Sendedatum: 09.01.2013 06:40 Uhr

Hannah Arendt

von Bettina Peulecke

Margarethe von Trotta inszeniert gerne Filme über bedeutende Frauen. Schon in ihren Biografien über "Rosa Luxemburg" und "Hildegard von Bingen" verkörperte die Schauspielerin Barbara Sukowa diese Ausnahmefrauen. Jetzt schlüpfte sie erneut in einer solche Rolle für die Regisseurin und verkörpert eine der bedeutendsten Philosophinnen des 20. Jahrhunderts in "Hannah Arendt".

Porträt einer außergewöhnlichen Persönlichkeit

Wie immer hat Margarethe von Trotta sich sehr sorgfältig auf ihr Thema vorbereitet.

Wenn es um historische Frauenfiguren geht, ist sie streng. So streng, wie Hannah Arendt es selbst war. Fast zehn Jahre lang hat die Regisseurin versucht die Übereinstimmungen oder Unterschiede zwischen der öffentlichen Person und streitbaren Philosophin Hannah Arendt und der Privatperson auszuloten. Es ist ihr gelungen. Ihr Film zeigt ein ausgewogenes Porträt einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, kongenial verkörpert von Barbara Sukowa.

Hannah Arendt berichtete für die Zeitschrift "The New Yorker" von dem Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem. Sie sah Eichmann zwar als Mörder nicht aber als Monster, was viele ihrer Kollegen nicht verstanden.

Hannah Arendt prägte den Begriff der "Banalität des Bösen". Für sie war Eichmann ein gedankenloser Bürokrat, der ohne verbrecherische Motive den Tod von gut sechs Millionen Juden mitzuverantworten hatte.

Neben ihrer Autorentätigkeit lehrte die streitbare Philosophin und behandelte auch in ihren Vorlesungen immer wieder ihre Thesen.

Philosophie ist keine Elfenbeinturm-Wissenschaft

Wer bisher dachte, Philosophie wäre eine vergleichbar sinnlose Beschäftigung einer kleinen Elfenbeinturm-Elite, wird durch "Hannah Arend" eines Besseren belehrt.

Hier bekommen Thesen, die längst in die Realität unserer politischen Debatte übergegangen sind, ein Gesicht. Auf dem Gesicht von Barbara Sukowa spiegelt sich die ganze Bandbreite einer überaus analytischen, bewusst provozierenden aber auch sehr sinnlichen und verletzlichen Persönlichkeit. Wer es vorher nicht glauben wollte, hier kann man sehen, was Denken bewirken kann.

Arendts Thesen nahmen ihr Viele übel. Sie wurde beschimpft, bedroht und manche Wegbegleiter kündigten ihr gar die Freundschaft. Überaus einfühlsam hingegen geht der Film mit seinen Figuren um. Was bleibt ist das Bild einer beeindruckenden Frau. "Hannah Arendt" ist keine leichte Kost. Doch auch, wer sich vorher nicht schon mit Kant oder Heidegger beschäftigt hat, kommt voll auf seine Kosten.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 09.01.2013 | 06:40 Uhr

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