Stand: 04.12.2018 11:00 Uhr

"Widows" - Witwen auf Rachefeldzug

Widows - Tödliche Witwen
, Regie: Steve McQueen
Vorgestellt von Walli Müller

Mit "12 Years A Slave" hat der britische Regisseur Steve McQueen 2014 den Oscar in der Kategorie "Bester Film" gewonnen. Wer diesen schonungslosen Film über Sklaverei in den amerikanischen Südstaaten gesehen hat, wird ihn nie mehr vergessen. Nun liefert McQueen vermeintlich leichtere Kost mit dem Thriller "Widows - Tödliche Witwen". Aber auch der hat es in sich.

Elizabeth Debicki (l-r) als Alice, Viola Davis als Veronica, Michelle Rodriguez als Linda und Cynthia Erivo als Belle in einer Szene aus dem Thriller "Widows - Tödliche Witwen" von Steve McQueen ©  2018 Twentieth Century Fox

Trailer: "Widows - tödliche Witwen"

Im Thriller "Widows" von Steve McQueen spielen Viola Davis, Elizabeth Debicki, Michelle Rodriguez, Cynthia Erivo und Carrie Coon die Hauptrollen.

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Steve McQueen inszeniert Filme mit Tiefgang

Die Filme von Steve McQueen taten bisher immer weh - ob man in "Hunger" den Helden im Hungerstreik abmagern oder in "Shame" einen Porno-Süchtigen seelisch verwahrlosen sah. Ganz zu schweigen vom menschenverachtenden Umgang mit den Sklaven in "12 Years A Slave". Nun also ein "Thriller" - vier Frauen planen einen raffinierten Raubzug. Aber nicht wie die Mädels aus "Ocean's 8" aus reiner Coolness.

Sie tun es aus einer existenziellen Notlage heraus - wie die "Widows" aus der gleichnamigen britischen Fernseh-Serie, die sich McQueen zum Vorbild nahm: "Als ich die Serie mit 13 gesehen habe, hat mich fasziniert, dass diese vier Frauen zu etwas imstande waren, das ihnen nie einer zugetraut hätte. Da sah ich damals Parallelen zu mir selbst: ein schwarzer Junge in London - da haben andere auch nicht viel von mir erwartet."

Brutale Gangster setzen Veronica unter Druck

Die Heldinnen von "Widows" sind Veronica, Linda, Alice und Belle, die anfangs nur eines verbindet: Ihre Ehemänner sind bei einem Raubzug, von dem die Damen nichts ahnten, in die Luft geflogen und haben ihnen nichts als Schuldenberge hinterlassen. Da nützen Floskeln am Grab wenig.

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Politiker Jack Mulligan (Colin Farrell) spricht Veronica (Viola Davis) sein Beileid aus.

Zu Hause wartet auf die trauernde Witwe Veronica schon der Mann, dem ihr verblichener Gatte die Millionen gestohlen hat: der afroamerikanische Stadtratskandidat Jamal Manning, der mit dem Geld seinen Wahlkampf finanzieren wollte. Nun fordert er es von Veronica zurück - unter massiven Drohungen. Was bleibt ihr da anderes übrig als alle Witwen zusammenzutrommeln.

Viola Davis spielt eine der Hauptrollen

Die clevere Veronica, großartig gespielt von Oscar-Preisträgerin Viola Davis, hat auch schon einen Plan: Sie will das Geld Mannings Konkurrenten, dem weißem Stadtrats-Kandidaten Mulligan stehlen. Er gehört zum politischen Establishment Chicagos und hat die Summe in seiner Nobel-Villa herumliegen.

Großartige Charakter-Entwicklung

Wie die vier Frauen den Coup planen und durchziehen, das mag vielleicht nur mittelmäßig spannend sein. Was McQueens Film aber wirklich besonders macht, ist das, was sich im Hintergrund so alles abzeichnet: die sozialen Verhältnisse in Chicago, die kriminellen Machenschaften von Politikern, der immer schwelende Rassismus, der respektlose Umgang mit Frauen.

"Widows" ist viel mehr Charakter- und Milieu-Studie als Popcorn-Thriller. Hauptdarstellerin Viola Davis bringt es gut auf den Punkt: "Großartige Charakter-Entwicklung, spannende Intrigen und Action - es steckt alles drin, was ein Blockbuster-Film braucht, aber auch, was einen guten Independent-Film ausmacht. Also eine perfekte Kombi aus beidem."

Weil Steve McQueen seinen weiblichen Figuren mit so viel Achtung begegnet, ihre Persönlichkeiten so sehr wachsen lässt, könnte man den "Widows" stundenlang zuschauen.

Widows - Tödliche Witwen

Genre:
Thriller
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Großbritannien, USA
Zusatzinfo:
mit Viola Davis, Michelle Rodriguez, Elizabeth Debicki
Regie:
Steve McQueen
Länge:
129 Min.
FSK:
ab 16 Jahre
Kinostart:
6. Dezember 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 05.12.2018 | 06:40 Uhr

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