Filmszene: "The Day After" © picture alliance / United Archives | United Archives / kpa Publicity

Für Hartbesaitete: Katastrophenfilme in der Pandemie

Stand: 14.07.2021 13:57 Uhr

Während der Pandemie haben Katastrophenfilme Hochkonjunktur. Wir stellen Ihnen ein paar schrecklich schöne Beispiele vor.

von Walli Müller

Nie haben sich Katastrophenfilme besser verkauft als zu Beginn der Corona-Pandemie. Das muss was Psychologisches sein: Wenn die Welt aus den Fugen gerät, sucht der Mensch offenbar Trost in noch schlimmeren Katastrophen-Szenarien. Ein Virus? Ist ja zum Glück keine Zombie-Invasion. Und auch Meteoriten-Brocken wären nun wirklich übler …

"Greenland" - ein Untergangsszenario mit Gerard Butler - war tatsächlich einer der wenigen Kino-Sommerhits im Corona-Jahr 2020. Sehr viel gruseliger zu dieser Zeit: Steven Soderberghs Viren-Thriller "Contagion" von 2011, der in den Heimkino-Charts noch einmal ganz nach oben kletterte.

Wie Corona - nur krasser und mit Gwyneth Paltrow

Gerard Butler (2.v.l.) als John Garrity, Morena Baccarin als Allison Garrity und Roger Dale Floyd als Sohn Nathan Garrity in einer Szene des Films "Greenland" (undatierte Filmszene). © picture alliance/dpa/TOBIS Film GmbH | Daniel Mcfadden
Alle Hände voll zu tun: Gerard Butler in "Greenland".

Der Film entpuppt sich im Nachhinein als geradezu hellseherisch. Wie Gwyneth Paltrow da als Super-Spreaderin das Virus in Umlauf bringt und Gesundheitsbehörden sich um Kontaktnachverfolgung bemühen - kommt einem plötzlich gespenstisch bekannt vor. Wer hier einmal hustet, ist so gut wie tot.

Wie viel angenehmer sind da Vulkanausbrüche oder Erdbeben im Kino - wenn man nicht gerade nah am Sankt-Andreas-Graben wohnt … Oder eine hübsche Alien-Invasion wie in "Independence Day".

Ein unglaublicher Trash! Aber eben verdammt gut gemacht von Roland Emmerich, dem deutschen Master of Desaster in Hollywood. Er hat den Dreh raus: Man muss, um die Leute bei Laune zu halten, maßlos übertreiben. Denn nur, wer sich nicht direkt betroffen fühlt, kann eine gewisse Freude an seinen gigantischen Zerstörungs-Orgien entwickeln.

Auch hoch im Kurs: Naturkatastrophen

Ob eine Sonneneruption die Erde zu vernichten droht wie in "2012" oder die Klima-bedingte Flut-Katastrophe kommt wie in "The Day after Tomorrow" - immer gibt es einen Helden, der die Vorzeichen richtig deutet, aber nicht ernst genommen wird.

Und immer gilt es dann, wenigstens die eigene Familie noch zu retten - während Milliarden andere Erdbewohner leider in den Abgrund stürzen …

Die Titanic grüßt aus der Gruft

Filmszene: "Titanic" © picture-alliance / dpa | ipol code 1590 20th Century Fox
Am besten mit Wärmflasche gucken: "Titanic".

Der Denkanstoß, den so ein Film gibt, hält maximal vom Kino bis zur eigenen Haustür. Das ist ganz anders, wenn die Bedrohung im Kino einer realen entspricht. Wer in den 80er-Jahren in "The Day After" die Atom-Katastrophe miterlebt hat, kann die Schreckens-Bilder heute noch abrufen. Und natürlich ist auch am Untergang der "Titanic" nichts romantisch - ab dem Zeitpunkt, an dem die historische Tragödie ihren Lauf nimmt.

Warum wir uns freiwillig Filme anschauen, deren böses Ende wir schon kennen? Eine Mischung aus Voyeurismus und Verarbeitung eigener Ängste, sagen Expertinnen und Experten. Es entlastet, wenn wackere Film-Helden oder -Heldinnen in aussichtsloser Situation das Handeln übernehmen.

Um das Katastrophen-Kino jedenfalls muss man sich keine Sorgen machen. Es wird überleben!

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 13.07.2021 | 07:55 Uhr

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