Stand: 07.02.2020 11:36 Uhr  - NDR Info

"Jojo Rabbit": Subversive Komödie oder dunkle Tragödie

Jojo Rabbit
, Regie: Taika Waititi
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Seinen sehr speziellen schrägen Sinn für Humor hat der neuseeländische Regisseur Taika Waititi schon in diversen Filmen bewiesen. Seit er vor zwei Jahren mit seiner Version von "Thor: Ragnarok" auch im Marvel-Universum für einen weiteren Blockbuster sorgte, hat er in Hollywood so etwas wie einen Freifahrtschein. Mit dem hat er sich nun der Historie des Holocaust angenommen. Seit Mitte Januar läuft der Film"Jojo Rabbit", der locker auf dem Roman "Caging Skies" von Christine Leunen basiert.

Filmtrailer: "Jojo Rabbit"

Mit seiner Slapstick-Komödie "Jojo Rabbit" vermittelt Regisseur und Hitler-Darsteller Taika Waititi die Botschaft, Mitgefühl und Menschlichkeit als Waffe gegen Fanatismus einzusetzen.

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Die Frage, ob man über Hitler und das Grauen des Naziregimes lachen dürfe oder nicht, ist so alt wie die Meisterwerke "Sein oder nicht Sein" von Ernst Lubitsch, "Der große Diktator" von Charles Chaplin oder "Frühling für Hitler" von Mel Brooks. Zuletzt wurde Dany Levis misslungener "Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler" heiß diskutiert.

"Jojo Rabbit" für den Oscar nominiert

Wer dem Thema an sich nichts Witziges abgewinnen kann, der sollte auch in diesem Fall nicht ins Kino gehen. Alle anderen sehen mit "Jojo Rabbit" einen großartigen, perfekt getimten Film, der sogar als "Bester Film" für den Oscar nominiert ist. Eine höchst unterhaltsame wie herzzerreißende Mischung aus krachlederner Komödie und dunkler Tragödie, gewürzt mit Slapstick und subversivem Humor und einem brillanten Ensemble - gewissermaßen ein entfernter Verwandter von Lubitsch und Brooks.

Hitler als imaginärer Freund und Ratgeber

Johannes Betzler - genannt Jojo - ist zehn Jahre alt, begeisterter Nachwuchs-Nazi und in der Hitlerjugend engagiert. Sein Vater kämpft angeblich an der Front, seine Mutter kümmert sich rührend um ihn. Aber Jojo ist schmächtig und nicht der Mutigste, also wird er als "Angsthase" gehänselt - "Jojo Rabbit".

Regisseur Taika Waititi selbst spielt Adolf Hitler

So erschafft der Junge sich einen imaginären Freund, Hitler höchstpersönlich. Ein Ersatzvater, der ihm den Krieg und die oft absurde Welt der Erwachsenen mit rassistischen Klischees und plumpen Parolen erklärt. Serviert oft in Slapstickform, denn der sehr extrovertierte Regisseur Taika Waititi selbst spielt Hitler. Das war allerdings nicht seine Idee, sondern die des Studios: "Das Studio sagte, sie seien sich im Klaren darüber, dass es schwierig sei, die Rolle des Hitler zu besetzen, also sollte ich das doch am besten selbst übernehmen. Und so haben wir es dann gemacht!", erzählt Waititi.

Jojo entdeckt eine versteckte Jüdin

Eines Tages macht Jojo eine folgenschwere Entdeckung: Eine Klassenkameradin seiner kürzlich verstorbenen Schwester lebt in ihrer Dachabseite. Elsa ist Jüdin und Jojos Mutter hält sie vor den Nazis versteckt.

Der Junge ist verwirrt, eigentlich müsste er beide anzeigen, andererseits liebt er seine Mutter über alles. Und die macht ihrem Kind auch immer wieder klar, dass die Liebe das Stärkste ist, was es gibt - und dass auch Jojo sie eines Tages treffen werde.

Scarlett Johansson ist umwerfend als liebevolle Mutter

Der junge Darsteller Roman Griffin Davies verkörpert Jojo großartig, und Scarlett Johansson, die seine ebenso couragierte wie liebevolle Mutter spielt, ist wie immer umwerfend. Für die Schauspielerin funktioniert der Film gerade durch seinen Humor, den der Regisseur so gezielt einsetzt: "Taika benutzt den Humor sozusagen als Einladung für den Zuschauer", sagt sie. "Und wenn er ihn erst mal in seinen Bann gezogen hat, dann benutzt er den Witz, um eine sehr starke Botschaft zu vermitteln."

Mitgefühl, Menschlichkeit und Güte als Waffe gegen das Übel von Fanatismus und - in diesem Fall - Nationalismus, diese Botschaft war und ist erschreckend aktuell.

Jojo Rabbit

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Scarlett Johansson, Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie
Regie:
Taika Waititi
Länge:
108 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
22. Januar 2020

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 22.01.2020 | 06:40 Uhr

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