Eine Frau steht mit einer Kaffeetasse in der Hand vor einer Wand mit Fots älterer Menschen © Netflix

"I Care A Lot": Satire über das amerikanische Gesundheitssystem

Stand: 10.03.2021 12:30 Uhr

Der Film "I Care A Lot" lebt von der tückischen Altenbetreuerin Marla Grayson, die von Rosamunde Pike gespielt wird. Pike erhielt dafür den Golden Globe als beste Hauptdarstellerin.

von Katja Nicodemus

Macht es nicht unbändigen Spaß, Schauspielerinnen und Schauspielern dabei zu zusehen, wie sie richtig fiese Typen spielen? Zumal, wenn sie dabei so viel Spaß haben wie Rosamunde Pike? In J Blakesons Film "I Care A Lot" passt kein Milimeter zwischen Pike und ihre Figur der skrupellosen Marla Grayson. Grayson hat sich in das amerikanische Gesundheitssystem eingewoben wie eine Spinne. In ihrem Netz saugt sie reiche alte Menschen aus, deren Angehörige sich angeblich nicht mehr um sie kümmern können. Marla übernimmt die Vormundschaft und überführt das Vermögen ihrer Schützlinge Zug um Zug auf ihr eigenes Konto.

Ihre Verbündeten sind: eine geldgierige Ärztin (die Marlas Betreuten Demenz attestiert), ein Heimleiter (der Marla gegen Geld Zimmer für ihre Betreuten zuschachert) und ein begriffsstutziger Richter (der von Marlas selbstlosem Auftreten beeindruckt ist).

"I Care A Lot": Ein Film, der unterhalten will

Pikes eiskalter Blick, ihre fürsorgliche Fassade, die Eleganz mit der sie ihr Bereicherungswerk betreibt und danach mit dem weißen SUV zurück in ihre Designerwohnung fährt, bestechen im wahrsten Sinne des Wortes. In ihrer dekorativen Oberflächlichkeit, ihrer völlig unpsychologischen Skrupellosigkeit erinnert Rosamunde Pike streckenweise an eine poppige Comicfigur. Und der Regisseur J Blakeson ist auch kein bisschen an Psychologie oder tieferen Motiven interessiert. Er will unterhalten. Und er will Action: indem er Marla ein etwa 70-jähriges Hindernis in den Weg stellt, gespielt von der großen amerikanischen Schauspielerin Dianne Wiest.

Exzentrische Begegnung zwischen Mafiaboss und Betrügerin

Das eigentliche Hindernis ist allerdings nicht Mrs Jennifer Peterson, sondern ihr Sohn, der Mafiaboss Roman, gespielt von Peter Dinklage. Der Gangster sieht keineswegs ein, dass er über seine Mutter um einen Teil seines Vermögens gebracht werden soll. Zunächst hetzt er Marla seinen schmierigen Anwalt auf den Hals. Doch Marla lässt sich nicht einschüchtern, und so beginnt der Krieg zwischen den beiden Kriminellen. Man weiß nicht, wer schlimmer ist: Der Mafiaboss oder die mafiöse Manipulatorin des amerikanischen Gesundheitssystems.

Je brutaler und unappetitlicher der Kampf der beiden wird, desto austauschbarer werden die Szenen - befinden wir uns in einer Komödie oder in einem harten Thriller? Wirklich unterhaltsam ist "I Care a Lot" solange der Film eine schwarzhumorige Oberflächlichkeit wahrt, solange er comichafte Satire ist. Denn Rosamunde Pike gelingt es als blondes kühles Abziehbild mit stechenden Augen eine wunderbar tiefgründige Bösartigkeit in ihre Szenen zu injizieren.

I Care A Lot

Genre:
Sozialsatire
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
Großbritannien, USA
Zusatzinfo:
mit Rosamunde Pike, Peter Dinklage, Dianne West
Regie:
J Blakeson
Länge:
118 Min.
FSK:
ab 12 Jahren

Dieses Thema im Programm:

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