Eine Frau isst Popcorn, lächtelt und schaut auf ihrem Laptop einen Film mit Kopfhörern © IMAGO / Panthermedia Foto: Antonio Guillem

Kino, Theater und Konzerte per Stream - Chance für die Zukunft?

Stand: 29.06.2021 13:50 Uhr

Zum Thementag "Was hat uns Corona gebracht?" hat unsere Autorin Walli Müller Kulturschaffende befragt, ob die Pandemie-bedingte Verlegung von Veranstaltungen ins Internet auch Chancen bietet.

von Walli Müller

Wie gerne hätte man als Kinofan aus Norddeutschland früher mal an den Filmtagen in Hof teilgenommen oder das DOK.fest München besucht! Corona machte es plötzlich möglich durch Online-Filmfestivals. Diese Chance nutzten viele: 17.000 Online-Streams wurden vergangenen Herbst in Hof gebucht, 71.000 beim Münchner DOK.fest diesen Mai - fast 20.000 mehr als verkaufte Kino-Tickets beim letzten Präsenzfestival.

Neues Publikum durch Film-Streams

Auch das Filmkunstfest Schleswig-Holstein konnte mit einer Online-Ausgabe im Frühjahr seinen Interessenten-Kreis deutlich erweitern, wie Festival-Sprecher Max-Peter Heyne berichtet: "Wir haben dann eine Umfrage unter unseren Besucherinnen und Besuchern gemacht, die ergab, dass ein Drittel unser Festival noch nie besucht hatte."

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Auch kleine Programmkinos wie das City 46 in Bremen haben in Pandemie-Zeiten gelernt. Seit Juni gibt es neben den Kinosälen auch das eigene Streaming-Portal "Digy 46", das Filme gegen Leihgebühr als Video on Demand zur Verfügung stellt. Eine Idee, die sich gerade im Arthouse-Bereich bewähren könnte.

Theater-Dramaturg Jan Peters: Hohe Klickzahlen nur für große Häuser

Für die Theater im Land war die Online-Bühne nicht ganz so attraktiv - aber immerhin eine gute Notlösung, wie Dramaturg Jens Peters vom Theater Osnabrück resümiert: "Die Online-Premieren waren ähnlich gut besucht wie normale Premieren. Aber insgesamt haben sie nicht die gleichen Zahlen erreicht wie bei uns. Hohe Klickzahlen gab es eher bei den Produktionen größerer Häuser mit überregionaler Ausstrahlungskraft."

Was aber vom digitalen Theater über Corona hinaus erhalten bleiben könnte, sind spielerische Formate, gerade mit Blick auf jüngere Zuschauer*innen, sagt Peters: "'Kriegerin' ist ein Stück, dass wir über Zoom zeigen. Da ist auch Interaktion mit dem Publikum möglich, und das spricht ein jüngeres Publikum absolut an. Wichtig ist, nicht nur das abgefilmte Theater zu zeigen."

Gewöhnung an Wohnzimmer-Konzerte?

Schnell gab es schon während des ersten Lockdowns Pop- und Klassik-Konzerte im Internet. So spielte auch der Chanson-Sänger und Pianist Matthias Brodowy plötzlich Wohnzimmerkonzerte. "Es fühlte sich erst befremdlich an, bis man sich dran gewöhnt hatte", so Brodowy. Er setzt scherzhaft hinterher: "Jetzt hoffe ich, dass ich mich nicht erst wieder ans Publikum gewöhnen muss! Ich werde den Leuten einfach sagen, sie sollen leise sein. Oder wie im Autokino hupen - irgendwie so was."

Die Pianistin Sophie Pacini im Porträt. © picture alliance/Katharina Redanz/dpa Foto: Katharina Redanz
Die Pianistin Sophie Pacini blickt kritisch auf Konzert-Streams.

Brodowy kann noch witzeln - der Pianistin Sophie Pacini vergeht beim Thema Online-Konzerte das Lachen. Was, fragte sie sich im Gespräch mit NDR Kultur, wenn das Publikum gar nicht wieder in den Konzertsaal zurückkommt? "Dieses überall- und allerorten Streamen, teilweise zum Null-Preis, macht mir schon eine ganze Weile Sorgen", so Pacini. "Das mag ja ein guter Ersatz sein, aber es ist eben wirklich keine Alternative zu einem Live-Konzert. Und man darf bei Gewohnheiten, die sich ändern, die Bequemlichkeit nicht unterschätzen. Was es bedeutet, dass die Schwingungen durch den Boden direkt in die Seele gehen, droht in Vergessenheit zu geraten."

Wie berechtigt diese Befürchtungen sind, wird sich zeigen, wenn Konzerte nun wieder stattfinden. Mit etwas Optimismus aber kann man davon ausgehen, dass für Musik-Liebhaber*innen ein Online-Stream nicht die Live-Erfahrung ersetzt - und für Kino-Fans der Fernseher nicht die Leinwand. Als Ergänzung und um neue Zielgruppen anzusprechen, könnten Online-Formate aber vielleicht für alle ein Gewinn sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 29.06.2021 | 07:55 Uhr

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