Stand: 29.12.2014 19:00 Uhr

Das Abaton: Kino-Institution in Hamburg

von Juliane Bergmann

Matthias Elwardt sitzt lässig auf dem roten Sofa in der Abaton-Bar. In Jeans, kariertem Hemd und mit angegrauten Haaren. Hinter ihm schmachten sich auf einem Schwarz-Weiß-Plakat Ingrid Bergman und Humphrey Bogart an. Seine Karriere beim Abaton begann mit einem Studentenjob: "Eigentlich wollte ich Lehrer werden."

Abaton: 44 Jahre Filmtradition im Grindelviertel

Seit mehr als 25 Jahren ist Elwardt Programmchef - und inzwischen auch Gesellschafter und Geschäftsführer. Mit seiner Gründung 1970 zählt das Hamburger Abaton zu den ersten Programmkinos Deutschlands. Es ist klein und verwinkelt. Tickets gibt's vor der Tür an einem Fenster. Drinnen herrscht Bar-Atmosphäre. Statt Popcorn gibt es Weißweinschorle. Dem Betreiber geht es nicht unbedingt um Äußerlichkeiten. Er legt Wert auf das Programm: Hier laufen Filme abseits des Mainstream-Kinos, viele im Original mit Untertiteln, daneben aber auch Klassiker, Dokumentationen, Kinderfilme und thematische Reihen. Oft sind Regisseure, Autoren und Darsteller zu Gast, einige von ihnen sind auf Fotos in der Bar verewigt.

Kino als wichtigster kultureller Begegnungsort

Jedes Jahr besucht Elwardt drei europäische Filmfestivals: die Berlinale, Cannes und Venedig. Er sieht jährlich 700 Filme und bucht seine Highlights für das Abaton-Programm. Müde ist er trotzdem nicht.

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Hamburg Journal

Hamburg damals: Das Abaton Kino

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Das Abaton im Grindelviertel war eines der ersten Programmkinos in Deutschland. Über die Jahrzehnte hat sich das Kino zu einer festen Größe in der Hamburger Kinolandschaft etabliert. Video (03:48 min)

Während es sich die Gäste in einem der drei Säle auf roten Samt-Sesseln bequem machen, schaut der Theaterleiter und Filmvorführer Jasper Koch hinter den Kulissen nach dem Rechten. Gelernt hat er noch, mit Filmrollen zu arbeiten. Heute werden hier nur noch ab und zu 35-Millimeter-Filme gezeigt. Seit 2012 ist das Abaton auf digitale Vorführung umgestiegen. Auch, wenn die Entscheidung für die moderne Technik ein bisschen unromantisch scheint - was den Inhalt angeht, bleibt Programmchef Elwardt Idealist: "Für mich ist das Kino inzwischen der wichtigste kulturelle Ort überhaupt, weil er alle erreicht. Es gibt keine kulturelle Schwelle. Sie müssen nichts vorher wissen. Wenn ein Film gut ist, kann der Ihnen eine herzbewegende Geschichte aus Guatemala erzählen oder aus dem hinteren Teil der Mongolei. Und wenn der Film gut ist, sind Sie dann auch in der Mongolei oder in Guatemala und leben mit den Menschen da."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 22.06.2017 | 11:40 Uhr