Stand: 02.06.2019 16:00 Uhr

Drama um eine illegale Organtransplantation

Das Leben meiner Tochter
, Regie: Steffen Weinert
Vorgestellt von Walli Müller

Das Thema Organspende wird in Deutschland gerade kontrovers diskutiert. Die einen sind für eine Widerspruchslösung, bei der jeder als Spender in Frage kommt, der nicht ausdrücklich "Nein" dazu sagt. Die anderen sehen darin eine unzumutbare Spende-Pflicht. Auf jeden Fall eine schwierige moralische Frage. Was aber, wenn das eigene Kind dringend ein Spenderorgan bräuchte, um zu überleben? Würde man dann vielleicht ganz anders über das Thema denken? Passend zur Diskussion kommt dieser Film in die Kinos: "Das Leben meiner Tochter".

Eine niederschmetternde Diagnose

Glück und Unglück können so nah beieinander liegen im Leben. Eben haben sich Natalie und Micha Faber, gespielt von Alwara Höfels und Christoph Bach, noch riesig darüber gefreut, dass sie ein zweites Kind erwarten. Nun sitzen sie völlig aufgelöst im Krankenhaus: Ihre achtjährige Tochter Jana wäre beinahe an einer Herzmuskelentzündung gestorben.

Ein Jahr später ist das Mädchen immer noch ans Klinikbett gefesselt, angeschlossen an eine Maschine, die die Herzfunktion übernimmt. Ein Spenderorgan wurde bisher nicht gefunden, Janas Gesundheitszustand ist zunehmend labil. Mit der wachsenden Sorge um ihr Kind schwindet bei den Eltern die Geduld.

Zwischen Wut und Ohnmacht

Der Film zwingt auch die Zuschauer in diese Situation hinein. Was würde man wohl selbst empfinden: Die unerschütterliche Zuversicht der Mutter - oder das Ohnmachtsgefühl des Vaters, das ihn immer wütender macht?

Vielleicht ist das Drehbuch etwas pädagogisch gestrickt, aber es beleuchtet die Situation sehr gut von allen Seiten. Da ist der Vater, der alles tun will, um seine Tochter zu retten - notfalls auch 250.000 Euro auftreiben für eine illegale Transplantation im Ausland. Das Kind, das von sich aus anfängt, sich mit dem Tod zu beschäftigen. Und die behandelnde Ärztin, die sehr genau erklärt, warum der Kauf von Organen bei uns strikt verboten ist.

Ein neues Herz wäre die Rettung

Mit dem "Prinzip Hoffnung" allein aber kann und will der Vater nicht leben. Christoph Bach steht in dieser Rolle im Zentrum des Films, weil er den modernen Menschen par excellence verkörpert: Er glaubt an Machbarkeit, nicht an Schicksal. Der Film wird zunehmend zum Psycho-Drama, wenn Micha Faber sich in juristische und moralische Abgründe begibt und Kontakt zu einem Organhändler in Rumänien aufnimmt.

Was von derlei Handel zu halten ist, daran lässt der Film keinen Zweifel. Spannend bis zuletzt bleibt die Frage, wie weit der Vater tatsächlich gehen wird in "Das Leben meiner Tochter". Vielleicht denkt der ein oder andere hinterher nochmal ganz neu über einen Organspender-Ausweis nach.

Das Leben meiner Tochter

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Christoph Bach, Maggie Valentina Salomon, Alwara Höfels
Regie:
Steffen Weinert
Länge:
92 Min.
FSK:
keine FSK-Kennzeichnung
Kinostart:
6. Juni 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 03.06.2019 | 08:55 Uhr

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