Stand: 17.03.2019 08:55 Uhr

"Die Goldfische": Eine erfrischende Komödie

Die Goldfische
, Regie: Alireza Golafshan
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Dass der Umgang mit Menschen mit Behinderung durchaus amüsant, gefühlvoll und mit Respekt inszeniert werden kann, haben Filme wie "Renn, wenn du kannst" oder "Vincent will Meer" bewiesen. "Die Goldfische" heißt eine Behinderten-WG-Gruppe und ein neuer Spielfilm, der erfrischend und unterhaltsam in die gleiche Kerbe schlägt.

Vom Chefsessel in den Rollstuhl

Als Portfoliomanger führt der großkotzige Oliver ein Leben auf der Überholspur, bis ihn das Schicksal auf derselben ausbremst. Nach seinem Autounfall ist Oliver querschnittsgelähmt und in seiner Rehaklinik erst mal grundsätzlich unzufrieden mit der Gesamtsituation, was die Klinikleitung vergleichsweise wenig beeindruckt.

Auf der Suche nach einer besseren WLAN-Verbindung findet Oliver die Räumlichkeiten der Behinderten-WG "Die Goldfische". Dort leben: der immer fröhliche Autist Rainman, die blinde Alkoholikerin Magda, die taffe Franzi mit Down-Syndrom, der schweigende Michi, der frustrierte Pfleger Eddie und Laura, die engagierte Betreuerin in der Probezeit. Weil Oliver schließlich irgendwie an sein Schwarzgeld in Zürich kommen muss und nun ja nicht einmal mehr selbst aufs Klo, geschweige denn zur Bank gehen kann, spendiert er der Truppe eine Kamel-Therapie in der Schweiz.

Kurztrip mit der Chaos-Truppe

Der klinikeigene Van dient als Transportmittel, wer kontrolliert schließlich schon Behinderte an der Grenze? Dass die Nummer im Chaos enden muss, ist von Anfang an klar. Auch die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen der süßen Laura und dem smarten Oliver ist sehr vorhersehbar.

Das macht aber nichts, denn der Drehbuchautor und Regisseur Alireza Golafshan hat sehr viel Herzblut in die Geschichte gelegt, findet auch Oliver-Darsteller Tom Schilling: "Alireza beschreibt diesen ganzen Kosmos mit viel Liebe und Zugewandtheit zu den Figuren und er nimmt sie ernst, das kann man schon im Drehbuch erkennen. Deswegen war für mich nach der Lektüre sofort klar: Das wird ein Film für mich sein, den ich interessant finde."

"Fuck you Goethe"-Star Jella Haase spielt die Jungbetreuerin Laura mit entwaffnender Ehrlichkeit und vermeidet Momente peinlicher Betroffenheit, wenn es mal ernst wird, denn: "Ich musste beim Drehbuch selber lachen, also laut lachen. Für mich war auschlaggebend, dass im Endeffekt die Menschen mit Behinderung am Ende die Helden sind. Ich fand das Drehbuch in ganz vielen Bereichen wahnsinnig ehrlich."

Perfekte Harmonie im Schauspieler-Ensemble

Was nicht heißt, dass hier keine klassischen Komödienmuster eingehalten werden, und doch das ein oder andere Mal auf die Moraldrüse gedrückt wird. Am meisten Spaß machen "Die Goldfische", wenn sie sich jenseits jeder Political Correctness bewegen.

Auch weil das Ensemble hervorragend harmoniert: Tom Schilling, Jella Haase, Axel Stein, Kida Khodr Ramadan, Jan Hendrik Stahlberg und allen voran Birgit Minichmayr als zynische, blinde Alkoholikerin Magda. Sie sagt: "Das ist schon eigenartig, wenn einem das Sehen genommen wird, wenn man gewohnt ist zu sehen. Das ist für eine Schauspielerin, als würde einem eine Form von Ausdrucksmittel fehlen." 

An Minichmayrs Spiel aber fehlt absolut nichts. "Die Goldfische" hätte durchaus noch eine Prise mehr Political Incorrectness vertragen können, ist aber auch so ein schön schillerndes Exemplar im oft eher trüben Teich der deutschen Tragikomödie.

Die Goldfische

Genre:
Spielfilm
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Tom Schilling, Jella Haase, Axel Stein
Regie:
Alireza Golafshan
Länge:
112 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
21. März 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 18.03.2019 | 08:55 Uhr

Weitere Kinoneustarts der Woche

Komödie: Mütter zwischen Büro und Babybrei

"Frau Mutter Tier" mit Julia Jentsch und Annette Frier ist eine sehr amüsante Kino-Komödie über den alltäglichen Familienstress zwischen Bioladen, Büro und Babybrei. mehr

Eine Reise durch Norddeutschland bei Nacht

"Norddeutschland bei Nacht" ist eine filmische Reise vom Sonnenuntergang bis zum Morgengrauen - mit Luftbildern und Begegnungen mit Menschen, die unterwegs sind, während andere schlafen. mehr

Mehr Kultur

83:44
NDR Info

Album (2/2)

NDR Info
00:30
NDR Elbphilharmonie Orchester

"For Seasons": der Trailer

NDR Elbphilharmonie Orchester
62:17
NDR Kultur