto Wolf wird von Jörg Schüttauf gespielt, der in diesem Film sein komödiantisches Talent zeigt. Ernst wird es allerdings, als ihm seine Tochter Anne offenbart, dass sie rüber machen will.

Verwechslungskomödie über die letzten Tage der DDR

Um an einen gefälschten Westpass für die Ausreise zu kommen, fährt Anne mit einem Freund zur Montagsdemonstration nach Leipzig. Doch Gerüchte besagen, dass an diesem Tag Panzer gegen Demonstranten eingesetzt werden sollen. Also entschließt sich der besorgte Vater - verkleidet als Honecker - im Zentralkommitee den Befehl rückgängig zu machen. Es folgt ein klassisches Verwechslungsspiel, wagemutig und witzig, das in Teilen durchaus an Ernst Lubitsch' Klassiker "Sein oder nicht Sein" erinnert.

Darsteller mit DDR-Hintergrund

Jörg Schüttauf, in der DDR aufgewachsen und als Schauspieler am Theater beschäftigt, sah die Figur des Erich Honecker nicht als heikel: "Dann schaltet sich bei mir das Hirn komplett aus und ich bin einfach nur der Komödiant, der diese Figur spielt. Ich habe keinerlei Berührungsängste mit solchen Geschichten, wenn sie so gut ausgedacht sind und so gut im Dialog und im Timing umgesetzt werden."

Pointierte Dialoge und gelungener Slapstick überwiegen in dem Film, der allerdings auch so manche ziemlich platte humoristische Einlagen hat.

Die Rolle der Anne wird von Josefine Preuß gespielt. Ebenfalls im Osten geboren, allerdings erst vier Jahre alt zur Zeit der Wende. Dementsprechend hat sie keine bewussten Erinnerungen an die DDR und die historischen, tatsächlichen Ereignisse: "Aber natürlich tauscht man sich mit der Familie, mit den Großeltern aus, die alles bewusst miterlebt haben. Ich wiederum bin sehr gespannt, was die über den Film sagen."

"Vorwärts immer" wird sicherlich hüben wie drüben auch heute noch mit anderen Augen gesehen. Gelacht werden aber darf gemeinsam.

Vorwärts immer!

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Jörg Schüttauf, Josefine Preuß, Jacob Matschenz
Regie:
Franziska Meletzky
Länge:
98 Min
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
12. Oktober 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Neue Filme | 11.10.2017 | 06:40 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/film/Komoedie-Vorwaerts-immer,vorwaertsimmer112.html

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