Stand: 25.03.2019 16:30 Uhr

"Willkommen in Marwen" von Robert Zemeckis

Willkommen in Marwen
, Regie: Robert Zemeckis
Vorgestellt von Krischan Koch

Der Regisseur Robert Zemeckis hat den Hollywoodfilm der 80er- und 90er-Jahre wesentlich mitgeprägt. Sein großer Oscar-Erfolg "Forrest Gump" und die Filmtrilogie "Zurück in die Zukunft" sind Klassiker. Nach längerer Pause hat Zemeckis jetzt eine Tragikomödie gedreht: "Willkommen in Marwen".

Trauma-Bewältigung in einer Puppenwelt

Mark Hogancamp (gespielt von Steve Carell) leidet an einem Trauma. Vor etlichen Jahren ist er auf offener Straße von Hooligans ins Koma geprügelt worden. Danach hat er sich in eine von ihm gebaute und mit Puppen bevölkerte Miniaturwelt geflüchtet. Das fiktive belgische Dorf Marwen muss sich im Zweiten Weltkrieg gegen Angriffe der Nazis wehren. Hogencamps Alter Ego Captain Hoagie hat sich hier mit mehreren Frauen verschanzt.     

Im Film erwacht die Puppenwelt zum Leben. In der Bar von Marwen, das wie ein kleines Westerndorf aussieht, flirtet und streitet sich Captain Hoagie mit den Frauen. Aber vor allem müssen sie gemeinsam die blutigsten Feuergefechte mit den Nazis überstehen.

Mischung aus Realfilm und Animation

Regisseur Robert Zemeckis mischt Realfilm und Animation. In herrlich überdrehten Szenen spielt er mit den Stereotypen aus Kino und Comic. Da gibt es sadistische Nazis und toughe Frauen, eine rassige Mexikanerin, eine blonde Amazone mit Zöpfen und den mysteriösen Vamp.  

Die Geschichte klingt reichlich verrückt, aber sie basiert auf einem authentischen Fall. Diesen puppenspielenden Mark Hogancamp gibt es wirklich. Mit den Fotos seiner Miniaturszenarien wurde er in den USA berühmt. Es gab Ausstellungen und vor zehn Jahren eine preisgekrönte Dokumentation über ihn. Auch in Zemeckis Film versucht sich der traumatisierte Sonderling ins wirkliche Leben zurückzukämpfen. Die nette neue Nachbarin interessiert sich für seine Puppenwelt.

Steve Carell spielt traurig und komisch zugleich

Das ist kunstvoll trashig animiert. Hoagie und seine Frauen sehen aus wie lebendige Barbiepuppen. Sie tanzen und kämpfen, aber ihre Plastikexistenz verleugnen sie nicht. Im Kampf fällt ihnen schon mal ein Arm ab. Für Hogancamp sind sie trotzdem allgegenwärtig. Sogar während der realen Gerichtsverhandlung gegen die brutalen Täter wird er urplötzlich von den Nazis aus seiner Puppenstube übermannt.

Steve Carell spielt das wunderbar traurig und komisch. Wenn er mit den Puppen im Schlepptau durch den realen Alltag stolpert, dann gibt es keine Grenzen mehr zwischen Fiktion und Wirklichkeit, zwischen Melodram und schriller Satire, zwischen Hollywood und Avantgardekino.

Im reifen Alter von Sechsundsechzig hat Robert Zemeckis einen herrlich verrückten Film gedreht, der in keine Schublade passt. Hintergründig, skurril, aber auch anrührend. Barbie meets Tarantino.

Willkommen in Marwen

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Steve Carell, Leslie Mann, Diane Kruger
Regie:
Robert Zemeckis
Länge:
116 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
28. März 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 27.03.2019 | 06:40 Uhr

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