Stand: 23.05.2019 15:37 Uhr

Ein ADAC-Hipster als Helfer in der Not

Autopannen sind ja nicht mehr wirklich zeitgemäß. Weil Autofahren generell immer weniger zeitgemäß zu sein scheint. Der ADAC - der Allgemeine Deutsche Automobil-Club - steht ebenfalls unter dem Generalverdacht, nicht mehr zeitgemäß zu sein. Allerdings: Er kann auch anders!

Eine Glosse von Udo Schmidt, NDR Info

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Eine durch und durch ungewohnte Situation: Was tun, wenn das Auto nicht mehr fahren will?

Ich hatte lange keine Autopanne mehr. Wirklich jahrelang. Das lag wohl an meinem recht guten Auto, aber auch daran, dass ich nicht allzu oft damit unterwegs war. Am vergangenen Wochenende aber war es soweit. Und das wurde dann zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Mein Wagen, ein Fahrzeug italienischer Herkunft, dessen Zuverlässigkeit also grundsätzlich infrage steht, dem gleichzeitig aber wegen seines hohen Sympathiewertes nahezu alles verziehen wird (auch von mir), blieb stehen. Das heißt, es blieb nicht einfach stehen, sondern es ging plötzlich und unvermittelt aus. Der Motor erstarb buchstäblich, der Wagen ließ sich nicht mehr lenken und stoppte abrupt. In der Kurve einer Autobahnausfahrt. An diesem für Autopannen jeder Art vorzüglichen Ort also stand nun mein Italiener und machte keinen Mucks mehr. Das wild leuchtende Display zeigte gefährliche Fehlfunktionen an, weswegen sofort und ohne Debatte von einer weiteren Fahrt abzusehen sei.

Autopanne © dpa-Bildfunk

Der ADAC ist plötzlich ganz hip

NDR Info - Auf ein Wort -

Der ADAC steht unter dem Generalverdacht, nicht mehr zeitgemäß zu sein. Der Automobil-Club kann aber auch anders, wie Udo Schmidt in seiner Glosse schreibt: Hip sein ist in!

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Ein Anruf bei den "Gelben Engeln"

Ich konnte dem nicht widersprechen, obwohl ich das gerne gewollt hätte. Denn ich hatte gerade unseren Zweitwagen (ja, ich besitze einen Zweitwagen, nicht sehr zeitgemäß, ich stimme zu) zur Schwägerin gebracht, die autolos und auf dem Land daher nahezu perspektivlos war. Zweitwagen (japanischer und damit ausgesprochen zuverlässiger Bauart, wenn auch schon uralt) weg, Erstwagen kaputt, Sonntag eigentlich im Eimer.

Aber dann rief ich die sogenannten Gelben Engel. Also den Automobil-Club, der in solchen Fällen zu helfen verspricht - und dessen Mitglied ich seit Jahrzehnten bin. Noch ein Geständnis scheint hier also notwendig: Ich bin nicht nur Zweitwagen-Besitzer, sondern immer noch Mitglied im ADAC.

Ein iPad unter dem Arm auf der Autobahn

Auch das scheint ja manchen nicht mehr ganz zeitgemäß, obwohl sich dieser Club ausdrücklich zu modernisieren bemüht, eben um wieder zeitgemäß zu werden. Das Foto des neuen Präsidiums, das ich vor wenigen Tagen in der Zeitung sah, konnte das - also eine Modernisierung durch Verjüngung - zumindest nicht wirklich ausdrücken. Trotzdem: Ich bin Mitglied und war darüber am vergangenen Sonntag irgendwo am Rande der Autobahn auch ziemlich froh.

Mein Fall wurde von der netten Dame an der Notfall-Hotline mit hoher Priorität versehen - und keine 20 Minuten später stand der gelbe Wagen hinter meinen abgestorbenen Italo-Star. Und wer stieg da aus? Ein supercooler, supernetter junger Hipster, ein wenig Bart, eine Mütze auf dem Kopf, die trendiger kaum sein kann, so eine Art halbaufgerollter Strumpf, unter dem Arm das iPad. Probleme schienen diesem Mann lösbar, das war schnell klar, auch wenn ich ihn eher in einem Start-up der Techno-Szene Kaliforniens verortet hätte.

Wann kommt die Einladung zur ADAC-Techno-Party?

Hipster also maß nach, las die Daten des Fahrzeugs aus, hatte nicht mehr den Hauch des Anscheins eines bodenständigen Kfz-Mechanikers - die ich übrigens sehr schätze, das nur nebenbei, schließlich fahre ich ein italienisches Auto, hatte ich das schon gesagt? - und legte mir nach wenigen Minuten eine ganze Liste mit Kurven und Tabellen vor, die er dem südeuropäischen Diagnosesystem meines Fahrzeuges entnommen hatte. Nach einiger Zeit jedenfalls lief der Motor wieder - wenn auch nicht lange, aber das ist eine ganz andere Geschichte. Unser Hipster-Freund, der er inzwischen geworden war, winkte noch einmal fröhlich - und der "Gelbe Engel" schwirrte davon.

Und ich warte jetzt täglich auf die Einladung zur Automobil-Club-Techno-Party, Drum'n'Bass würde auch passen. Und wenn diese Einladung bald im Briefkasten liegt, dann bin ich dabei. Ich gehe da hin. Oder ich fahre mit dem Italiener.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 23.05.2019 | 18:25 Uhr

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