Stand: 09.06.2019 13:00 Uhr

Horrorkomödie mit Bill Murray und Adam Driver

The Dead Don't Die
, Regie: Jim Jarmusch
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Der amerikanische Autorenfilmer Jim Jarmusch hat sich schon immer gern an den verschiedensten Filmgenres ausprobiert. Er hat Western wie "Dead Man" gedreht oder auch "Ghost Dog", einen Film mit einem schwarzen Samurai. Sein letztes Werk "Only Lovers Left Alive" war ein Vampirfilm - und nun ist der Zombie-Film an der Reihe. "The Dead Don't Die" lief auf den Filmfestspielen von Cannes und kommt jetzt in die Kinos.

Es ist wirklich schlimm, wenn Zombies tun, was sie im Kino meistens tun: Wenn sie mit ungelenken Bewegungen über ihre menschlichen Opfer herfallen und ihnen die Gedärme aus dem Leib fressen. Jim Jarmuschs Film "The Dead Don't Die" spielt in dem Provinzstädtchen Centerville, einem uramerikanischen Ort vermeintlicher Beschaulichkeit.

Etwas Merkwürdiges geschieht in Centerville

Hier schieben zwei Polizisten ihren routinierten Dienst im Streifenwagen, auf der immer gleichen Route zwischen Polizeistation, Schule, Gefängnis, Tankstelle und Bestattungsinstitut. In lakonischen Dialogen stellen Beamte, gespielt von Adam Driver und Bill Murray, zu Beginn des Films fest, dass es in Centerville nicht mehr dunkel wird.

Bild vergrößern
Farmer Miller (Steve Buscemi) ist ein Rassist.

Centerville, das wird schnell klar, ist eine Metapher für die USA. Hier flirtet der coole schwarze Gast mit der Bedienung des Diners. Hier wird die Tankstelle von einem liebenswerten Nerd geführt. Hier trägt der von Steve Buscemi dargestellte rassistische Farmer ein Basecap mit dem Schriftzug "Make America White Again". Und im nahen Wald lebt ein alter Mann und Trapper, gespielt von Tom Waits, der das Treiben der Kleinstädter mit dem Fernglas beobachtet.  

Metapher für alles, was in den USA schiefläuft

Centerville, das wird ebenfalls schnell klar, ist auch eine Metapher für das, was in den USA schiefläuft. Im Radio laufen Nachrichten über die umweltschädliche Energiegewinnung des Frackings, die angeblich gar nicht umweltschädlich sei. Und mittendrin sind eben die aufrechten Cops, denen nicht viel anderes übrigbleibt, als sich zu wundern: über verstümmelte Leichen, über offene Gräber, über die Natur, die aus dem Lot geraten ist.

Die These von "The Dead Don't Die": Weil die Erde durch Fracking aus dem Gleichgewicht gebracht wurde, kriechen die Toten aus ihren Gräbern. Immer mehr Zombies torkeln durch die Straßen von Centerville. Weil sie auch schon Zombiefilme gesehen haben, wissen die Einwohner sich zu wehren. Zumindest eine Weile. Doch bald scheinen die Polizisten die einzigen Überlebenden zu sein.

Bild vergrößern
Tote steigen aus ihren Gräbern.

Jedenfalls neben Tilda Swinton in der Rolle einer skurrilen Bestatterin, die sich der Untoten mit einem Samurai-Schwert erwehrt. Aber auch ein Zombie-Film braucht eine Idee hinter der Apokalypse. Diese Idee fehlt Jim Jarmusch. So ruht sich der Autorenfilmer auf lakonischen Dialogen aus, deren Langsamkeit ein wenig ausgestellt wirkt.

Ein selbstverliebter Film mit wenig Tiefgang

Letztlich ist "The Dead Don't Die" ein selbstverliebter Film. Jim Jarmusch zitiert sein eigenes Filmuniversum, lässt alte Bekannte auftreten und spielt mit allerlei Referenzen aus der Popkultur. Zunächst mag es noch ganz lustig sein, wenn die Zombies in diesem Film nach dem verlangen, was sie auch als Menschen mochten. Etwa nach Chardonnay oder Kaffee. Aber anders als in früheren Jarmusch-Filmen versanden die Running Gags und Insider-Witze.

Über allem liegt die Botschaft, dass Konsumgier und Rücksichtslosigkeit der Menschen die Zombie-Invasion ausgelöst haben. Der Untergang als Strafe für den Zustand der Vereinigten Staaten. Aber der amerikanische Untergang allein, das ist vielleicht das einzig Tröstliche an diesem Film, ist auch nicht abendfüllend.

The Dead Don't Die

Genre:
Horrokomödie
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Bill Murray, Adam Driver, Tilda Swinton
Regie:
Jim Jarmusch
Länge:
105 Min.
FSK:
ab 16 Jahre
Kinostart:
13. Juni 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 13.06.2019 | 07:20 Uhr

Weitere Kinoneustarts der Woche

Romanverfilmung: Metamorphose einer Hausfrau

Die Filmkomödie "Britt-Marie war hier" ist ein charmantes Frauenporträt: Eine 63-jährige Hausfrau verlässt ihren untreuen Ehemann und betreut Kinder mit Migrationshintergrund. mehr

Die neuen "Men in Black" kommen ins Kino

Chris Hemsworth und Tessa Thompson spielen die neuen Agenten im Kampf gegen Außerirdische. "Men in Black: International" ist Kino mit gehobenem Gag- und Action-Niveau. mehr

Weitere Kinohighlights

13 Filme, die Sie ab Sommer im Kino sehen sollten

Diesen Sommer kommt der neue "König der Löwen" ins Kino. Danach folgt Quentin Tarantinos neunter Film, ein Wiedersehen mit der "Eiskönigin", den "3 Engeln für Charlie" und mit "Star Wars". mehr

Mehr Kultur

04:36
Kulturjournal
05:08
Kulturjournal