Stand: 13.09.2017 15:06 Uhr

"Mother!" - Aronofskys konfuser Horrorfilm

Mother!
, Regie: Darren Aronofsky
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Für seinen Film "Black Swan" über eine Balletttänzerin, die in eine Wahnwelt abdriftet, erhielt der amerikanische Regisseur Darren Aronofsky mehrere Oscar-Nominierungen, Natalie Portman gewann die Auszeichnung der besten Darstellerin. Sein Film "Mother!" beschäftigt sich mit einem ähnlichen Thema. Auf dem Festival von Venedig wurde "Mother!" in der vergangenen Woche ausgebuht.

Die von außen hereinbrechende Bedrohung, das Netz, das sich zusammen zieht, in Gestalt von Eindringlingen oder mathematischen Formeln - Darren Aronofsky hatte schon immer einen Hang zur filmischen Paranoia.

Innen-und Außenwelten verschmelzen

In seinen besten Produktionen wurden daraus Geschichten, deren Protagonisten gefangen sind in einer Vorstellungswelt, in der sich außen und innen nicht mehr unterscheiden lässt. Auch bei seinem neuen Film weiß man zunächst nicht so genau, welche Wirklichkeitsebene die Erzählung hat. Eigentlich scheint die Protagonistin, eine junge Frau glücklich mit ihrem Mann, einem Schriftsteller, in dessen malerischem alten Haus zu leben. Nach einem Brand wurde das Anwesen von ihr in Kleinarbeit wieder hergestellt.

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In "Mother" wird Jennifer Lawrence, als Partnerin des Dichters (Javier Bardem) von albtraumhaften Sequenezen heimgesucht.

Javier Bardem spielt den namenlosen Ehemann - der sich gar nicht einkriegt vor lauter Lob für seine Partnerin. Jennifer Lawrence, seine ebenfalls namenlose, deutlich jüngere Frau. Ist sie wirklich die Partnerin, die Gefährtin?

Eine seltsame Fremdheit scheint zwischen den beiden zu herrschen. Bei Umarmungen und Küssen zuckt er unmerklich zusammen. Irgendetwas scheint nicht zu stimmen, trotz aller Liebesbekundungen. Der Schriftsteller zieht sich von seiner Frau zurück, während sie seine Nähe, seine körperliche Berührung, die Geborgenheit sucht. Doch dann kommt plötzlich ein recht aufdringlicher Fremder unangemeldet zu Besuch. Gefolgt von seiner noch aufdringlicheren Frau. Vom Schriftsteller mit offenen Armen empfangen, nisten sich die beidem im Haus ein. Sie, gespielt von Michelle Pfeiffer, hat einen Hang zum Alkohol und indiskreten Fragen.

Einseitige Sicht

"Mother!" ist ganz aus der Perspektiver von Jennifer Lawrence' Figur erzählt. Der etwas monotone psychologische Mechanismus des Film sieht so aus: Während sie Zweisamkeit und Ruhe will, den Eindringlingen misstraut, heißt der Schriftsteller die Fremden als Fans und Bewunderer Willkommen. Das Schema wird sich nun unablässig wiederholen, auch in der Mikrostruktur der Dialoge.

Unheilvolle Eindringlinge

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Regisseur Darren Aronofsky benutzt Paranoia-Elemente, ähnlich wie schon in seinem Film "Black Swan".

Auch die Söhne des Besucherpaares kommen zu Besuch, ein tödlicher Unfall geschieht. Immer mehr Fremde dringen in das Haus ein, nehmen es unaufhaltsam in Besitz, beginnen es zu zerstören, erst versehentlich, dann mutwillig. Weitere unheimliche Zeichen treten auf. Ein Blutfleck will nicht von den Dielen weichen, in der Toilette findet sich eine blutige Masse, die wie ein menschliches Organ aussieht. In Wänden und Decken treten rötlich verschmierte Hohlräume auf.

"Na und?", möchte man sagen. In "Mother!" versammelt Aronofsky wie ein Besessener Metaphern, Motive, klassische Bilder des Paranoia-Kinos. Doch die wahnhafte Logik, die ein psychologischer Horror-Thriller braucht, fehlt seinem Film. "Mother!" ist wie ein Zettelkasten des Horrorfilms, wie eine Sammlung von Versatzstücken, die sich nicht zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Anders gesagt: Darren Aronofsky wedelt die ganze Zeit mit dem Besteck des Horrorfilms, den Braten schneidet er jedoch nicht an.

Mother!

Genre:
Thriller
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Jennifer Lawrence, Javier Bardem, Ed Harris, Michelle Pfeiffer, Brian Gleeson, Domhnall Gleeson, Kristen Wiig, Jovan Adepo
Regie:
Darren Aronofsky
Länge:
122 Min.
FSK:
FSK ab 16 Jahren
Kinostart:
14. Sept 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 13.09.2017 | 06:40 Uhr

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