Stand: 17.05.2017 11:00 Uhr

Annette Bening als Mutter mit Problemen

Jahrhundertfrauen
, Regie: Mike Mills
Vorgestellt von Krischan Koch

Annette Bening ist eine der wenigen Hollywood-Schauspielerinnen, die sich auch mit fast 60 ihre Rollen aussuchen kann. Zurzeit ist sie an der Seite ihres Ehemannes Warren Beatty in dem Film "Regeln spielen keine Rolle" zu sehen. Jetzt kommt ein weiterer Film mit ihr in die Kinos. In "Jahrhundertfrauen" spielt Annette Bening eine alleinerziehende Mutter.

Mehr Patchworkfamilie als Wohngemeinschaft

Santa Barbara in Kalifornien, Ende der 1970er-Jahre. Bisher hat Dorothea Fields (gespielt von Annette Bening) ihren Sohn Jamie allein großgezogen. Jetzt holt sie sich Unterstützung. Als Vaterersatz ziehen zwei Frauen bei den beiden ein: die unternehmungslustige Fotografin Abbie und der Teenager Julie aus der Nachbarschaft.  

Zunächst ist der 15-jährige Jamie angesichts der drei Frauen im Haushalt etwas irritiert. Aber bald genießt er seine Rolle als einziges männliches Mitglied der Wohngemeinschaft. Die unterschiedlichen Charaktere wachsen schnell zu einer Patchworkfamilie zusammen: Die wilde Fotografin (Greta Gerwig), die nach einer Krebskrankheit aus New York an die Westküste geflohen ist, findet ein Zuhause. Und das vorlaute Mädchen Julie, mit der Jamie eine platonische Freundschaft verbindet, gibt seiner Mutter altkluge Ratschläge über das Leben und die Liebe.  

Die Geschichte ist angeblich autobiografisch. Regisseur Mike Mills wuchs mit einer alleinerziehenden Mutter in einem Frauenhaushalt auf. Zwei Erzählerstimmen, die von Mutter und Sohn, kommentieren die Handlung. Sie erzählen vom Heranwachsen ohne Vater und von drei Frauengenerationen. Von Liebe, Sex und Glück.

Rückblenden vermitteln ein Kaleidoskop der Spätsiebziger

Zwischendurch blendet Mike Mills immer wieder in die Vergangenheit seiner Protagonisten zurück oder er montiert Jimmy Carters berühmte Rede über den Konsumwahn der Amerikaner in die Handlung. Der Spät-Hippie vom nebenan philosophiert über Holz und Abbie über die Literatur des Punk-Feminismus. So entsteht ein Kaleidoskop der Spätsiebziger. Vor allem auch durch den wunderbaren Soundtrack von The Clash bis zu den Talking Heads, für die der Film eine treffende Kategorie parat hat - die Kunstschwuchteln.

Die Dialoge sind bissig und witzig. Für das Drehbuch erhielt Regisseur Mike Mills eine Oscarnominierung. Er vermeidet jede kuschelige Nostalgie. Stattdessen inszeniert Mills herrlich peinliche Situationen. Greta Gerwig, Elle Fanning und vor allem Annette Bening spielen das mit wunderbar spröder Zärtlichkeit. Das ist anrührend und sehr atmosphärisch, komisch und ein bisschen melancholisch.

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Jahrhundertfrauen

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Annette Bening, Greta Gerwig, Elle Fanning
Regie:
Mike Mills
Länge:
119 min.
FSK:
FSK ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
18. Mai 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 18.05.2017 | 07:20 Uhr

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