Stand: 12.03.2020 11:35 Uhr

"Känguru-Chroniken": Verfilmung hopst etwas zu kurz

von Walli Müller

Dass ein Mensch mit einem Känguru über Kapitalismus, das Schweinesystem und die längst fällige Weltrevolution diskutiert, ist etwas völlig Normales seit Marc-Uwe Kling seine "Känguru-Chroniken" veröffentlichte. Zuerst als Radio-Kolumne, dann in Buch- und Hörbuch-Form. Der Mann und sein Känguru sind inzwischen Kult, ihre Bühnen-Auftritte im ganzen Land ausverkauft. Seit vergangener Woche sind "Die Känguru-Chroniken" im Kino und mehr als 300.000 Menschen haben sich dem Film bereits angeschaut.

Fans von Marc-Uwe Kling hätten natürlich nie einen Beweis auf der Leinwand dafür gebraucht, dass es das Känguru wirklich gibt. Aber nun glauben es vielleicht auch alle anderen. Denn es sieht absolut echt aus, auch dank eines Motion-Capture-Verfahrens, bei dem die Bewegungen eines Schauspielers auf das computeranimierte Beuteltier übertragen wurden.

Die Stimme gehört - im Film wie auf den Hörbüchern - seinem Schöpfer, Marc-Uwe Kling. Der Zweite im Bunde ist auch im Film Marc-Uwe. Nur spielt der sich nicht selbst, sondern lässt sich von Profi Dimitrij Schaad vertreten.

Ein dreistes Känguru diskutiert mit Marc-Uwe über Politik

Die Geschichte beginnt im Kino wie im Buch: Das dreiste, für einen Kommunisten ganz schön Ich-bezogene Känguru nistet sich bei Marc-Uwe in der Wohnung ein, frisst ihm die Schnapspralinen weg und stachelt den verschlafenen "Kleinkünstler" zu Sabotage-Aktionen gegen den Immobilien-Mogul und Rechtspopulisten Jörn Dwigs an.

Der schleimige Kerl, schön widerwärtig gespielt von Henry Hübchen, will ihnen in Kreuzberg einen grässlichen Protz-Tower vor die Nase bauen.

Die "Känguru-Chroniken" sind im Film durchaus wiederzuerkennen. Das Drehbuch stammt ja auch von Marc-Uwe Kling. Aber er hopst doch in großen Sprüngen durch die Seiten, sucht sich die Szenen aus, die etwas mehr Action und fortlaufende Handlung hergeben.

"Känguru-Chroniken": Schmale Story, zu wenig Kabbelei

Porträt
Autor Marc-Uwe Kling © picture alliance/Eventpress Foto: Eventpress Hoensch

Marc-Uwe Kling: Autor der "Känguru-Chroniken"

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Was für einen Film notwendig sein mag, könnte Fans aber enttäuschen. Denn sie lieben am Text die unglaublich komischen verbalen Kabbeleien und Wortklaubereien dieser zwei Maulhelden, die in der Kino-Fassung sehr viel weniger zur Geltung kommen.

So unkonventionell das Ganze beginnt mit der Suche des Duos nach einem "richtigen" Film-Anfang - irgendwann endet es dann doch wie bei den meisten deutschen Komödien: mit Slapstick-Orgien, bei denen diverse Sportwagen geschrottet werden.

Trotzdem: Marc-Uwe und das Känguru sind ein sympathisches Film-Pärchen, über das zumindest all die schmunzeln werden, die die zwei erst jetzt kennenlernen. Fast witziger als der Film ist ja die Promotion, die seine Helden dafür aus dem Beutel schütteln.

Die Känguru-Chroniken

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Henry Hübchen, Dimitrij Schaad, Rosalie Thomass, Adnan Maral
Regie:
Dani Levy
Länge:
92 Min.
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
5. März 2020

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 03.03.2020 | 08:55 Uhr

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