Stand: 17.10.2017 14:35 Uhr

Es war einmal Indianerland

von Patricia Batlle

Ein neuer starker Hamburg-Film kommt jetzt ins Kino. Eine Hommage an die Stadt. „Es war einmal Indianerland“ so heißt der Film – wie der Jugendroman des Hamburger Autors Nils Mohl. Es geht um einen 17-jährigen Boxer in Jenfeld. Das Buch ist preisgekrönt – auch wegen seiner raffinierten Vorwärts- und Rückwärts-Zeitsprünge. Jetzt hat der Hamburger Regisseur und Studenten-Oscar-Preisträger Ilker Çatak das Erfolgs-Buch verfilmt.

„Ich möchte im Moment einfach nicht mit dir vögeln. Verstehst du das? - Hast du das gerade wirklich gesagt? - Trottel!“ 

Zack, hat der Teenager Mauser eine kleben. Er hat es aber auch wirklich nicht leicht: In wenigen Tagen steht ein wichtiger Boxkampf an, bei dem der Hamburger, gespielt von Leonard Scheicher, sich als zukünftiger Profi beweisen soll. Dann lernt er die Frau seines Lebens bei ‚ner illegalen Pool-Party kennen. "Ich bin eitel, zickig und unkeusch. Verlieb dich nicht nicht!“ (sagt Jackie)

Wenn man etwas Falsches zu seiner Traumfrau sagt, möchte man am liebsten im Boden versinken. Noch besser: Die Zeit zurückspulen! Und in diesem Film geht das. Also, gestatten: Mauser. 17 Jahre alt. Wohnhaft: Irgendwo im Hochhaus am Stadtrand von Hamburg. Zöllner, sein Vater und Trainer, lebt mit Mausers Stiefmutter im selben Haus. Die coole Braut ist Jackie – alias Emila Schüle - aus einem schicken Elbvorort. Mit ihr zu feiern ist unmöglich: Alkohol und Drogen sind für den Boxer tabu.

Rasant komisch spult der Film den introvertierten Helden von einer unkontrollierten Situation in die nächste. Denn Mausers Leben steckt voller schräger, unberechenbarer Typen. Und dann hat er noch Visionen. Er fühlt sich von jemandem verfolgt: „Ich sehe die ganze Zeit einen Indianer.“

Der Hauptdarsteller Scheicher, eine Entdeckung fürs Kino, musste für die Rolle vier Monate hart trainieren und ordentlich Muskeln zulegen, wie Regisseur Ilker Catak erzählt: "Der Leonard Scheicher war beim Castin noch ein Strich in der Landschaft, alles andere als ein Boxer“ (Ilker Çatak)

Romanautor Nils Mohl hat das Drehbuch mit verfasst. Er ist in Jenfeld großgeworden, wo – neben Mümmelmannsberg, am Lütjensee und in der City Nord ein paar Tage gedreht wurde: O 7.„Es hat sich gelohnt, es hat ein paar hübsche Kulissen abgegeben“. (Mohl;)

Ilker Çatak gelingt ein wunderbar schräger Film über das Erwachsenwerden. Zum Elektro-Soundtrack von Acid Pauli erlebt der Zuschauer einen Trip ins Gemüt von Mauser – voller Gedankensprünge, Neonfarben, funkelnder Sterne, Aufputschmittel und Feenstaub. Die Komödie wirkt wie ein eisgekühlter Erdbeershake mit Energizer-Effekt, die im Geiste von „Trainspotting“ das Zeug zum Kultfilm hat.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 18.10.2017 | 19:30 Uhr

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