Stand: 21.05.2019 09:44 Uhr

Eidinger: "Für mich wäre Erblinden das Schlimmste"

"All My Loving" heißt der neue Film, in dem Kinostar Lars Eidinger neben Nele Mueller-Stöfen und Hans Löw eine der Hauptrollen spielt. Der Film erzählt die Geschichte dreier Geschwister, die alle in ihrem Leben an einem Punkt stehen, an dem sich entscheidend etwas ändert. Im Interview mit NDR.de erzählt Lars Eidinger, wie er seine Rollen aussucht, auf welche gesundheitlichen Probleme er verzichten kann und wie es ist, nun auch in Hollywood zu arbeiten.

In "All My Loving" spielen Sie einen Piloten, der Probleme mit den Ohren hat und deswegen nicht mehr fliegen darf. Welches Sinnesorgan wäre denn für Sie als Schauspieler unverzichtbar?

Lars Eidinger: Auf das Visuelle könnte ich am wenigsten verzichten. Hören ist aber auch sehr wichtig. Ich hatte schon mit älteren Kollegen zu tun, für die das Arbeiten ganz schwer war, weil sie nicht mehr so gut gehört haben. Aber für mich wäre Erblinden das Schlimmste. Manchmal wäre ich froh, wenn ich auf den Geruchssinn verzichten könnte (lacht).

Was hat Sie denn an der Rolle des kranken Piloten in "All My Loving" gereizt?

Eidinger: Ich kann sagen, dass ich immer einem Bauchgefühl gefolgt bin. Ich lese was und frage mich: Habe ich Lust darauf? Da bin ich ganz naiv. In "All My Loving" fand ich interessant, dass die Hörprobleme meiner Figur ein Sinnbild sind. Für jemanden, der aus dem Gleichgewicht gerät, der gar nicht mehr richtig hinhört, auf das, was um ihn herum geschieht.

Ihre Figur eckt im Film bei anderen ziemlich an. Ist der private Lars Eidinger auch so unbequem?

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Szene aus "All My Loving": Stefan (Lars Eidinger) gerät in eine tiefe Krise, als er aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf als Pilot aufgeben muss.

Eidinger: Früher dachte ich immer, ich müsste meine privaten Erfahrungen in eine Rolle einbringen. Mittlerweile sehe ich es aber umgekehrt. In der Fiktion kann ich ganz andere Sachen erleben. Meiner Fantasie folgen, frei sein. Und das bereichert - glaube ich - meine Persönlichkeit.

Wie wichtig ist das Unbekannte in einer Rolle?

Eidinger: Ich bin es leid, dass es in Deutschland gerade eine Schwemme von Biopics gibt, auch wenn ich zugegebenermaßen vor Kurzem in einem Film auch Bertolt Brecht gespielt habe. Da steht dann immer "basiert auf eine wahren Begebenheit". Ich möchte aber was machen, was nicht wahr ist, etwas, das fantasievoll ist. Mir doch egal, ob etwas auf einer wahren Begebenheit beruht.

In "All My Loving" spielen Sie eines von drei Geschwistern, die alle mit ihrem Leben nicht zurechtkommen. Ist das eine Familiengeschichte oder eine, die auch etwas über die Gesellschaft erzählt?

Lars Eidinger zu Gast bei Tietjen talkt © NDR 2 Foto: Andreas Sorgenfrey

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Lars Eidinger hätte auch Tennis-Profi werden können, so besessen wie er trainiert hat. Als die Schauspielschule ihn wollte, war sofort Schluss damit.

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Eidinger: Film hat immer was mit Gesellschaft zu tun. Mir fällt in diesem Kontext auf, dass man immer davon ausgeht, dass Eltern in der Erziehung alles richtig machen. Stimmt ja gar nicht. Eltern machen auch mal ganz viel falsch. In "All My Loving" sieht man auch die Eltern der Geschwister, die viel falsch gemacht haben. Das kann eine Ursache der Probleme der Kinder sein.

Sie scheinen derzeit beruflich gar keine Probleme zu haben. Mit "25 km/h" haben Sie kürzlich die Hauptrolle in einem großen Erfolg gespielt und für Kultregisseur Tim Burton standen Sie in "Dumbo" vor der Kamera. Haben Sie jetzt eigentlich Erfolgsdruck? 

Eidinger: Ich kann es gerade total genießen. Egal ob Film oder Theater. Früher habe ich oft strategisch gedacht: "Wenn ich den Film mache, dann krieg' ich da hinterher ein super Angebot." Im Moment habe ich das Gefühl, ich kann den Moment und meine Situation genießen.

Das Interview führte Danny Marques Marcalo

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NDR Info | Kultur | 23.05.2019 | 06:55 Uhr

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