Stand: 23.09.2018 10:00 Uhr

Terry Gilliam gewinnt Kampf gegen Windmühlen

The Man Who Killed Don Quixote
, Regie: Terry Gilliam
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Fast 30 Jahre hat der US-amerikanisch-britische Regisseur und Monty-Python-Mitglied Terry Gilliam damit verbracht, sein Herzensprojekt "Don Quixote" zu verwirklichen. Nach mehreren Anläufen, verschobenen und gescheiterten Dreharbeiten wegen Unwetters, Erkrankung der Hauptdarsteller oder finanzieller Schwierigkeiten gibt es ihn nun endlich: "The Man Who Killed Don Quixote" mit Jonathan Pryce in der Hauptrolle.

Dreharbeiten mit Hindernissen

Der Don Quixote, den wir jetzt auf der Leinwand sehen, hat mit dem Don Quixote, den Terry Gilliam seit gut 30 Jahren auf die Leinwand bringen wollte, nicht mehr allzu viel zu tun. Dafür sprang jetzt Jonathan Pryce in die Rüstung des Ritters von trauriger Gestalt - und schlägt sich wacker. Adam Driver spielt einen zynischen Werberegisseur, der in ein Dorf zurückkehrt, in dem er als ambitionierter Filmstudent seinen "Don Quixote" drehte.

Interview

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Terry Gilliam, Mitglied der legendären Komikertruppe Monty Python und Regisseur von Kultfilmen wie "Brazil", kennt den Zwiespalt zwischen kommerzieller Verführung und künstlerischen Ambitionen: "Ich bekomme immer noch sehr viele Angebote aus der Werbung. Ich habe einige Spots in meinem Leben gemacht, aber ich hasse es und will es nie wieder machen. Es ist allerdings eine große Versuchung, denn für meinen letzten Spot habe ich in zehn Tagen mehr Geld bekommen als für ein Jahr Arbeit an Don Quixote!" 

Neuer Versuch mit anderen Darstellern

Es sind etliche Jahre, die er in dieses Projekt gesteckt hat. Im Jahr 2000 fing Gilliam tatsächlich das erste Mal an zu drehen. Mit dem französischen Star Jean Rochefort und Johnny Depp in den Hauptrollen. Das Desaster wurde dokumentiert: Unwetter, widerspenstige Tiere, ein erkrankter Don Quixote zusätzlich zu dem normalen Chaos am Set. All das ist zu sehen in einer Dokumentation mit dem Titel: "Lost In La Mancha - der Film, der niemals gemacht werden wollte."

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Der Dokumentarfilm "Lost in La Mancha" erzählt die Geschichte des Scheiterns Gilliams und stilisiert ihn selbst zu einer Art Don Quixote.

Am Ende drehten die Produzenten den Geldhahn zu. Im Vorspann des jetzigen Films steht zu lesen: "Nach mehr als 25 Jahren Arbeit - oder Nicht-Arbeit - jetzt endlich im Kino!" Selbstironie ist eine der größten Gaben des unermüdlichen Terry Gilliam: "Warum besteigen die Leute immer noch den Mount Everest? Einfach, weil er da ist! Mein Kopf ist offensichtlich dafür gemacht, dass ich immer wieder gegen die Wand laufe, bis einer von uns beiden aufgibt. Nun ja, die Wand hat letztlich verloren."

Ob der Film durch seinen Werdegang, die Umbesetzungen und das Umschreiben des Skriptes an Qualität gewonnen hat, ist schwer zu sagen. Herausgekommen ist ein völlig überdrehtes, surreales Gebilde mit einem rostigen Handlungsgerüst, viel Slapstick, augenzwinkernden Verweisen auf dies und das der Filmgeschichte und die Erkenntnis, das irgendwie in all dem Chaos dieser große, durchgeknallte Meister Terry Gilliam letztlich doch noch seinen Kopf und seine Fantasie durchgesetzt hat.

The Man Who Killed Don Quixote

Genre:
Fantasy
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Spanien, Belgien, Frankreich, Portugal, Großbritannien
Zusatzinfo:
mit Adam Driver, Jonathan Pryce, Stellan Skarsgård
Regie:
Terry Gilliam
Länge:
133 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
27. September 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 24.09.2018 | 06:55 Uhr

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