Stand: 13.05.2019 15:35 Uhr

Doris-Day-Retrospektive in Hamburg geplant

von Daniel Kaiser
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Doris Day, hier mit James Stewart im Hitchcock-Film "Der Mann, der zuviel wusste" (1956), verstarb vergangene Woche im Alter von 97 Jahren.

Nach dem Tod der Hollywood-Legende Doris Day will Jens Wawrczeck an ihr großes Talent erinnern.  Der bekannte Hamburger Schauspieler und Hörspielsprecher (Peter Shaw von den "Drei Fragezeichen") ist ein Bewunderer der Schauspielerin und Sängerin. Er will zeigen, dass sie mehr war als Mrs. Sauberfrau und "Que sera" und plant dazu eine Doris-Day-Retrospektive im Hamburger Metropolis Kino.

Was verbinden Sie mit Doris Day?

Jens Wawrczeck: Doris Day war für mich immer ein Sonnenschein in meinem Leben. Egal, wie schlecht es mir ging: ein Doris-Day-Film hat mir immer ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Das Erstaunliche an ihrer Karriere ist, dass sie, obwohl sie 1968 ihren letzten Kinofilm gedreht hat, bis zu ihrem Lebensende jede Woche 200 Fanbriefe bekam.

Woran lag das? Was ist das Doris-Day-Geheimnis?

Wawrczeck: Ich glaube, es hat etwas damit zu tun, wie aufrichtig sie auf der Leinwand herüberkam. Mit dieser Mischung aus Humor und dem, was darunter liegt. Große Komiker speisen ihre Komik immer auch aus der Tragik und das konnte Doris Day. Sie beherrschte die verschiedenen Genres. Sie hat ja nicht nur Komödien gedreht, wandte sich aber vom Drama ab, weil sie während der Dreharbeiten zu ihrem letzten dramatischen Film "Mitternachtsspitzen", der ja bis heute ein Evergreen im Fernsehen ist, einen Nervenzusammenbruch erlitt, weil ihr das zu nahe ging. Sie hat sich immer hundertprozentig eingebracht.

Doris Day steht ja vor allem für die romantischen Komödien mit Rock Hudson und James Garner, in denen sie die Sauberfrau spielt und ein Frauenbild der 50er-Jahre verkörpert. In vielen Nachrufen, die man gerade lesen konnte, wurden diese Filme im Feuilleton schon fast mit einer wegwerfenden Handbewegung genannt.

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Jens Wawrczeck ist in Deutschland vor allem als Synchronstimme von Peter Shaw bei den "Drei Fragezeichen" bekannt.

Wawrczeck: Das hat mich sehr geärgert. Zum einen ist es so, dass die deutschen Verleihtitel eine größere Prüderie zeigen als die englischen Originale. Aus "Lover come back" wurde "Ein Pyjama für Zwei" und aus "Move over, Darling" wurde "Eine zu viel im Bett". Das deutet ja eine gewisse Haltung an. Das Interessante ist, dass Doris Day zu einem Sündenbock für eine verklemmte Sexualität wurde. Das hat mir nie eingeleuchtet - ihr übrigens auch nicht. Sie war eine der ganz wenigen Schauspielerinnen war, die in den 50er- und 60er-Jahren berufstätige Frauen spielte, die nicht auf den Mann angewiesen waren, die eigentlich eher dem Mann den Kampf angeboten haben. Und so hat sie in den letzten 15 Jahren auch eine Würdigung von Feministinnen erhalten. 

Warum endete in den 70er-Jahren die Liebesgeschichte zwischen Doris Day und Hollywood?

Wawrczeck: Sie wollte nicht in das neue Hollywood hineinrutschen. Man hatte ihr die Rolle der Mrs. Robinson im Film "Reifeprüfung" angeboten. Das wäre sehr interessant geworden. Bei Anne Bancroft ist es nicht so abwegig, dass sie einen jungen Mann verführt. Wenn man sich aber vorstellt, dass Doris Day Mrs. Robinson spielt, wäre das ein wirklicher Schockmoment. Ich bedauere beinahe, dass sie es nicht gemacht hat. Aber ich kann auch verstehen, dass sie nach 20 Jahren sagt: In diesem Hollywood bin ich nicht mehr zu Hause.

Der Schauspieler Jens Wawrczeck sitzt im Studio vor einem Mikrofon. © ARD Foto/ Ben Knabe Foto: Ben Knabe

Der Beitrag zum Hören

NDR 90,3 - Kulturjournal -

Der Hamburger Schauspieler und Hörbuchsprecher Jens Wawrczeck hält den verstorbenen Filmstar Doris Day für unterschätzt. Er will eine Retrospektive im Metropolis-Kino organisieren.

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Als Sängerin wurde sie mit "Que sera" weltbekannt. Was gibt es da noch zu entdecken?

Wawrczeck: Ich finde, man muss ihre Diskografie unbedingt neu entdecken und neu bewerten, weil sie unglaublich tolle Aufnahmen gemacht hat. Sie hat das komplette "American Songbook" eingesungen. Sie hat mit André Previn eine wunderbare Jazzplatte gemacht - drei Musiker und sie, ganz intim und wunderbar. Und sie hat eine Platte mit lateinamerikanischer Musik aufgenommen, die so sexy ist, dass man sie möglichst bei Kerzenlicht hören sollte. Einer ihrer Songs wurde in England sogar verboten, weil er so anzüglich war. So viel zur prüden Doris Day! Mein Tipp: Machen Sie die Augen auf! Schauen Sie genau hin! Es ist manchmal gut, einen zweiten Blick auf jemanden zu werfen, den man in eine Schublade gesteckt hat, in die er gar nicht reingehört.

Wie kann es gelingen, diese Sicht auf Doris Day zu ermöglichen?

Wawrczeck: Nach ihrem Tod war mein erster Impuls, dass man etwas über sie machen müsste. Ich habe dann das Metropolis-Kino in Hamburg kontaktiert, mit dem ich sowieso in Verbindung stehe, weil ich dort Hitchcock-Filme zeige und habe vorgeschlagen, eine Doris-Day-Retrospektive zu zeigen. Die Betreiber haben zugestimmt, und nun gehen wir das an.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 21.05.2019 | 19:00 Uhr