Ein Buckelwal schwimmt im Animationsfilm "Der letzte Sänger der Wale" durch den Ozean © Telescope Animation Studios

Hamburg: Neues Animations-Filmstudio produziert Wal-Film

Stand: 16.12.2020 14:12 Uhr

In Hamburg gibt es ein neues Animations-Filmstudio von Maite Woköck und Reza Memari. Ihr erstes Projekt "Der letzte Sänger der Wale" mit Jella Haase als Synchronstimme erhält 600.000 Euro Fördersumme aus Hamburg.

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von Patricia Batlle

Der Regisseur und Autor Reza Memari und die Produzentin Maite Woköck haben in Hamburg die Telescope Animation Studios gegründet. Für ihren ersten Film "Der letzte Sänger der Wale" haben sie im Dezember 600.000 Euro Fördersumme von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein bewilligt bekommen. Woköck ist ein alter Hase in der Hamburger Kino- und Animationsszene. Seit fast 20 Jahren arbeitet die Produzentin im Realfilm und im Animationsbereich.

Die Hamburger Produzentin Maite Woköck © Telescope Animation Studios Foto: Lena Jürgensen
Die Hamburger Produzentin Maite Woköck hat für ihr jüngstes Animations-Filmprojekt Stars wie Justus von Dohnány, Jella Haase und Nina Hoss gewinnen können.

Sie hat bereits mehrere Independent-Animations-Spielfilme wie "Ooops, die Arche ist weg" und "Niko - ein Rentier hebt ab" betreut. Dieses Genre ist seit Jahren und - gerade jetzt in der Corona-Pandemie - eines der erfolgreichsten Kino-Exportprodukte ins Ausland, wie im November auch das Fachblatt "Hollywood-Reporter" berichtete. Woköck bestätigt das: "Wir stellen unsere Animationsfilme für den internationalen Markt her. Wir haben natürlich den deutschen, aber auch immer den internationalen Markt mit im Blick."

"Der letzte Sänger der Wale" - Hamburger Produktion aus neuem Studio

Ein großer Vorteil ist: Dem Film ist nicht anzusehen, für welchen Markt er gemacht ist - und allein schon aus Finanzierungsgründen wird er zunächst auf Englisch produziert. Woköck erzählt, worum es nun im Projekt geht: "Der Film 'Der letzte Sänger der Wale' handelt von einem jugendlichen Buckelwal. Vincent soll seinen Vater als Sänger der Wale beerben. Diese sind Wale, die ein magisches Lied singen und dadurch die Ozeane und ihre Meeresbewohner heilen können". Leider nur hat Vincent der Teenie-Buckelwal sein eigenes Lied noch nicht gefunden, als sein Vater stirbt. Nun macht er sich auf die Suche danach in den Tiefen der Ozeane - in denen sich ein Ungeheuer herumtreibt.

Deutscher Animationsfilm: Erfolgreiches Exportprodukt

Szene aus dem Film "Überflieger - Kleine Vögel, großes Geklapper" © Wildbunch
In dem Trickfilm vom Animations-Studio Ulysses aus Hamburg-Altona "Überflieger - Kleine Vögel, großes Geklapper" geht es um den Spatz Richard, der von Störchen aufgezogen wird.

An so einem Film wird mindestens zwei Jahre gearbeitet, erzählt Woköck. Auch ihr Co-Geschäftsführer Reza Memari kennt sich hervorragend auf dem Animationsgebiet aus: "Reza Memaris letzter Film 'Der Überflieger - kleine Vögel, großes Geplapper' ist in über 190 Territorien verkauft worden". Der Film sei in einigen dieser Länder sogar unter den fünf meist gesehenen Filme des Jahres gewesen, etwa in Frankreich, so Woköck. Das zeigen auch die Zahlen von "German Films". Demzufolge bildete 2018 der Anteil der deutschen (Ko-)Produktionen aus dem Animationsbereich rund 41 Prozent aller ins Ausland verkauften Filme. Dazu gehörten neben "Überflieger" auch "Biene Maja - die Honigspiele" auch "Der kleine Vampir".

Neben diesem ersten gemeinsamen Kinoprojekt soll parallel ein Computer-Spiel und später eine gleichnamige Fernsehserie entstehen. Sie seien bereits mit einem Sender im Gespräch, sagt Woköck. Zunächst soll das Spiel herauskommen, dann der Animationsfilm und später die Fernsehserie.

Jella Haase, Nina Hoss und Benno Fürmann für die Tierstimmen

Ein Buckelwal schwimmt im Animationsfilm "Der letzte Sänger der Wale" durch den Ozean © Telescope Animation Studios
So sieht der Teenie-Buckelwal Vincent in "Der letzte Sänger der Wale" aus. Der Film wird mindestens zwei Jahre lang produziert.

Der Sprecher für die Hauptrolle steht zwar noch nicht fest - dafür aber die Stars für alle weiteren wichtigen Sprechrollen: "Wir haben als Vincents beste Freundin die wunderbare Schauspielerin Jella Haase gewinnen können, die das toughe Orca-Mädchen Daria spielt. Vincents Eltern werden gesprochen von Benno Fürman und Nina Hoss. Und für Percy, das ist der Putzerfisch von Vincent, haben wir Justus von Dohnány gewinnen können", erzählt Woköck.

Unreal-Engine-Software aus dem Gamer-Bereich

Wenn die internationale Finanzierung erst einmal gesichert ist, geht es nächstes Jahr mit der Produktion los. Vor 2024 kommt der Film, der sich an Kinder ab sechs und die ganze Familie richtet, nicht in die Kinos.

Das Besondere an diesem Projekt: Es nutzt eine Software, die eigentlich aus dem Gamer-Bereich kommt - aber mittlerweile Kino-Qualität hervorbringen kann. So kann Vincent der Wal gleichzeitig für Kinofilm, Serie und Computerspiel animiert werden. "Wir sind mit diesem Projekt Teil von der Förderinitiative 'der besondere Kinderfilm'. Als solche haben wir uns sehr gefreut, dass Hamburg so viel Lust hat, mit uns diesen technisch sehr neuen Weg zu gehen; dass sie sofort das Potenzial erkannt haben, das dahinter steckt, das Projekt mögen und uns wirklich mit offenen Armen hier empfangen haben", freut sich Produzentin Woköck.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 16.12.2020 | 19:00 Uhr

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