Stand: 09.08.2017 11:02 Uhr

"Helle Nächte": Berührender Vater-Sohn-Film

Helle Nächte
, Regie: Thomas Arslan
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Auf der vergangenen Berlinale gewann der österreichische Schauspieler Georg Friedrich den Silbernen Bären des Besten Darstellers: Für seine Rolle eines Vaters in Thomas Arslans Film "Helle Nächte"einem ungewöhnlicher Vater-Sohn-Film, der seine Helden auf eine Reise durch Norwegen schickt.

Dies ist eine uralte Geschichte. Sie handelt von Eltern und Kindern, von Vätern und Söhnen. Von dem, was sie verbindet. Und in diesem Fall vor allem trennt. Dies ist auch eine gegenwärtige Geschichte, denn sie handelt von zwei höchst gegenwärtigen Helden: Michael, dem Bauingenieur und Luis, seinem Sohn, der nicht bei ihm aufgewachsen ist.

Annäherung in der Einsamkeit

Bild vergrößern
Bauingenieur Michael (Georg Friedrich) fährt mit Sohn Luis nach Norwegen, dem Ort, an dem sein kürzlich verstorbener Vater zuletzt lebte.

Gemeinsam begeben sie sich auf eine Reise, nach Norwegen, in das Land der hellen Nächte, das diesem Film seinen Titel gibt. In Norwegen, in der Einsamkeit eines abgelegenen Hauses, ist Michaels Vater gestorben, den er selbst kaum gekannt hat. Großvater, Vater, Enkel - ganz behutsam beginnt der Berliner Regisseur Thomas Arslan von einer Entfremdung zu erzählen, die sich von der einen Generation zu anderen fortsetzt - und die nun vielleicht durchbrochen wird.

Thomas Arslan ist ein Regisseur, der keine dramatischen Ereignisse, keine aufgemotzten Plots braucht. Lieber beobachtet er genau, folgt den Bewegungen seiner Helden. Und er verlässt sich auf seine Darsteller. In diesem Fall: Georg Friedrich und Tristan Göbel. Michael, der Vater, hat ein schlechtes Gewissen, weil er in den letzten Jahren nicht für Luis da war. Nun will er die Aussprache, das Kumpelgespräch, überrumpelt den Sohn mit väterlichem Interesse.

Der wiederum ist noch verschlossen, trägt den Schmerz des Verlassenen in sich. Es hat auch seine komischen Seiten, zu sehen, wie der Jüngere es dem Älteren nicht zu leicht machen will, wie er ihn immer wieder auflaufen lässt.

Gefühlschaos in Norwegens Weiten

Bild vergrößern
Luis (Tristan Göbel, rechts) der bisher kaum Kontakt zu seinem Vater hatte, steht ihm zunächst sehr abwehrend gegenüber.

Die weite Landschaft Norwegens, die urwüchsigen Wälder und sich mächtig auftürmenden Berge werden zum Raum dieses Vater-Sohn-Roadmovies. Das Auto wird zu einer Mischung aus Käfig, Druckkessel und Versuchslabor einer Beziehung. Denn letztlich erzählt dieser Film zwischen Fahren, Campen und Grillen am Lagerfeuer auch eine Art spannungsvolle Liebesgeschichte. Mit allem, was dazu gehört: Flirten, Werben, Umkreisen, Herantasten, Zurückgewiesen werden.

Kino im schönsten Sinne

Gemeinsam mit seinem Kamermann Reinhold Vorschneider hat Thomas Arslan einen ruhigen Rhythmus für seine Vater-Sohn-Geschichte gefunden. Wenige Schnitte, lange intensive Einstellungen, Bilder, die atmen können. "Helle Nächte" lässt seinen Helden den Raum, sich und einander zu finden, sich kennen zu lernen, sich aufeinander zuzubewegen.

Auch wenn erst einmal das Gegenteil der Fall zu sein scheint. Je länger die Kamera Vater und Sohn auf ihrer Reise durch Norwegen begleitet, desto klarer ist, dass es diese gemeinsame Bewegung und nicht das Ziel ist, wofür sich Thomas Arslan interessiert. Das ist dann tatsächlich Kino im schönsten Sinne: zwei Menschen, zwei Filmfiguren ein Stück des Weges zu begleiten und ihnen so immer näher zu kommen.

Helle Nächte

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Deutschland, Norwegen
Zusatzinfo:
mit Marie Leuenberger, Georg Friedrich, Tristan Göbel, Hanna Karlberg, Aggie Peterson, Frank Arne Olsen, Helle Goldman
Regie:
Thomas Arslan
Länge:
94 min
FSK:
FSK keine Altersbeschränkung
Kinostart:
10. August 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 10.08.2017 | 07:20 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/film/Film-Helle-Naechte,hellenaechte100.html

Weitere Neustarts der Woche

Ein turbulenter Campingtrip

"Lucky Loser - Ein Sommer in der Bredouille" hat das Potenzial zum Überraschungshit. Mike hat seine Wohnung verloren, just als seine Tochter zu ihm ziehen will. Ex-Frau Claudia ist genervt. mehr

"Der dunkle Turm": Acht Bücher, ein Film

Mehr als 30 Jahre lang schrieb Stephen King an seinem Romanzyklus "Der dunkle Turm". Nun wurde daraus ein solider Fantasy-Actionfilm mit Idris Elba und Matthew McConaughey. mehr

Mehr Kultur

10:48
05:21

Sammlung mit Zinnfiguren

22.10.2017 15:30 Uhr
Lieb & Teuer
05:59

Goldener Armreif

22.10.2017 15:30 Uhr
Lieb & Teuer