grüner Neonschriftzug "Cinema" © photocase.de Foto: zettberlin

Kinosterben: Ohne Oscarfilme aber mit Alternativ-Idee?

Stand: 22.04.2021 09:01 Uhr

In Deutschland ist ein langsames Kinosterben zu beobachten. Manche Lichtspielhäuser sind schon für immer geschlossen. Gibt es noch Hoffnung für die Kinos?

Ein rotes Tuch auf einer Treppe © photocase.de Foto: Nico
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von Bettina Peulecke

Die Preisverleihung der Oscars ist die prestigeträchtigste der Filmbranche und in diesem Jahr wird sie zwei Monate später als gewöhnlich zum 93. Mal in Los Angeles verliehen. Zu einer Zeit, in der in den USA nach und nach die Kinos geschlossen werden.

In Deutschland ist die Lage ähnlich: Acht Kinos wurden hier bisher geschlossen. In großen ebenso wie in kleineren Städten. Christine Berg, Vorsitzende des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater, sieht kein Muster in den Schließungen. Zwar befänden sich unter den geschlossenen Kinos eher mittelständische und größere, so Berg, aber man könne nicht sagen, das eine Haus habe da mehr gelitten als das andere. Dennoch: "Alle Kinos hätten auf jeden Fall weiter gelebt, wenn sie im letzten Jahr und auch in diesem Jahr Einnahmen gehabt hätten."

Kinoschließungen mit sinkenden Einnahmen

Ein rotes Tuch auf einer Treppe © photocase.de Foto: Nico
Eine Frage der Zeit: Welche Kinos rollen in Zukunft wieder den Roten Teppich aus?

Normalerweise ist rund um die Oscars Kino-Hoch-Zeit. Denn Oscarprämierte Filme lockten durchaus mehr Publikum in die Kinos, sagt Matthias Elwardt vom Zeise-Kino Hamburg. "Die Oscars sind für die Kinos eine ganz, ganz wichtige Zeit. Wenn man zum Beispiel dieses Jahr in die Regie schaut, sind unter den fünf nominierten Filmen vier Arthouse-Filme dabei. Außerdem ist in diesem Jahr Thomas Vinterberg mit "Der Rausch" nicht nur für den besten fremdsprachigen Film nominiert, sondern auch als bester europäischer Regisseur." Das komme nur sehr selten vor und würde im Zeise-Kino die Besucherinnen und Besucher in Scharen in den Kinosaal bringen, so Elwardt.

Digitale Eigeninitiativen: "Kino on demand"

Bei den großen Multiplexen sind es hauptsächlich Hollywood Blockbuster Produktionen, die für volle Kassen sorgen. Einige davon sind bereits in hauseigenen Streamingdiensten gelandet. Für die Zukunft sind exklusive Streamingstarts angedacht oder eine parallele Auswertung von Kino und online.

Actionfilme sind nun nicht der Stoff, der das Publikum in die kleinen, kommunalen Kinos lockt, wo spezielle Reihen oder Retrospektiven gezeigt werden. Auch in diesem Bereich der Branche entstehen immer mehr digitale Eigeninitiativen. "Video on demand" heißt das Zauberwort; Filme, die man sich kaufen oder leihen kann und eben online schaut.

Filmvorstellungen des Lieblingskinos werden digital ausgedehnt

"Cinemalovers" ist so eine Plattform. Die fachspezifische, filmkuratorische  Arbeit der Kommunalen- und Programmkinos wird so auch digital ausgedehnt und dem Publikum unabhängig vom Kinobesuch zugänglich gemacht. Das Hamburger kommunale Kino Metropolis nutzt diese Möglichkeit. Es sei eine ganz besondere Situation, erklärt Kurator Nils Daniel Peiler, dass diese kommunalen Kinos, die sich auch durch ein spezielles Programm auszeichneten, andere Filme anders zeigten. "Sie werden jetzt eben auch im Internet mit einer eigenen Plattform aktiv. Mit dem virtuellen Kinosaal bei uns ist das Metropolis+."

Das deutsche Filminstitut und Filmmuseum in Frankfurt oder die Kinemathek Karlsruhe sind auch mit von der Partie, ebenfalls das Sputnik Kino in Berlin oder das City 46 in Bremen. Mit dem Kauf oder mithilfe eines Abonnements von Filmen und Veranstaltungen kann man den virtuellen Kinosaal seines Lieblings-Kinos nutzen und bietet somit finanzielle Unterstützung.

Hilfsaktionen: Außerhausverkäufe von Popcorn oder Kino-Gutscheinen

Dieses erweiterte Angebot soll auch weitergeführt werden, wenn die Häuser wieder geöffnet sind. Bis dahin gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, das Lieblingskino zu unterstützen. Zum Beispiel Außerhausverkäufe von Popcorn oder Gutscheinen, so wie es auch das familienbetriebene "Casablanca" Kino in Oldenburg anbietet. Samstags, wenn Wochenmarkt ist, gibt es zum Gutschein auch noch einen Kaffee über den Tresen im Foyer. Das würde ganz gut angenommen, sagt Tobias Rossmann: "Und es zeigt eben auch, dass wir noch da sind. Die Leute freuen sich, dass sie mal ab und zu hier in ihrem Lieblingskino vorbeischauen können."

All das sei aber nur eine symbolische Aktion, denn damit könne man nicht annähernd seine Unkosten decken. Rossman findet: "Dafür sind wir natürlich auf die staatlichen Hilfen angewiesen, das ist ganz klar." Kino-on-demand, Gutscheine und andere Hilfsaktionen sind besser als nichts, aber zum Überleben eben nicht genug.

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