Szene mit Gal Gadot als Diana in "Wonder Woman 1984" von Patty Jenkins ©  2018 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC Foto: Clay Enos / DC Comics

Hollywood: Wie Kinos in den USA unter der Corona-Krise leiden

Stand: 19.11.2020 09:47 Uhr

Viele US-Kinos stehen vor der Pleite: 2020 ist durch die Corona-Krise ein absolutes Verlustgeschäft. Die Kinobetreiber haben sich mehrfach an den Kongress gewandt, um Hilfsgelder zu beantragen.

von ARD-Korrespondentin Katharina Wilhelm aus Los Angeles

Die Aussichten für Kinobetreiber sind schlecht: Hits wurden aus dem Programm genommen, die Auflagen, um Publikum in die Säle zu lassen, sind streng - wenn sie denn überhaupt öffnen dürfen. Die Befürchtung: Viele Kinos werden 2020 nicht überleben. An diesem Donnerstag startet der Martial-Arts-Film "Jiu Jitsu" in den amerikanischen Kinos - ein ziemlich Action-beladener Kampffilm mit Nicolas Cage und Frank Grillo. Es geht um Außerirdische, die mittels asiatischer Kampfkunst besiegt werden müssen - solides Popcornkino für Actionfilmfans.

Kein Oscarpreisträger vielleicht aber immerhin einer der wenigen Filme, die derzeit überhaupt ins Kino gelangen. Doch es ist fraglich, ob er von vielen Menschen gesehen wird, sagt auch dessen Regisseur Dimitri Logothetis im ARD-Interview: "Das ist die Schlüsselfrage: Können die Menschen ins Kino gehen? Ich drehe alle meine Filme mit der Vorstellung im Kopf, dass sie erst einmal im Kino landen."

Viele Kinos in den USA noch oder wieder geschlossen

Doch die Realität ist: Viele Kinos in den USA sind noch immer oder wieder geschlossen. Das ist nicht nur für das Kinopublikum beklagenswert, sondern ein finanzielles Desaster vor allem für die großen Studios, weiß auch Regisseur Logothetis: "Das größte Problem für die Studios ist: Wenn sie einen Blockbuster für 200 oder 300 Millionen US-Dollar drehen - so viel kosten die Filme mittlerweile - hängen deren Einnahmen immer noch viel an den Kinos. Und die Milliarden-Einnahmen an den Kinokassen wird es in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht geben."

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Aus diesem Grund wurden Blockbuster wie der neue James-Bond-Film "Keine Zeit zu sterben", der Marvel-Action-Streifen "Black Widow" oder jüngst die Neuverfilmung des Science-Fiction-Films "Dune - Der Wüstenplanet" ins kommende Jahr verschoben. Dann hofft man auf mehr geöffnete Kinos und höhere Einnahmen.

Wiederaufnahme der US-Dreharbeiten unter strengen Auflagen

Seit dem frühen Herbst hat die "Traumfabrik" wieder angefangen, Filme zu drehen - unter strengen Auflagen. Schauspieler müssen zum Teil selbst Hand anlegen, ihre Mikrofone verkabeln, Make-Up und Styling werden auf ein Minimum reduziert. Dazu kommt, dass Filmcrews in mindestens zwei Teams eingeteilt werden, die sich aus dem Weg gehen. Und dann wird natürlich regelmäßig getestet – dafür gibt es mobile Labore an Sets und auf den Studiogeländen.

Und trotzdem kommt es immer wieder zu Infektionen. Beispielsweise am Set des neuen "Batman"-Films von Matt Reeves - da war Hauptdarsteller Robert Pattinson selbst an Covid-19 erkrankt. Das Problem: Die Dreharbeiten müssen zwangsweise lange pausieren, die Crew drumherum in Quarantäne. Das ist kostspielig und nervenaufreibend.

"Wonder Woman 1984" zu Weihnachten im Kino

Wenig planbar scheint dieses Kinojahr 2020 zu sein - und auch auf die letzten Meter ist ungewiss, ob rund um das sonst so wichtige Weihnachtsgeschäft klassische Familien und Blockbusterfilme laufen werden.

VORSCHAU: Trailer: "Wonder Woman 1984" (2 Min)

Für die Comic-Verfilmung "Wonder Woman 1984" wurde nach langem Hin und Her ein Mittelweg gefunden. Es bleibt beim US-Kinostart an Weihnachten, doch gleichzeitig erscheint der Film auf der Streaminglattform HBO Max. Das wiederum ist ein riesiges Problem für alle Kinobetreiber, denn die Coronaviruskrise hat den Trend zum Streamen ohnehin verstärkt.

Hilferuf: Kinobetreiber bitten um 15 Milliarden Dollar Hilfe

Die Vereinigung der Kinobetreiber in den USA hat sich bereits an den amerikanischen Kongress gewandt - mit der Bitte um 15 Milliarden US-Dollar an Hilfen für ihre Industrie. Die Sorge ist, dass sie das Jahr 2020 nicht überleben, wenn es weitergeht wie bisher. In mehrfacher Hinsicht wächst der Druck auf die Lichtspielhäuser: Entweder verdienen sie durch Schließungen kein Geld, es sind keine Filme da, die das Publikum anlocken - und die großen Studios drängen darauf, Vereinbarungen zu ändern, wonach die Kinos das exklusive Vorführrecht nur noch für wenige Wochen haben.

Universal hatte bereits mit der weltweit größten Kinokette AMC einen entsprechenden Deal abgeschlossen, nun kommt auch noch Cinemark dazu. Beide Kinounternehmen haben zugestimmt, dass sie Filme von Universal nur noch rund zwei Wochen exklusiv zeigen können, danach kann das Studio die Filme beispielsweise als Video on Demand anbieten. Von solchen Entwicklungen ist Regisseur Dimitri Logothetis nicht begeistert: "Man ist überrascht, wie wenig Menschen auf der Welt dann doch keinen Zugang zu Downloads und Streaming haben - diese Leute gehen ins Kino." Wann und wie sein Film "Jiu Jitsu" in die deutschen Kinos kommt, ist übrigens noch unklar.

Film mit Helena Zengel und Tom Hanks nur auf Streaming

Sehr wahrscheinlich ist, dass der nächste Film mit der Hauptdarstellerin des Hamburger Erfolgsfilms "Systemsprenger", Helena Zengel, wohl in Deutschland im Frühjahr nicht ins Kino kommt. Die 12-Jährige hat 2020 einen Western mit Tom Hanks in den USA gedreht. Vor kurzem wurde bekannt, dass der Film "Neues aus der Welt" in den Vereinigten Staaten nur kurz ins Kino kommt - und weltweit daher wohl direkt beim Streaming-Gigant Netflix erscheint.

Nora Fingscheidts neuer Film mit Sandra Bullock abgedreht

Zengels "Systemsprenger"-Autorin und Regisseurin Nora Fingscheidt hat ebenfalls ihren nächsten Film in Hollywood gedreht. Die noch unbetitelte deutsch-amerikanisch-britische Produktion mit Sandra Bullock in der Hauptrolle ist nach Brancheninformationen in der Postproduktionsphase.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 19.11.2020 | 06:20 Uhr

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