Stand: 16.05.2018 14:59 Uhr

Filmförderung in MV - wenig Geld, viel Potenzial

von Axel Seitz

Der Rostocker "Polizeiruf 110", "Der Usedom-Krimi" oder die "Soko Wismar" - gern schmückt sich die Politik, aber auch die Filmbranche selbst damit, wie schön und wie erfolgreich in Mecklenburg-Vorpommern Filme gedreht werden können. Doch Film sei nicht gleich Film, Fernsehen eben nicht Kino, merkt der Mecklenburger Dokumentarfilmer Dieter Schumann an: "Das Filmförderungsgesetz der Bundesrepublik schreibt vor, dass in allererster Linie Filmförderung für Kinofilme ausgegeben werden muss."

Filmemacher wollen Neuordnung der Filmförderung mitgestalten

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Die Dokumentation "Wildes Herz" um Sänger Jan "Monchi" Gorkow, den Sänger der Rostocker Punkband "Feine Sahne Fischfilet" feierte im April Premiere.

Im Herbst 2016 hatten sich SPD und CDU in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt, die Film- und Medienförderung des Landes zu stärken. In den vergangenen anderthalb Jahren wurden viel gesprochen und diskutiert, doch entscheidend vorangekommen sind die Beteiligten in Mecklenburg-Vorpommern nicht. Schumann verfolgt als stellvertretender Vorsitzender desProduzentenverbands im Land die Diskussionen um die Neuordnung der Filmförderung in Mecklenburg-Vorpommern und kritisiert, dass sein Verband nicht genug einbezogen wird: "Die Branche soll gestärkt werden und wer muss es umsetzen? Das müssen wir Filmemacher machen, deswegen gehören wir mit an den Tisch."

Streit um den Standort

Vordergründig geht es derzeit vor allem darum, wie zwei Standorte, die Filmlandgesellschaft in Schwerin und das Filmbüro in Wismar, zusammenfinden, betont der für die Gespräche zuständige Chef der Schweriner Staatskanzlei, Reinhard Meyer: "Am Ende des Tages wollen wir eine Gesellschaft haben, die die verschiedenen Aufgaben bündelt. Davon versprechen wir uns eine schlagkräftigere Filmförderung, als wir sie derzeit in Mecklenburg-Vorpommern haben. Wir werden nicht das ganz große Filmland sein, aber wir müssen die Mittel, die wir haben, bündeln."

Die FilmLand M-V gGmbH

Die FilmLand M-V gGmbH wurde 2006 gegründet und soll im Auftrag der Landesregierung mit Filmschaffenden zusammenarbeiten. Ziel ist dabei, das Auftreten der Dachmarke FilmLand M-V landes- und bundesweit zu koordinieren. Die Gesellschaft berät und unterstützt hierzulande Filmteams und richtet das Flimkunstfest MV in Schwerin aus.

Beide Standorte setzen derzeit auf ihre jeweiligen Vorteile. Wismar verfügt über eine Immobilie, die der Filmwirtschaft zur Verfügung steht. In Schwerin hingegen ist mit der Filmland gGmbH bereits eine Gesellschaft gegründet worden. Und eben eine GmbH soll die Trägerschaft für die neue Filmförderung in Mecklenburg-Vorpommern übernehmen, nur dann können sich - wie in anderen Bundesländern - auch öffentlich-rechtliche Sender an der Filmförderung beteiligen.

Fördermittel genügen nicht

Neben diesem Standortstreit geht es natürlich auch ums Geld, denn die jährliche Ausstattung der Filmförderung in Mecklenburg-Vorpommern ist mit etwas mehr als einer Million Euro überschaubar.

Laut der Kulturexpertin der Linksfraktion im Landtag, Eva-Maria Kröger, ist das deutlich zu wenig: "Die Vertreterinnen und Vertreter der Filmbranche wissen sehr gut, wie viel Potenzial es im Land gibt und was da noch abzuholen wäre, wenn man genug Mittel hätte. Ob das dann nun drei, vier, fünf oder zehn Millionen sind, da will ich nun auch nicht einfach in ein vollgefülltes Glas greifen. Aber klar ist, dass eine Million Euro, die jetzt auf dem Papier stehen, vorne und hinten nicht reicht."

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In Mecklenburg-Vorpommern entstehen sowohl Kino- als auch Fernsehproduktionen.

Ähnlich sieht es der Geschäftsführer der Filmland-Gesellschaft Volker Kufahl: "Die Landesregierung hat über den Strategiefonds des Landtags gerade einmal 250.000 Euro zusätzlich eingestellt. Auch die kulturelle Filmförderung ist mit 215.000 Euro sehr knapp und karg bemessen. Daran kann man schon erkennen, dass eine Neuaufstellung mit diesen Mitteln schwierig zu bewerkstelligen ist."

Weitere Gespräche werden folgen

In den kommenden Wochen wird es weitere Gespräche unter der Leitung von Staatskanzlei-Chef Reinhard Meyer geben. Er ist daran interessiert, beide Standorte zusammenzubringen: "Wir möchten sie zu einer Gesellschaft verschmelzen. Wenn dann am Ende ein oder zwei Standorte eine Rolle spielen, wird man auch das beurteilen müssen und die beste Lösung finden."

Spätestens 2019, hofft Meyer, soll Punkt 276 des Koalitionsvertrags von SPD und CDU abgearbeitet worden sein: die Stärkung der Film- und Medienförderung in Mecklenburg-Vorpommern.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 16.05.2018 | 19:05 Uhr

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