Stand: 19.04.2017 10:00 Uhr

Boxer-Film nach einer wahren Geschichte

Bleed For This
, Regie: Ben Younger
Vorgestellt von Hartwig Tegeler

Zwei Männer, inzwischen auch schon mal zwei Frauen, die in einem Ring stehen und sich verprügeln. "Immer auf die Zwölf!" Das ist der Boxkampf für die, die das Boxen nicht mögen. Für die anderen ist dies ein sportliches Ereignis erster Güte - körperliche Kraft, Technik, Kampfgeist. Und für die dritten, die Filmemacher, ist der Box-Film eine Möglichkeit, die alte Geschichte vom Aufstieg und Fall zu erzählen. Von "Rocky", über den "Wilde(n) Stier" bis zum "Million Dollar Baby". Wenn das Ganze, wie in Ben Youngers Boxer-Film "Bleed for This" auf einer wahren Geschichte beruht, dann steht der Heldenreise nichts im Wege.

Neuanfang nach schwerer Verletzung

Nach seinem Autounfall mit Bruch der Wirbelsäule ist Vinny Pazienza Ende der 1980er-Jahre einer Querschnittlähmung um Haaresbreite entgangen. Doch Vinny gibt nicht auf. Der "amerikanische Träumer", ob Sportler, Gangster, Wirtschafts-Magnat oder Politiker, braucht natürlich sein Credo, gehört in dieser oder jener Variante in unzähligen Filmen.

"Das ist eins der wichtigsten Elemente, wenn man in einen Kampf geht. Sich zuversichtlich fühlen, zu wissen, dass man gewinnen wird, es in sich drin zu spüren", sagt der Trainer zum Schützling im Ringer-Film "Foxcatcher". Ein quasi religiöser Satz, gesättigt vom Glauben ans Individuum, das alles schafft, wenn nur der Wille groß genug ist. Western und Boxer-Film sind sich da sehr ähnlich als uramerikanische Erzählungen.

"Du setzt dein Leben aufs Spiel!", sagt der Trainer im Boxer-Film "Bleed for This" zu seinem Boxer, der die Wirbelsäule gebrochen hatte, nun aber wieder anfangen will zu trainieren.

Aufstieg und Fall - die Faszination in Boxer-Filmen

Dann kämpft sich Vinny wieder hoch. Bis zum finalen Kampf. "Per Aspera ad astra" - "durch das Raue zu den Sternen". Für den Aufstieg und den Fall gibt es im Kino eine besondere Faszination, sagt Regisseur Martin Scorsese, der mit "Wie ein wilder Stier" 1980 quasi die Mutter aller Boxer-Filme gedreht hat.

Die Faszination für den Aufstieg und den Fall, viele Beispiele gibt es dafür in Geschichte, in der Literatur wie im Film. Aufstieg, Niedergang, und vielleicht wieder der Aufstieg - sagt Martin Scorsese. "Bleed for this" ist allerdings im Gegensatz zu "Wie ein wilder Stier" ästhetisch wie inhaltlich doch recht bieder. Sorgfältig ausgestattet, ohne Frage. Sehr gut besetzt mit Miles Teller als Vinny, Aaron Eckhart als Trainer Kev und Ciarán Hinds als Vinnys Vater.

Doch "Bleed for This" will - naiv wie Sylvester Stallone mit seiner mythischen Boxer-Figur in der "Rocky"-Saga - trotz Blut, Schweiß und Tränen an der Universalität des "amerikanischen Traums" nicht rütteln und bleibt vor allem solide Märchen-Inszenierung inklusive der wichtig-wuchtigen Sätze, die in solchen Filmen eben gesagt werden.

Vinnys Belohnung am Ende: der letzte Gong, der hochgerissene Sieger-Arm, der Jubel, der Titel. Abspann. Jake LaMotta, sein Boxer-Bruder in Scorseses "Wie ein wilder Stier", steht dagegen am Ende verfettet, einsam, heruntergekommen, als Gescheiterter vor dem Spiegel. Aber das, das ist dann doch eine ganz andere, eine dunklere, sehr schwerer zu ertragenden Geschichte als die in Ben Youngers "Bleed for This".

Bleed For This

Genre:
Sportlerdrama
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Miles Teller, Aaron Eckhart, Ciarán Hinds
Regie:
Ben Younger
Länge:
117 min
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
20. April 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 20.04.2017 | 07:20 Uhr

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