Stand: 28.05.2019 11:52 Uhr

"Roads" - Roadmovie von Sebastian Schipper

Roads
, Regie: Sebastian Schipper
Vorgestellt von Krischan Koch

Mit seinem Film "Victoria" machte der Schauspieler und Regisseur Sebastian Schipper vor vier Jahren Furore. Der in einer Einstellung gedrehte Film über eine Berliner Nacht nach einem Bankraub gewann unzählige Preise. Jetzt hat Schipper wieder ein Roadmovie gedreht über zwei 18-Jährige auf einer Odyssee durch halb Europa: "Roads".

Zwei Jugendliche reisen spontan durch halb Europa

Der 18-jährige Gyllen hat die Nase voll vom Familienurlaub in Marokko. Er will einfach nur weg und klaut spontan das Wohnmobil seines Stiefvaters. Auf dem nächtlichen Parkplatz trifft der junge Engländer den gleichaltrigen William aus dem Kongo.

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Luttger (Moritz Bleibtreu) schleust die Jungs über die Grenzen.

Ohne Führerschein und ohne Papiere machen sich die beiden Jungen von Marokko auf nach Europa. Gyllen (gespielt von Fionn Whitehead, dem Shootingstar aus dem Kriegsfilm "Dunkirk") will zu seinem leiblichen Vater nach Frankreich. Und William ist auf der Suche nach seinem großen Bruder, der von Calais aus nach England will.

Ein abgehalfterter Althippie (Moritz Bleibtreu) schleust sie über die Grenze nach Europa und klaut ihnen zwischenzeitlich den Camper, den sie sich aber sofort zurückholen. Auf der anschließenden Fahrt durch ganz Spanien und Frankreich kommen sich die Jungen aus unterschiedlichen Welten näher und sprechen über ihre Träume und Ängste.   

Konfrontation mit der Flüchtlingsproblematik

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Für William und Gyllen kommt es zu einer brenzligen Situation.

Auf der abenteuerlichen Reise werden die Jugendlichen mit der politischen Realität konfrontiert. Ihr Weg liegt auf der Route vieler afrikanischer Flüchtlinge nach Europa. Der Film zeigt die rigiden Kontrollen an der europäischen Außengrenze und die berüchtigten Flüchtlingslager in Calais.

Dabei hatte Regisseur Sebastian Schipper die Flüchtlingsproblematik zunächst gar nicht im Blick. Er sagt: "Für mich geht es in erster Linie um zwei Freunde. Es geht darum, jung zu sein. Das heißt für mich, dass man die Welt anguckt und ganz klar und einfach entscheidet, was man richtig und falsch findet. Klar, die wollen auch kiffen und Mädels kennenlernen. Die sind jetzt nicht irgendwelche hochgradig moralischen Wesen. Sie sind auch unbedarft und naiv, aber in ihrer Meinung und ihrer Entscheidung, was zu machen ist, total klar."

Großartiges Spiel der beiden Hauptdarsteller

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Auf ihrem Weg nach Calais - Gyllen (Fionn Whitehead) und William (Stéphane Bak).

Die beiden Hauptdarsteller Stéphane Bak und Fionn Whitehead spielen das wunderbar lakonisch und gerade deshalb so anrührend. Ein schöner Dreh der Geschichte ist, dass der Afrikaner William sehr viel gefestigter wirkt als der naive Engländer. Gyllen bringt die beiden immer wieder in Schwierigkeiten, etwa wenn er auf der Straße rassistische Schläger provoziert.  

Sebastian Schipper vermeidet jeden politischen Zeigefinger. Sein Film lebt von wunderbar kargen Kamerafahrten über nächtliche Straßen, von ausgelassenen und bedrückenden Momenten und zwei jugendlichen Helden, die auf dieser Reise erwachsen werden. Das ist realistisch und poetisch zugleich, melancholisch und dann auch wieder hoffnungsvoll.

Roads

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Deutschland, Frankreich
Zusatzinfo:
mit Fionn Whitehead, Stéphane Bak, Moritz Bleibtreu
Regie:
Sebastian Schipper
Länge:
99 Min.
FSK:
ab 6 Jahre
Kinostart:
30. Mai 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 29.05.2019 | 06:40 Uhr

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