Stand: 22.04.2020 11:57 Uhr

Kinderfernsehen in Zeiten von Corona

von Walli Müller

Der Corona-Shutdown hat viele Branchen lahmgelegt. Besonders hart traf es auch die Film-Produktionsfirmen. Dreharbeiten mussten wegen der verhängten Kontaktsperre von heute auf morgen abgebrochen werden. Ungewiss ist, wann Schauspieler und Crew wieder zurück an die Sets können. Auch Die Pfefferkörner, die cleveren Hamburger Kinder-Detektive, konnten die geplanten neuen Folgen nicht weiterdrehen. Bedroht Corona also auch das öffentlich-rechtliche Kinderfernsehen?

Tayo, Femi und Levin halten eine Filmklappe am Set. © NDR Foto: Boris Laewen
Die Redaktionen hoffen, dass sie in den Sommerferien weiter drehen können.

So gewitzt sie normalerweise sind, gegen Corona hatten auch Die Pfefferkörner keine Chance. Statt vier Wochen konnten im März mit der neuen Kinderdarsteller-Riege nur zwei Wochen gedreht werden. Für die zuständige NDR Redakteurin Sandra LeBlanc ist das aber noch lange kein Grund zum Verzweifeln. "Natürlich ist es für das gesamte Team unheimlich traurig", sagt LeBlanc. "Zum Glück haben wir aber noch ein bisschen Zeit. Die Ausstrahlung dieser neuen Folgen - der Staffel 17 - wird erst Anfang nächsten Jahres stattfinden. Insofern haben wir hoffentlich genug Zeit, um die Folgen fertigzustellen.“

Die Pfefferkörner gehen weiter

Das Pfefferkörner-Kinofilm-Team beim Setpressetermin in der Speicherstadt. © NDR Foto: Astrid Reinberger
Sandra Le Blanc und das Team der Pfefferkörner haben den neuen Kinofilm schon abgedreht.

Die große Hoffnung ruht jetzt auf den Sommerferien. Das ist ohnehin die Haupt-Drehzeit für alle Kinderfilme. Deshalb haben die Produktionsfirmen damit aktuell viel weniger Probleme als mit Erwachsenen-Spielfilmen, deren Dreharbeiten nicht fortgeführt werden können. Im Sommer sollen hoffentlich die Dreharbeiten für die KIKA-Kinderserie "Schloss Einstein" ganz normal anlaufen und auch der Pfefferkörner-Dreh soll wieder beginnen.

"Jetzt scheint es auch so zu sein, dass die Schulen wieder starten ganz langsam, und das stimmt uns natürlich sehr optimistisch", erzählt Redakteurin LeBlanc. "Es kann natürlich sein, dass wir uns an ganz neue Bedingungen am Set gewöhnen müssen. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass die richtig tollen Kuss-Szenen, die wir sonst häufig dabei haben, wenn die Pfefferkörner sich annähern, wahrscheinlich entfallen müssen. Möglicherweise müssen wir da einiges verändern in den Drehbüchern." Der zweite Pfefferkörner-Kinofilm, in dem das neue Team vorgestellt wird, ist zum Glück schon komplett abgedreht. Nur der Starttermin, ursprünglich für Juli vorgesehen, muss nun neu festgelegt werden - wie bei zwei weiteren Kino-Koproduktionen für Kinder, an denen die ARD in diesem Jahr beteiligt war.

Enttäuschte Schüler der "besten Klasse Deutschlands"

Moderator Malte Arkona wird von Kindern umringt. © NDR / Micha Neugebauer Foto: Micha Neugebauer
Malte Arkona moderiert "Die beste Klasse Deutschlands", für die es noch keine Corona-Lösung gibt.

Vor einem größeren Problem steht die Redaktion der Kinder-Quiz-Show "Die beste Klasse Deutschlands". An dieser KIKA-Show teilzunehmen, ist ein Traum für alle Sechst- und Siebtklässler. Wenn man dann aus 800 Bewerber-Klassen ausgewählt wird, nach Köln ins Studio fahren darf und in der ersten Runde auch noch gewinnt - wie die Klasse 7f des St. Johannis-Gymnasiums in Bremen - dann ist es richtig frustrierend zu erfahren, dass die nächste Quiz-Runde wegen Corona nicht stattfinden kann. "Wir hätten auch irgendwelche Schutzmasken im Studio getragen, aber wir wollten das einfach unbedingt, weil das so schön war beim ersten Mal", sagt Celia aus der 7f. "Es wäre ja auch superdoof, wenn es dann keinen Sieger gäbe am Ende. Also ich meine, wir wollen natürlich gewinnen, jede andere Klasse will gewinnen – und auch die Zuschauer wollen ja sehen, dass jemand gewinnt." Dass noch eine Sieger-Klasse ermittelt werden soll, seht fest. Aber wie? Das ist noch völlig offen. Nun laufen erst mal die Vorrunden-Shows der "Besten Klasse Deutschlands": Montag bis Donnerstag um 19:25 Uhr auf KIKA.

Es gibt genug Kinderprogramm für Jahre

Und wenn gar nicht weitergedreht werden kann, womöglich auch in den Sommerferien nicht? Auch dann gäbe es weiter ein spannendes Kinderprogramm bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, versichert Sandra LeBlanc: "Erst mal gibt es natürlich ganz viele Produktionen, die im letzten Jahr schon gedreht worden sind. Dazu gehört unter anderem eine große Vampir-Serie, 'Die Erben der Nacht'. Die wird wahrscheinlich im Sommer synchronisiert", erzählt die Redakteurin. "Und Synchronisierungen sind übrigens auch möglich, was ganz schön ist, weil wir natürlich auch Produktionen aus anderen Ländern haben. Wir haben wirklich einen riesigen Fundus an Programmen, sodass ich keinerlei Sorge habe, dass wir auch die nächsten Jahre noch wunderbar über die Runden kommen mit dem Programm, was wir produziert haben."

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NDR Info | Mikado | 26.04.2020 | 08:05 Uhr

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